Im Himmeroder Klosterwald jagt jetzt ein anderer

Im Himmeroder Klosterwald jagt jetzt ein anderer

Die Abtei Himmerod und ein Bauunternehmer vom Niederrhein fechten seit zwei Jahren einen Rechtsstreit aus. Der Unternehmer durfte 50 Jahre in dem 160 Hektar großen Jagdgebiet des Klosters auf die Pirsch gehen - bis festgestellt wurde, dass kein richtiger Pachtvertrag besteht. Das Kloster verpachtete daher das Gebiet anderweitig. Zu Recht, wie das Oberlandesgericht Koblenz jetzt urteilte.

Großlittgen/Koblenz. Ewald Holstein war stets ein besonderer Gönner des Klosters Himmerod. 50 Jahre lang hat er der Zisterzienserabtei immer wieder große Geld- und Sachspenden geleistet, die dabei halfen, den Klosterbetrieb aufrecht zu halten. Doch mit seiner Großzügigkeit dürfte nun endgültig Schluss sein.
Holstein, der seit Anfang der 60er Jahre im 160 Hektar großen Jagdgebiet des Klosters mit Freunden auf die Pirsch geht, wird sich voraussichtlich so schnell nicht mehr in den Wäldern rund um die Abtei blicken lassen. Denn er darf dort nicht mehr auf Sauen, Rehe und andere Wildtiere schießen. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz entschieden und damit dem Kloster Recht gegeben. Die seinerzeit mit Holstein geschlossenen Pachtverträge seien nicht gültig, entschied der Richter.
Zur Vorgeschichte: Anfang der 60er Jahre ist Bauunternehmer Ewald Holstein zu Gast bei einer Jagd in der Eifel. Dabei hört er erstmals von der Abtei Himmerod und sucht Kontakt mit den Klosteroberen. 1961 wird der erste Vertrag zwischen der Abtei und dem Bauunternehmer sowie dessen Bruder über die Jagd auf dem 160 Hektar großen Gebiet des Klosters geschlossen. Weitere folgen. Die Brüder spenden insgesamt mehreren hunderttausend Euro an das Kloster. 2011 gerät das Kloster in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Alle Verträge werden geprüft. Dabei moniert das Finanzamt die Regelung bezüglich des Jagdreviers.
Die Konsequenz: Die Abtei legt Holstein im Jahr 2011 neue Verträge vor und schreibt einen jährlichen Pachtzins in Höhe von 3750 Euro mit einer Laufzeit von acht Jahren fest. Der Bauunternehmer ist nicht einverstanden und verweist darauf, dass erst ein Jahr zuvor der bisher bestehende Vertrag über 2033 hinaus bis 2066 verlängert worden war. Es kommt zum Bruch: Die Abtei verpachtet das Revier an einen anderen Jäger aus der VG Wittlich-Land. Holstein zieht vors Landgericht. Und das gibt ihm recht. Es gelte weiterhin der Pachtvertrag mit Holstein, so der Richter. Das Kloster legt Rechtsmittel ein, der Fall kommt vor das Oberlandesgericht Koblenz und das befindet pro Kloster.
Das Gericht verweist auf die Pachtverträge beziehungsweise die Pachtverlängerungsverträge. Sowohl im ersten Vertrag aus dem Jahr 1961 als auch in den Anschlussverträgen aus 1963 und 1968 sei die Höhe des Pachtzinses nicht festgelegt. Für die Verpachtung einer Jagd, so das Gericht, sei "die vereinbarte Gegenleistung ein unverzichtbarer Bestandteil des Vertrages und müsse schriftlich festgehalten werden".
In Vertrag von 1983 sei zwar erstmals ein Pachtpreis vereinbart, in einer Zusatzvereinbarung aber gleichzeitig festgelegt worden, dass der Pachtzins "wie bisher beziehungsweise nach jeweiliger gemeinsamer Vereinbarung entrichtet werde". Das Gericht schreibt dazu: Mit der Zusatzvereinbarung sollte alles beim Alten bleiben, das heißt, mündlich abgesprochen werden. Es habe also wiederum keine bindende schriftliche Vereinbarung über den Pachtzins gegeben.
Das Urteil des Oberlandesgerichts ist rechtskräftig. sim