Ihr Leitgedanke: Kinder brauchen Kinder

Ihr Leitgedanke: Kinder brauchen Kinder

Integrative Kindertagesstätte in Bernkastel-Kues trägt jetzt den Namen der vor drei Jahren verstorbenen ehemaligen Leiterin Annette Künzig.

Bernkastel-Kues Vor drei Jahren ist Annette Künzig im Alter von 60 Jahren an einer heimtückischen Krankheit gestorben. Sie war eine Pionierin auf dem Feld der integrativen Kindergärten im Land. In solchen Einrichtungen wachsen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam heran. Ihr zu Ehren wurde jetzt die integrative Kindertagesstätte auf dem Kueser Plateau nach ihr benannt. Sie heißt nun "Integrative Kindertagesstätte Annette Künzig".
Evi Bauer stand Annette Künzig besonders nahe - als Kollegin und als Mutter eines behinderten Kindes. Sie erinnert sich: "Annette hat mich gelehrt, die Welt aus ihren Augen zu sehen. Kinder waren ihr Leben, dabei hatte sie selbst keine Kinder, aber dennoch so viele."
In eine Feierstunde sprachen viele von einem Lebenswerk, das sie hinterlassen hat. Als 22-Jährige begann Annette Künzig 1976 ihre Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz in dem damals sogenannten "Sonderkindergarten" auf dem Kueser Plateau. Und sie begann zugleich an der pädagogischen Gestaltung des Sonderkindergartens zu einer integrativen Kindertagesstätte. Zu der Zeit sprach noch kaum jemand über Inklusion. Inklusion heißt, dass zum Beispiel Kinder mit und ohne Behinderung im Kindergarten und in der Schule gemeinsam spielen und lernen.
Träger der integrativen Kita auf dem Kueser Plateau ist das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich. Dessen Geschäftsführer Christian Johann sagte in einer kleiner Feierstunde: "Annette Künzig erkannte schon vor 40 Jahren - vielen Menschen um einige Jahre voraus - die wesentliche Bedeutung des Leitgedankens ‚Kinder brauchen Kinder'". 1980 startete die engagierte Erzieherin ein Kontakt-Projekt mit dem Regelkindergarten in Osann-Monzel, um Möglichkeiten sozialer Integration behinderter Kinder zu erproben. 1982 wurde der Sonderkindergarten als eigenständige Einrichtung in den Kindergarten Wehlen integriert. Einige Jahre später wird die erste integrative Gruppe aufgebaut. 1990 wird im Kindergarten St. Peter in Wengerohr eine Außenstelle mit zwei integrativen Gruppen eröffnet. 1996 wird die Kita auf dem Kueser Plateau mit drei integrativen Gruppen neu eröffnet. Seit 2012 erweitert eine Krippengruppe das Angebot. Der erste Beigeordnete der VG Bernkastel-Kues, Leo Wächter, sagte: Annette Künzig hat den Gedanken der Integration in Rheinland-Pfalz maßgeblich beeinflusst."

Extra: INTEGRATIVE KINDERTAGESSTÄTTE

Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"


In der "Integrativen Kindertagesstätte Annette Künzig" gibt es drei integrative Gruppen mit jeweils zehn Kindern aus dem Regelbereich und fünf Kindern mit Förderbedarf im Alter von zwei bis sechs Jahren. Zusätzlich gibt es noch eine Krippengruppe mit zehn Plätzen für Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Diese arbeitet jedoch nicht integrativ. In Summe verfügt die Kindertagesstätte über 55 Plätze, wovon 15 Plätze für Kinder mit Förderbedarf ausgelegt sind. Neben der integrativen Kita auf dem Plateau betreibt das DRK-Sozialwerk noch eine vergleichbare Einrichtung in Wehlen.