Ideen im Kopf, aber kein Geld im Säckel
Eigenleistung, viel Eigenleistung. Nur so können die 125 Einwohner von Gräfendhron ihren Fremdenverkehrsort so gestalten, dass weiterhin viele Touristen hier anreisen. Geld ist eigentlich keines da, denn immer noch wirkt sich die Naturkatastrophe aus dem Jahr 2000 finanziell aus.
Gräfendhron. Idyllisch ist es in Gräfendhron. Manche Ecken erinnern an den Schwarzwald oder ans Voralpenland. Seit 1996 ist der Ort mit seinen 50 Gästebetten und guter Infrastruktur Fremdenverkehrsgemeinde. Alles wäre noch schöner, wenn die 125 Einwohner nicht einen Schuldenberg von 130 000 Euro vor sich her schieben müssten.Die Nachwehen der Naturkatastrophe vor acht Jahren sind noch heute zu spüren. Es gab beispielsweise schon im Januar drei Arbeitseinsätze mit dem Ziel, Wirtschaftswege frei zu schneiden. "Wir können uns ja nicht zuwachsen lassen, allein schon wegen der Touristen", macht Ortsbürgermeister Hans-Günter Steinmetz klar. Doch sobald eine Maßnahme ein bisschen Geld kostet, wird daraus gleich ein "Projekt" - zum Beispiel die Instandsetzung eines Traktors oder die Reparatur des Tores an der Leichenhalle. Für andere Orte sind das "Peanuts"; hier haut es mächtig ins Kontor."Einerseits haben wir Pflichtaufgaben, andererseits fehlt uns das Geld dazu". Mit diesen Worten macht Steinmetz das Dilemma deutlich.Der sanfte Tourismus ist in Gräfendhron für viele Familien ein zweites Standbein. So auch für Steinmetz, der als einer der ersten Einwohner Fremdenzimmer anbot. Inzwischen kommen Gäste aus Kanada, Australien, Vietnam und Russland in den Ort. Die Anbieter von Fremdenzimmern zahlen auch Steuern, sogar an die eigene Ortsgemeinde. Steinmetz sucht die "Steuereinnahmen" aus dem Tourismus aus einem Ordner heraus: Es sind exakt 520 Euro im Jahr."Aus eigener Kraft kommen wir da nicht mehr raus", sagt der Ortschef. Die Rettung seien allein die engagierten Mitbürger und die Vereinsmitglieder, die immer wieder mit anpacken. Ideen seien ja genug da, aber das Geld fehlt dazu. Wenn einmal was Größeres gebaut wird, dann ist es beispielsweise ein Projekt wie das von RWE, die Überlandleitungen unter die Erde zu verlegen. Da der Stromriese dem Wetter in Gräfendhron nicht traut, baut er seine Strommasten ab.Dennoch bleibt die Gemeinde ein Touristenhit. Gäste sagen, Gräfendhron ist einer der romantischsten Orte im Hunsrück.