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Im brasilianischen Bikini zwischen Rioler Reben

Im brasilianischen Bikini zwischen Rioler Reben

Manfred Schmitz ist 1980 mit der Winzertanzgruppe Riol nach Brasilien gereist. Der deutsch-brasilianische Kulturaustausch funktionierte nicht nur auf dem Tanzboden, sondern auch zwischenmenschlich. Er lernte Elisabeth Raimann kennen, die er 1986 heiratete. Die Brasilianerin mit deutschen Wurzeln folgte ihm an die Mosel. In Riol arbeitet sie seither mit ihrem Mann im Weingut.

Riol/Simmern. "Ich habe keine Zeit für Heimweh", sagt Elisabeth Schmitz. Denn täglich kümmert sich die gebürtige Brasilianerin um den Familienbetrieb in Riol, in den sie 1986 eingeheiratet hat, steht im Weinberg, begleitet Weinproben. In perfektem Deutsch. Denn es ist die Sprache ihrer Vorfahren. Einer von ihnen, Johann Grings aus Simmern im Hunsrück, setzte 1882 von Bremen nach Porto Alegre in Brasilien über; er war damals 36 Jahre und Mühlenbauer.
Mit zwei Pullovern nach Hause

 Seit 28 Jahren ein Ehepaar: Manfred Schmitz und seine Frau Elisabeth haben sich in Südamerika kennengelernt. Seit ihrer Hochzeit lebt die Brasilianerin mit deutschen Wurzeln in Riol, der Heimat ihres Mannes. TV-Foto: Cordula Fischer
Seit 28 Jahren ein Ehepaar: Manfred Schmitz und seine Frau Elisabeth haben sich in Südamerika kennengelernt. Seit ihrer Hochzeit lebt die Brasilianerin mit deutschen Wurzeln in Riol, der Heimat ihres Mannes. TV-Foto: Cordula Fischer


Das Hunsrücker Platt lernte Elisabeth zu Hause in Nova Petropolis zuerst, Portugiesisch stand erst in der Schule auf dem Stundenplan. 1980 half sie als junge Frau, die in Rio Tourismus und Betriebswirtschaft studierte, im Textilgeschäft ihrer Eltern aus, als Manfred Schmitz dort einen Pullover als Souvenir für seine Schwester kaufen wollte. Da ihr Deutsch von allen Mitarbeitern am besten war, bediente sie den jungen Mann aus Riol, der mit der Winzertanzgruppe durch den Süden Brasiliens tourte. Er verließ den Laden - mit zwei Pullovern im Gepäck. "Eine nette Begegnung", sagt Manfred Schmitz. Während seines Aufenthalts in Südamerika haben sich die beiden dann noch vier Mal wiedergesehen, danach fünf Jahre Kontakt gehalten, teure Telefonate geführt. Sechs Jahre später haben sie geheiratet - in Brasilien und in Deutschland, wohin Elisabeth ihrem Mann folgte. "Meine Eltern waren stolz auf mich, wussten aber nicht, ob ich es hier aushalten würde", sagt Elisabeth Schmitz. Denn in einen Winzerbetrieb einzuheiraten, bedeutet auch mitzuarbeiten. "Es reicht nicht, einfach nur hübsch zu sein, ich muss auch etwas leisten", sagt sie resolut. Und das tut die Mutter zweier Söhne täglich. "Ich habe den schönsten Arbeitsplatz", sagt sie. In den Rioler Weinbergen arbeitet sie im Sommer manchmal sogar "im brasilianischen Bikini. Aber es müssen brasilianische sein, die deutschen sind zu breit."
An das oft triste Wetter musste sich Elisabeth erst gewöhnen, und dass ihr die Wärme fehlt, das wird ihr heute immer bewusster. "Und anfangs war ich hier schon ein Sonderling, wurde von den Leuten beobachtet", berichtet sie. Heute allerdings kennen die Rioler sie, grüßen und winken ihr zu, wenn sie durch den Ort fährt.
Alle zwei Jahre reist das Paar nach Brasilien. Und auch geschäftlich hat es nach Südamerika Kontakte geknüpft - bei den Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen 2007 in Blumenau gab es Weine aus Riol. Auch zur deutschen Botschaft in Buenos Aires (Argentinien) und nach Kolumbien haben Elisabeth und Manfred Schmitz Rioler Riesling geliefert. Nächstes Ziel für den Weinexport: Brasilia.
Auch in der Weinstube im Probsthof ist "Brasilien ganz nah": Dort steht unter anderem eine alte Weinpresse aus dem südamerikanischen Land. Und Landesflaggen zieren die Wände - vor allem während der Fußballweltmeisterschaft. "Unser Tipp fürs Finale: Deutschland - Brasilien. Wenn das zustandekommt, gibt es bei uns eine Feier." Für wen Elisabeth Schmitz die Daumen drückt? Für Deutschland, aber im Herzen ist sie dennoch Brasilianerin.