Im Hause derer zu Hunolstein

HUNOLSTEIN. (urs) Bei den Hunolsteiner "Heroldstagen" sorgten rund 90 Live-Rollenspieler für Leben in den alten Mauern.

Rund um die Burgruine Hunolstein ging es ganz schön heftig zu. "Was machen die denn da?", fragte sich manch ahnungsloser Spaziergänger, der sich unvermittelt seltsamen Gestalten gegenüber sah. Machten viele noch einen harmlosen Eindruck, sahen einige, schwer bewaffnet oder in dunklen Gewändern, Furcht einflößend aus. War es vielleicht eine historische "Heimat"-Episode von Edgar Reitz, die diese Gestalten zur Burgruine derer zu Hunolstein geführt hatte? Oder hatte sich das Zeittor in ein anderes Jahrhundert geöffnet? Weder noch - wie sich die ehrenvoll empfangene "Dame vom geschriebenen Wort" überzeugen konnte. Hintergrund des ungefährlichen Treibens am Fuße der Ruine war ein Live-Rollenspiel - was Dreharbeiten irgendwie ähnlich ist, aber ohne Kamera abläuft. Diese kurz Larp (Live Action Role Play) genannten Fantasie- oder Historien-Spiele sind eine seit einigen Jahren beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Hundheimer "Heroldstage" waren ein Anfänger-Spiel, sprich "Con" für "convention" (Zusammenkunft). 90 Personen machten mit beim Turnier um die Hand "einer Jungfrau". Ein Fantasie-Con, bei dem an Kleidung erlaubt war, was gefiel. Yves Schubert, alias "Tischondrius Freiherr von Ner'zuhl", war in die Rolle eines Wesens, das kein Licht verträgt geschlüpft. Als erfahrener "Larper" nahm er zwei Anfänger unter seine Fittiche, die wie er schwarz geschminkt und gekleidet waren. Ein Vorteil dieses Spiel-Charakters ist, dass die Kostüme leicht selbst herzustellen oder günstig zu kaufen sind. Oliver Timmreck trug als "Graf Adular" eine aus Pappe gefertigte Panzerleder-Rüstung. Sie stammt aus der Werkstatt eines Jugendzentrums in Marl, wo er sich ehrenamtlich engagiert.Die OP-Schwester wird zur Heilerin

Neben Bogenschießen und Schwertkampf lernte man dort, "wie man Waffen und Schilde baut". So entstand sein imposanter Anzug. Die aus Resten gefertigte Montur - Ladenpreis etwa 2000 Euro - kostete ihn 400 Euro. Für ihre Kostüme werden viele "Larper" kreativ. "Was es auf dem Markt gibt, ist einfach unbezahlbar", erklärt "Heilerin" Jaana Brandt, im wirklichen Leben OP-Schwester. Eigenbau sind auch oft die Zelte, die ansonsten wie Christian Müther aus Darmstadt erzählt, leicht 600 Euro kosten. Der Saarländer Stephan Neufang kam mit seinem Wikinger-Zelt günstiger weg: "Das hab' ich hergestellt nach historischen Plänen, um 900 waren die so gängig." Vorrangig geht es bei "Cons" ums Spiel. Gut aussehen wollen sie natürlich auch. Zu den Heroldstagen hatte das von 350 Besuchern genutzte Internet-Forum des Live-Rollenspiel-Magazins "LARPzeit" zusammengeführt. Mit dabei war auch Torsten Buchmann, einer der beiden "LARPzeit"-Herausgeber. Er hat schon an 60 Cons teilgenommen. Dabei schlüpft er vorzugsweise in die Rolle eines Nomaden, eines Charakters, den die Mitspieler "Barbar" nennen: "Weil sie immer fusselig rumlaufen."

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