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Idee: Ein neues Hallenbad, ein verkleinertes Freibad

Idee: Ein neues Hallenbad, ein verkleinertes Freibad

Wer hat 700 000 Euro zu verschenken? Und zwar jedes Jahr für Freizeit und Sport? Die Stadt Wittlich. So viel legt sie auf das Vitelliusbad drauf. Das Hauptproblem ist das hochdefizitäre und stark sanierungsbedürftige Hallenbad. Vorschläge, das zu ändern gab es schon viele. Nun gibt es eine neue Idee für eine Zukunft.

Wittlich. Die Akustikdecke kam schon halb runter und musste entfernt werden, sodass es beim Schwimmen dann schallerte, bis die Ohren schmerzten, der Energieverbrauch ist hoch, der Zugang nicht barrierefrei, der Umkleidebereich verschlissen: Doch irgendwie wird Wittlichs Hallenbad weiter sozusagen am Leben erhalten. Man will den Patienten nicht aufgeben, auch wenn er hauptverantwortlich ist für das enorme jährliche Defizit des Vitelliusbades, zu dem noch das Freibad gehört. Aktuell sind es rund 700 000 Euro, Tendenz steigend, die die Stadt jährlich drauflegt, damit in der kühlen Jahreszeit unter Dach im warmen Wasser geschwommen werden kann. Seit Jahren ist das Problem bekannt, ein richtiges Rezept, es zu lösen, ist noch nicht gefunden, auf jeden Fall wird es teuer. Obgleich: Zahlen wurden öffentlich lange nicht mehr genannt. Nicht-öffentlich bleiben Stadtpolitik und Verwaltung am Thema dran.
Es gab schon einige Vorschläge, etwa 2009 von der SPD. Für die Fraktion regte Joachim Gerke an, zu prüfen, ob ein "Freibad mit mobilem Dach", ähnlich wie das Allwetterbad in Grünstadt, womöglich eine sinnvolle Alternative sei. Damals war auch noch eine Generalsanierung für geschätzt mehr als drei Millionen Euro aktuell.
Zuletzt war im Juni der Um- oder Neubau des Vitelliusbades ein nicht öffentliches Thema. Anfang Oktober deutete Bürgermeister Joachim Rodenkirch beim Bürgerforum zum kommenden Haushalt an, dass ein kompletter Neubau des Hallenbades wahrscheinlich sei.Bad soll prinzipiell bleiben


Immerhin ist man sich fraktionsübergreifend im Stadtrat einig, dass die städtische Anlage zwar ein Dauerzuschussgeschäft aber keineswegs überflüssig ist und Bestand haben soll. In welcher Form auch immer.
Zuletzt war das Vitelliusbad öffentlich im Stadtrat in der Septembersitzung Thema, als Ergebnisse der Kosten- und Leistungsrechnung für 2013 vorgelegt wurden. Das damalige Defizit von rund 660 000 Euro verteilte sich demnach auf 257 000 fürs Freibad und der größere Rest aufs Hallenbad. Und: Unter Dach liegt der Kostendeckungsgrad nur bei 20 Prozent, im Freibad ist er doppelt so groß. Das liegt auch an den Öffnungszeiträumen: Das Hallenbad hat 31 Wochen, das Freibad 19 Wochen im Jahr geöffnet.
Politischer Wille im Stadtrat ist, beide Einrichtungen zu erhalten. Für den Problemfall Hallenbad wollen alle Fraktionen nach der Sommerpause weiter nach einer Lösung suchen, der politische Wille, weiterhin ein Hallenbad in der Stadt zu bieten ist da (der TV berichtete).
Nun kommt ein neuer Vorschlag vom Stadtverband der Grünen, den die Fraktion im Stadtrat zur Diskussion stellen will.
Volker Keßler, Stadtverbandssprecher Bündnis 90/Die Grünen, sagt: "Bei einer Mitgliederversammlung hat sich der Stadtverband einstimmig für eine sogenannte Kombi-Lösung des Schwimmbads ausgesprochen."
Die Eckpunkte des Konzeptes: Das ganze Jahr soll ein neues Hallenbad, das im Bereich des jetzigen Nichtschwimmerbeckens am Freibad gebaut werden soll, zur Verfügung stehen. Dadurch könnten Sanitär- und Umkleideräume gemeinsam genutzt werden, die Gesamtwasserfläche insgesamt würde zwar verkleinert, jedoch die tatsächlich genutzte Wasserfläche bliebe gleich, auch im Sommer bei schlechtem Wetter könne geschwommen werden, etwa die Hälfte des Freibades, von dem Rutsche, Kinderplanschbecken und 50-Meter-Becken erhalten bleiben sollen, könne mitsaniert werden, die energetischen Anlagen würden technisch erneuert. "Schwimmzentrum" ist der Arbeitstitel, der im Papier zum Konzept häufig genannt wird. Als Hauptvorteil stellen die Grünen voran: "Höhere ganzjährige Attraktivität des Schwimmzentrums Vitelliusbad und dadurch höhere Besucherzahlen." Das "Schwimmzentrum" sei "ein unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge und ein wichtiger Standortfaktor für Wittlich und seine Bürger. (…) Die Fraktion der Grünen im Stadtrat stellt daher einen Antrag zur Umsetzungsprüfung einer Kombilösung". Ratsmitglied Stephan Lequen bestätigt das auf TV-Nachfrage und sagt: "Wir stellen den Antrag zur nächsten Stadtratssitzung am 26. November."Meinung

Die Diskussion ist angestoßen
Eine Stadt, die mittlerweile so verschuldet ist, dass sie ihren Haushalt vermutlich nicht mehr ausgleichen kann, muss aufs Geld gucken. Schwimmen kostet Geld. Seit Jahren schieben die Verantwortlichen das Thema Hallenbad vor sich her. Das kann man verstehen. Es geht um sehr viel Geld, das nicht da ist, und es geht um sehr viel Sympathie bei den Menschen also Wählern, falls man hart entscheidet, sich das nicht mehr leisten zu können. Wittlich ohne Hallenbad! Dagegen ist der Verlust des Kinos ein Klacks. Das will eigentlich keiner. Die Grünen wagen sich nun weit vor. Dass ausgerechnet der Teil, den die jungen Schwimmer im Sommer am intensivsten nutzen, zur neuen Hallenbadfläche werden soll, die Riesenrutsche ausgenommen, das wird für Diskussionen sorgen. Aber einen Tod muss man in der Schwimmbadfrage sterben, wenn man das Bad nicht dicht machen will. Ob es zeitnah eine bezahlbare Lösung gibt? Nicht nur die Schwimmer dürfen gespannt sein. s.suennen@volksfreund.de