"Ich war die letzte Weinmaid"

TRABEN-TRARBACH. Ein "dunkles Kapitel" hat sich in der Geschichte von Traben-Trarbach aufgetan: Wer war die erste Stadtweinkönigin?

Rätselraten unter Einheimischen und Zugereisten, Heimatkundlern und Weinfreunden. Viele Namen werden genannt, doch gestern hatte erst einmal die frischgebackene Regentin der Doppelstadt Julia I. ihren ersten Auftritt beim traditionellen Bürgerschoppen. Die Winzerinnen und Winzer jenseits der 75 wurden wieder kostenlos von der Schröterzunft bewirtet. Der Musikverein Traben-Trarbach untermalte den Bürgerschoppen mit flotter Musik, Wein, Sauerbraten und weitere Leckereien mundeten im Festzelt, und die Stimmung am Moselufer war ausgezeichnet, auch wenn Wolken und einzelne Schauer den Sonnenschein ein wenig trübten. Kaum 24 Stunden im Amt, hatte die neue Stadtweinkönigin Julia bereits ihren ersten Auftritt und stellte sich im Festzelt den Bürgerinnen und Bürgern vor. Doch seit wann gibt es eigentlich Weinköniginnen in Traben-Trarbach? "Die Schröter haben in diesem Jahr mit Julia Bitsch die 37. Weinkönigin gekrönt", weiß Zunftmeister Gerhard Bretz. Seit 1970 wird die neue Weinregentin am Jakobstag den Bürgern vorgestellt, und jedes Jahr sitzt eine andere junge Dame auf dem "Thron". Doch wie war es früher? Chorleiter Albert Sonntag erinnert sich an Anneliese Faust. Die sei bereits in den 1930er-Jahren Weinkönigin gewesen. Die Nachfrage des TV führt tatsächlich auf eine heiße Spur: "Vor dem Krieg saß ich in Winzertracht im großen Kelch beim Umzug", erinnert sich Anneliese Faust. Damals war sie noch ein kleines Mädchen, eine Weinmaid, aber noch keine Hoheit. Mehr Informationen scheint es bei Richard Allmacher zu geben, denn der Besitzer der "Goldenen Traube" hat eine Wand voller Bilder mit Weinköniginnen. Die stammen jedoch alle aus den letzten Jahrzehnten. Darunter ist aber ein altes Foto mit Telefonnummer auf der Rückseite. Allmacher greift zum Hörer und spricht mit Lieselotte Bel in Köln. "Damals gab es Moselblümchen und Rheingold", sagt sie, und als solche habe sie vor 1950 die Region von Rhein und Mosel repräsentiert. Eine Königin für Traben-Trarbach indes war sie auch nicht. "Das weiß ich auch nicht", antwortet Heimatkundler Richard Ochs lachend auf die Frage, wer die Erste war, und Heimatforscher Willi Westermann benennt Richmuth Emert. Die Nachfrage im Weingut Carl Emert ergibt jedoch, dass in der Familie niemals "blaues Blut" floss. Weder Richmuth Emert noch ihre Mutter trugen je die Krone der Stadtweinkönigin. Willi Westermann nennt, wie andere Bürger auch, Ingrid Bellmer, die offensichtlich nach 1950 die erste oder eine der ersten Stadtweinköniginnen war. Auch Trudel Riepe gehörte zu den Hoheiten der 50er-Jahre, und sie war sogar die erste Traben-Trarbacherin, die im Jahr 1959 zur Gebietsweinkönigin gekrönt wurde. "Ich war die letzte Weinmaid", ist sich indes Renate Krämer ziemlich sicher. "Entweder war's Franz Urban vom Hotel Brauneberg oder Bürgermeister Heinrich de Greiff, die mich 1949 fragten, ob ich Weinmaid werden wolle", erinnert sich die Seniorin. Ihre Eltern Herrmann und Frieda Werner hatten einen Weinbaubetrieb, und die Familie lebte in der Alten Marktstraße. In ihrer von der Mutter genähten Winzertracht hatte die damals 18-Jährige den großen Auftritt. Im grünen Rock mit weißer Schürze, weißer Bluse und schwarzem Mieder sah das junge Mädchen fesch aus, und "die Leute freuten sich mit mir, sie kannten mich ja alle". Damals allerdings sei sie noch sehr schüchtern gewesen, erinnert sich Renate Krämer, und Reden musste sie zum Glück nicht halten. Nur an den zwei Tagen des drei Tage währenden Weinfestes, das damals zeitgleich in Traben und Trarbach gefeiert wurde, hatte sie ihren großen Auftritt, danach wurde es wieder still um das junge Mädchen, das im elterlichen Betrieb mitarbeitete. "Anstrengend war das Amt nicht, aber es hat viel Spaß gemacht", erinnert sich die ehemalige Weinmaid heute.