IHRE MEINUNG

Zum Artikel "Wittlicher Stadtrat erhält Drohpost" (TV, 19. Juli) meint diese Leserin:

Dem anonymen Postkartenschreiber fehlt jedes demokratische Verständnis, da er Personen, die nicht seine Meinung bestätigen, beleidigt und außer Landes schicken möchte. Ali Damar ist als Stadtratsmitglied gewählt worden und vertritt öffentlich einen Personenkreis. Durch seine Aufstellung zur Wahl zeigt er, dass er das Demokratieverständnis lebt. Der oder die "Wittlicher Bürger" als Autor der anonymen Postkarten müssen sich fragen wer mehr in diese Gesellschaft integriert ist. Anonyme Pamphlete zu schreiben und zu versenden gehört nicht zu den akzeptierten Verhaltensweisen in unserer Demokratie. Der Kölner Künstler wurde als "Anfänger" für "entartete Hühnerscheiße" gegen die vermeintliche "immerwährende" Schönheit der NS-Kunstideologie gesetzt. Aus dieser Äußerung spricht der wahre Geist des Anonymus. Wir wissen, dass die von ihm hochgehaltene Schönheit der NS-Ideologie auf Rassismus basiert. Die von dieser Ideologie überzeugten Menschen reagierten mit einem vernichtenden Verhalten jeder anderen Meinung gegenüber, wie mit der Bücherverbrennung, dem Berufsverbot und der Verfolgung von Künstlern, die diese angeblich entartete Kunst und Literatur produzierten. Auf die Vernichtung der Kunst und der Unterdrückung folgte, wie die NS-Geschichtsforschung bewiesen hat, die Vernichtung nicht akzeptierter Personen und -gruppen. Wenn Herr Rodenkirch behauptet, ein offener Brief wäre genauso abwegig wie eine anonyme Postkarte, setzt er Opfer und Täter gleich. Zudem fehlt mir die Solidarität des ersten Bürgers der Stadt mit verbal attackierten Opfern. Einem körperlichen Angriff gehen immer verbale Attacken voraus. Das weiß man nicht nur aus der Geschichte. Herr Rodenkirch sollte sich eindeutig positionieren, wem seine Solidarität gilt. Ist denn Herr Rodenkirch der Meinung, dass Äußerungen wie "Volltrottel" und "eine Religion … ist zum kotzen" dem Diskurs und der Verständigung in dieser Gesellschaft dienen? Ursula Knorr, Köln