Im Herz der Wildnis übernachten

Als künftige Nationalparkgemeinde will sich Neuhütten zur Anlaufstelle für Besucher entwickeln. Eine Idee ist dabei, im Ortsteil Muhl ein Köhlerhüttendorf mit einfachen Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. Mit diesem und anderen möglichen Nationalpark-Projekten hat sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend beschäftigt.

Neuhütten. Ein offizielles Eingangstor zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald wird es in Neuhütten nicht geben. Da sich auch das Saarland am Projekt beteiligt, wird dieses Tor im Nachbarort Otzenhausen mit dem Keltenpark eingerichtet. Die beiden anderen Tore werden das Hunsrückhaus am Erbeskopf und die Wildenburg bei Kempfeld sein. Dennoch gibt es in Neuhütten die klare Erwartungshaltung, dass die Gemeinde bei künftigen Angeboten für die Besucher des Parks eine wichtige Rolle spielt und das Land auch den Ausbau der Infrastruktur im 770-Einwohnerort unterstützt.Gemeinde sieht Park positiv


Der Rat beschäftigt sich seit zwei Jahren intensiv mit dem Thema Nationalpark und hat dabei stets zustimmende Beschlüsse gefasst. Ortsbürgermeister Peter Kretz betont jedoch: "Wir haben immer auf unsere besondere Betroffenheit hingewiesen."
Immerhin liegen 863 Hektar Staatswald im kommenden Schutzgebiet auf Neuhüttener Gemarkung - und das bei einer Nationalpark-Gesamtfläche von etwa 10 000 Hektar. Außerdem wird der Ortsteil Muhl mit seinen 90 Einwohnern bald wie eine Insel ringsum vom Nationalpark umschlossen.
Das von den Neuhüttenern eingeforderte Mitspracherecht hat das Land inzwischen eingeräumt. Von den 33 Plätzen in der künftigen Nationalpark-Versammlung ist einer für den Ortsbürgermeister von Neuhütten reserviert. Als eines von 15 Starterprojekten hat das Land zudem bereits 100 000 Euro für die Erstellung eines Konzepts bereitgestellt, mit dem Neuhütten besser vor Überflutungen nach Unwettern geschützt werden soll. Diese Pläne werden nach Auskunft von Kretz in der nächsten Ratssitzung vorgestellt.
Das Land habe schon signalisiert, dass es bei der späteren Umsetzung der Schutzvorkehrungen einen Zuschuss aus dem Programm Aktion Blau gewähren will. Besonders im Blickfeld stand am Montagabend aber Muhl. "Dort befinden sich die Besucher später im Herzen des Nationalparks. Deshalb ist dieser Ort für Wanderungen prädestiniert", sagte Kretz. Im Nationalpark sollen später Ranger-Touren angeboten werden. Muhl sollte bei diesen Touren vom Land als Anfangs- oder Endpunkt berücksichtigt werden, so die Erwartung des Neuhüttener Rats. Das Muhler Bürgerhaus und sein Umfeld könnten zudem die Funktion einer Service-Station - so der Arbeitstitel - erfüllen. Die Gemeinde hofft in diesem Zusammenhang auf Zuschüsse für die Sanierung des Bürgerhauses - insbesondere für dessen Sanitärbereich, der auch für rastende Wanderer gedacht ist. Vor allem will die Gemeinde aber auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten für Outdoor-Touristen schaffen. Hinter dem Bürgerhaus gibt es eine große Wiese, auf der - so die Idee - Hütten errichtet werden könnten, die an die Entstehungsgeschichte von Muhl als Siedlung von Köhlern erinnern (siehe Extra). Der Rat hat in seiner Sitzung zunächst für 7900 Euro den Auftrag an ein Fachbüro vergeben, das eine Machbarkeitsstudie - unter anderem mit Kostenschätzung - zum Projekt Köhlerhüttendorf erstellen soll. Bei einem positiven Ergebnis könnte das Vorhaben mit Zuschüssen aus dem Leader-Programm der Europäischen Union mitfinanziert werden.Einzige Kirche im Gebiet


Die St.-Josef-Kapelle in Muhl ist zudem das einzige Gotteshaus im Nationalpark-Gebiet. Messen finden dort nur noch selten statt. Die Gemeinde Neuhütten hofft auf eine Wiederbelebung der Kirche. Es laufen laut Kretz bereits Gespräche mit dem Bistum Trier, um in Kooperation mit anderen Beteiligten - zum Beispiel auch der Gemeinde selbst - einen Trägerverein zu gründen.
Schließlich hat der Rat beschlossen, dass sich Neuhütten künftig mit dem Namenszusatz Nationalparkgemeinde schmücken wird. "Das ist ein positiv bewerteter Begriff und ein Exklusivrecht, das nur echte Belegenheitsgemeinden auf ihren Ortsschildern und auf ihren Briefköpfen verwenden dürfen", betonte Kretz (Anmerkung der Redaktion: "Belegenheitsgemeinde" ist ein Begriff aus der Rechtswissenschaft. Er beschreibt hier den Zustand des flächenmäßigen Beteiligtseins am künftigen Nationalpark).Extra

Im Bereich Neuhütten und Züsch entstanden in vorindustrieller Zeit - also im 17. und 18. Jahrhundert - Werke zur Eisenproduktion. Am bekanntesten ist der Züscher Hammer. Für die Eisenproduktion in den Schmelzöfen brauchten die Hüttenarbeiter aber Feuer - und dafür war wiederum Holzkohle nötig. Das Material dafür lieferte das waldreiche Gebiet im Umland. An vielen Stellen wurden deshalb die sogenannten Kohlemeiler aufgestellt. Diese mit Erde und Zweigen luftdicht abgedeckten Holzhaufen wurden vom Köhler - so die Berufsbezeichnung - angezündet und ein Schwelbrand erzeugt. Wichtig war dabei, dass der Köhler die langsame Verbrennung des Holzes richtig regulierte. Weil es etwa eine Woche dauerte, bis ein Kohlemeiler komplett abgebrannt war, bauten sich viele Köhler einfache Hütten in der Nähe ihrer Arbeitsstelle. Sie legten damit die Keimzelle für die Entstehung der Ortschaften Neuhütten, Muhl, Damflos oder Abtei, die im Volksmund immer noch als Waldhüttendörfer bezeichnet werden. ax