IHRE MEINUNG

Zum Artikel "Zentimeter für Zentimeter vom Hunsrück Richtung Eifel" (TV vom 27. Juni) schreibt dieser Leser:

Zurzeit erinnert die Baustelle der Hochmoselbrücke an eine Glosse des Lügenbarons Münchhausen. Die Illustration dazu: An einem Dorfbrunnen tränkt Münchhausen sein Pferd, dem die hintere Hälfte fehlt. Der arme Gaul säuft und säuft - und hinten läuft das Wasser wieder heraus. Unsinn natürlich, aber lustig anzusehen! Auch die Zeltinger Brücke ist nur zur Hälfte vorhanden. Die Eifelseite fehlt - ein halber Gaul eben! Der frisst zwar munter weiter unser Steuergeld, das nutzlos verplätschert. Der Reiter (Lewentz?) sitzt dümmlich grinsend auf seiner Schindmähre. Eine Änderung seiner prekären Situation ist nicht abzusehen, da die Eifler Brückenhälfte aus technischen Gründen blockiert ist. Aber dieses Bild ist nicht der einzige Gedanke, der einem beim Trauerspiel "Hochmoselübergang" in den Sinn kommt. Eine weitere Eulenspiegelei (oder Schildbürgerstreich?) ist offensichtlich: Bekanntlich schadeten sich Schildas Bürger mit größtem Vergnügen selbst. So auch hier: Man scheint an der Mosel stolz darauf zu sein, demnächst ein "einzigartiges" Bauwerk vorweisen zu können. Und kaum jemand bemerkt, dass es diese Brücke ist, die der Mosel den angestrebten Welterbestatus kosten wird (siehe Waldschlösschenbrücke bei Dresden). Die Verantwortlichen hoffen offenbar darauf, das eine zu bekommen, ohne auf das andere verzichten zu müssen. Aber dem hat die Unesco mit ihrer Entscheidung, dem Mittelelbetal den Status zu entziehen, längst einen Riegel vorgeschoben. Der Schaden für die Region? Zwischen 20 und 30 Millionen Euro jährlich. Dazu kommt: Die Brücke kostet fünf bis zehn Millionen Euro pro Jahr an Unterhalt. Deshalb sinkt die Nutzen/Kosten-Relation der Brücke dramatisch! Aber das scheint die Verantwortlichen nicht zu stören. Motto: Was ist das alles gegen das größte, höchste, schönste Brückenbauwerk Deutschlands, das - nach Lewentz - "uns Rheinland-Pfälzer so gut wie nichts kostet, weil Berlin bezahlt".Was ebenfalls Unsinn ist. Denn wir alle zahlen die Zeche für diesen überflüssigen Gigantismus! Helmut Körlings, Traben-Trarbach