Im Einsatz für mehr Gerechtigkeit

BERNKASTEL-WITTLICH. Als Mitglied Nummer 6000 hat der Kreisverband des VDK Ellen Braun aus Kinderbeuern-Hetzhof begrüßt. Warum der Verband bis heute so erfolgreich ist, verraten seine Geschäftsführerin und der Vorsitzende.

Angefangen hat der VDK als Interessensvertretung von Kriegsgeschädigten nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Alliierten verfolgten wachsam die Entwicklung neuer Organisationsstrukturen des alten Feinds. Gegen die Aktivitäten des VDK jedoch hatten sie nichts einzuwenden: Offenkundig bemühten sich die Verantwortlichen redlich um alle, die Unterstützung benötigten. So ist es bis heute geblieben. Nur die Klientel hat sich gewandelt. Über Mitgliederschwund muss sich weder der Bundes- noch der hiesige Kreisverband beschweren. Dessen Vorsitzender Harald Lenz weiß auch warum. Ein wenig sarkastisch sagt er: "Weil wir in Deutschland eine sehr gute Sozialpolitik haben." Wie um seine Aussage zu unterstreichen, herrscht im VDK-Büro im Gebäude der Sparkasse ein reger Publikumsverkehr. Ununterbrochen klingelt das Telefon. Menschen mit Sorgen suchen Rat bei Geschäftsführerin Ludwina Schäfer, die bis vor wenigen Jahren alle Arbeit allein erledigte. Seit 1995 erst ist das Büro mit Computern bestückt, inzwischen steht ihr auch eine Teilzeitkraft zur Seite. Ungezählte Beratungen werden hier jährlich für die VDK-Mitglieder geboten. Über alles andere führt Schäfer Statistik. Die weist für das vergangene Jahr 226 Rentenanträge aus, 620 Widersprüche, zwei Anhörungen, 125 Klagen, und drei Mal gingen Mitglieder in die Berufung. Oft mit Erfolg, denn auch darüber gibt die Statistik Aufschluss: 902 Mal konnte das Problem beseitigt werden, 50 Mal wenigstens zum Teil. "Die Probleme kommen meist aus dem Rentenbereich und dem Schwerbehindertenrecht", berichtet die Geschäftsführerin. Diese Gründe haben auch Mitglied Nummer 6000 zum Eintritt in den Verband bewegt. Kosmetikerin Ellen Braun aus Kinderbeuern-Hetzhof brauchte dringend kompetente Hilfe in Sachen Rente - für ihren behinderten Bruder hat der VDK längst gute Arbeit geleistet. Fit muss der Verband jedoch auch in Sachen Unfall-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung sein. Ansonsten ist den Mitarbeitern sozusagen "nichts Menschliches fremd". Denn der unerwünschte Asylant oder die unglückliche Frau, die 240 Euro als Putzfrau verdient, und die sich mitsamt den Kindern von ihrem Gatten trennt, sucht ebenfalls Rat und Trost bei Ludwina Schäfer - für 3,50 Euro Mitgliedsbeitrag im Monat ein ziemlich umfassender Service.VDK-Reisen immer noch etwas Besonderes

Früher waren die VDK-Reisen ein Renner, der dem Verband nebenher Geld einbrachte, doch heute spielen sie zumindest finanziell keine Rolle mehr. Dennoch sind diese Reisen etwas Besonderes geblieben: Die barrierefreie Technik ermöglicht auch Rollstuhlfahrern ein Höchstmaß an Selbstständigkeit. Behindertengerechte öffentliche Gebäude sind dem VDK ein großes Anliegen. Harald Lenz wurde als Berater hinzugezogen, als man den Umbau des Wittlicher Hauptbahnhofs plante. Ob es letztlich zu den notwendigen öffentlichen Toiletten kommt, auch zu den rollstuhlgerechten, weiß Lenz jedoch nicht. Er kann sich, gemäß den Leitsätzen des VDK, lediglich in die Politik einmischen. Das aber tut Lenz, der nebenbei in zahlreichen weiteren Kreis-Gremien mitarbeitet, mit großer Leidenschaft.

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