Im Hunsrücker Holzmuseum dreht sich alles um Tabak

Neue Ausstellung : Starker Tobak aus dem Hunsrück

In der neuen Ausstellung im Holzmuseum dreht sich alles um einen fast vergessenen Gewerbezweig.

Das Hunsrücker Holzmuseum ist ein Museum für die Sinne. Viele Exponate können die Besucher anschauen, anfassen, manche auch riechen. Letzteres ist auch in der neuen Ausstellung der Fall. In einzelnen Räumen riecht es nach Tabak. Und das ist kein Zufall: Denn die Ausstellung, die am heutigen Freitag eröffnet wird, heißt „Räubertabak: Starker Tobak aus unserer Heimat“. Sie dreht sich um einen einst florierenden Wirtschaftszweig in Morbach.

Warum macht man eine Ausstellung über Tabak? „Das hat mich schon immer interessiert“, sagt Annette Eiden, Kuratorin der jüngsten Ausstellung. Immerhin gab es in Morbach früher eine ganze Reihe von Tabakspinnereien, unter anderem Peter Brück, Philipp Herlach und Peter Mettler. Die Manufaktur der Firma Mettler, betrieben von Hans Georg Mettler, in der Birkenfelder Straße war übrigens die Keimzelle des heutigen Weltunternehmens Papier-Mettler. Die Tabakverarbeitung war im 19. und in Teilen des 20. Jahrhunderts ein florierender Wirtschaftszweig.

Warum gab es Tabakspinnereien in Morbach? Der Tabak wuchs damals wie heute in der Wittlicher Senke. Aber warum entstand in Morbach eine Tabakindustrie, abseits der Anbaugebiete in der Eifel? Betriebe, die Tabak verarbeiten, gab es allerdings zum Beispiel auch an der Mosel. „Und da hat sich sicher mancher gedacht: Ich probiere das mal“, sagt Eiden. Immerhin war die Armut und damit sicher auch der Erfindungsreichtum groß. Dass die Produktion in Morbach nicht unbeträchtlich gewesen sein kann, sieht man an einer Liste von 14 Tabakkäufern im Dritten Reich in Wittlich, die Eiden im Kreisarchiv entdeckte. Drei von den 14 stammten aus Morbach. Verarbeitet wurde damals übrigens nicht nur Tabak aus der Eifel, sondern auch aus Virginia, Kuba, Sumatra und Brasilien.

Welche Produkte wurden hergestellt? Tabak ist nicht gleich Tabak, heute eben so wenig wie damals. Es gab Roll- oder Strangtabak, Feinschnitt (unter anderem für Zigaretten und Pfeifen), Krüllschnitt (ebenfalls für Pfeifen), Stumpen und Zigarrentabak (beides für Zigarren). Rolltabak, auch als Strollen bekannt, wurde vor allem in Streifen geschnitten und gekaut. Hauptabnehmer waren Bergarbeiter, die unter Tage nicht rauchen durften.

Woher stammen die Informationen? Ihre Informationen bezieht Eiden, die seit 2007 Vorsitzende des Morbacher Hunsrückvereins ist, nach Möglichkeit aus erster Hand. Beispielsweise vom inzwischen verstorbenen Josef Mettler, der im Unternehmen seines Vaters August Mettler gearbeitet hatte und noch genau wusste, welcher Tabak für welches Produkt verwendet wurde. Und der Annette Eiden vor seinem Tod noch diverse Rezepturen verriet. Oder von Inge Thetard, die in Wittlich noch selbst Tabak anbaut. Die Firmenchefin half auch bei der Ausstellung, indem sie bei der vergangenen Ernte Tabakblätter mit einer Nadel an einem Faden aufreihte und in einer Scheune trocknete.

Woher stammen die Exponate? Bei dieser wie auch bei früheren Ausstellungen können sich die Akteure teilweise aus dem eigenen Fundus bedienen. Zum Beispiel gilt das für ein Bild des Malers Wilhelm Terwei aus dem Jahr 1924, das Frauen und Männer in der Tabakspinnerei Philipp Herlach zeigt. Das war dem Museum vermacht worden. Inzwischen wurde es restauriert und kehrte erst kurz vor der Eröffnung nach Weiperath zurück. Oder Wickeltische. Das sind Tische, an denen per Handarbeit Zigarren entstehen. So einen wollte Annette Eiden gern in der Ausstellung zeigen. Aber wo gibt es so etwas? Die Helfer fanden tatsächlich drei Exemplare im Magazin, zwei von ihnen sind zu sehen.

Warum hat die Ausstellung den Begriff Räubertabak im Titel? Die Bezeichnung ist eine Anspielung auf die Tabaksorte „Schinderhannes“, die Franz Brück entwarf und die er mit einer Silhouette des Räuberhauptmannes Johannes Bückler und dessen Unterschrift versah. Und dies zu Zeiten, als das Leben des Schinderhannes mit den Erfolgsschauspielern Maria Schell und Curd Jürgens im Hunsrück an Originalschauplätzen gedreht worden war. „Der Tabak war jahrelang ein großer Verkaufsschlager“, schreibt Heimatforscher Hermann Bohn in der Morbacher Chronik.

Wie viele Helfer braucht man für eine solche Ausstellung? „Viele“, sagt Annette Eiden, die für das Konzept verantwortlich ist. Die einen recherchieren in Tabakmuseen, andere restaurieren die Wickeltische, noch andere entwickeln das Essen, das in der Gaststube des Museums angeboten wird und stets etwas zu tun hat mit dem Ausstellungsthema. Diesmal gibt es „Weiperather Strolle“ mit Salatgarnitur. Was das genau ist, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Vernissage und Öffnungszeiten: Die neue Sonderausstellung „Räubertabak: Starker Tobak aus unserer Heimat“ wird am Freitag, 12. April, um 18 Uhr im Hunsrücker Holzmuseum mit einer Vernissage eröffnet. Es liest Stefan Kritten. Die musikalische Gestaltung übernehmen Heidrun und Axel Leischner. Die Ausstellung ist bis 1. Januar 2021 zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung im Sommerhalbjahr dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 10.30 bis 17 Uhr.

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