Im Bahnhof ist Musik drin

Im Bahnhof Thalfang ist seit 1985 Musik drin. Damals wurde das Gebäude an den Thalfanger Gleisen zum "Musik-Bahnhof". Erfolgreiche Musiker gaben sich die Klinke in die Hand. Heute gehört der Fachwerkbau Christof Meiler und Dörte Leppla. Die Bahn-Station ist die erste von 15, die der Trierische Volksfreund in seiner Serie "Leben am Gleis" unter die Lupe nimmt.

Thalfang. Im Jahre 1991 haben sich die beiden Bayern Christoph Meiler und Dörte Leppla direkt in den Thalfanger Bahnhof verliebt. "Ich kam, sah und kaufte", beschreibt Christof Meiler seinen spontanen Entschluss. Nach einer Idee des Heidenburger Ortsbürgermeisters Dietmar Jäger war das Gebäude an den Gleisen bereits 1983 zum "Musik-Bahnhof" geworden. Doch was hatte bei Jäger zum Entschluss geführt, "Musik-Gastronom" zu werden? "1983 stand der Bahnhof leer und zum Verkauf", erinnert sich der Kommunalpolitiker. Mit vier weiteren Kumpels habe er beschlossen: "Nicht meckern, dass nichts los ist, sondern was losmachen." Nach einem Jahr Renovierung entwickelte sich ein Musik- und Kunstbahnhof, in dem Künstler wie "The Lords", Konstantin Wecker oder Sissi Perlinger auftraten.

Nach einer sechsjährigen Ruhe- und Renovierungsphase ist jetzt wieder am ersten und dritten Freitag im Monat geöffnet. Viele Bahn-Accessoires erinnern im Schankraum an die große Zeit der Hunsrückbahn. Zusätzlich wurde die Hebelbank aus dem Bahnhof Bitburg zur Dekoration eingebaut. Und in den Obergeschossen wurden drei Wohnungen eingerichtet.

Das Leben am Gleis ist für die Familie die Erfüllung: "So ein Haus, das hat einfach Atmosphäre, es lebt", findet Meiler. Ein Bahnhof sei immer ein Treffpunkt, man komme an oder fahre weg: "Es ist ein Symbol von Freiheit."

Im Frühling und Sommer ist auch das Außengelände bei der Verschönerung an der Reihe. Das Paar hat noch die letzten Fahrten der Schienenbusse erlebt und freut sich auf neuen Schienenverkehr. "Wir wollen den Fahrgästen etwas bieten. Auf jeden Fall darf man diesen Bahnhof besichtigen", lautet das Angebot.

Das Empfangsgebäude entspricht dem Baustil der anderen Bahnhöfe an der Trasse. Ein Anbau und eine kleine Bahnsteigüberdachung machen deutlich, dass in vergangener Zeit hier reges Treiben herrschte. Der Fahrkartenschalter war bis Anfang der 70er Jahre mit einem Verkehrsbeamten besetzt. Die Gleisanlagen wurden in den Jahren 1937/38 erheblich erweitert. Die Länge des Bahnhofs betrug in dieser Zeit zwischen den beiden Einfahrsignalen weit über einen Kilometer. Ein Stellwerk mit über 30 Hebelplätzen wurde damals in dem neuen Stellwerksanbau installiert. Das Überholgleis wurde nach dem Krieg völlig entfernt. Am Bahnhofskopf in Richtung Deuselbach gab es bis in die 70er Jahre den Gleisanschluss Hammerstein. Eine Kopframpe und eine großzügige Ladestraße vervollständigten das Bahnhofsbild. Ein letztes großes Fahrt-Aufkommen brachte das Windbruch-Holz Mitte der 80er Jahre.