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Im Jubiläumsjahr stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit der Wittlicher DRK-Einrichtung für psychisch Kranke?

Im Jubiläumsjahr stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit der Wittlicher DRK-Einrichtung für psychisch Kranke?

Ein Mensch lebt seit 20 Jahren in der Felsenburg, andere haben in dem früheren Hotel und Restaurant eine Heimat auf Zeit gefunden. Alle Bewohner und Nutzer sind psychisch krank. Nun ist die Immobilie in die Jahre gekommen. Ob und wie sie weiter als Einrichtung des DRK-Sozialwerks genutzt werden kann, wird geprüft.

Auf der Anhöhe mit Blick ins Liesertal liegt die Felsenburg am Stadtrand von Wittlich in Richtung Plein. Einst als Hotel und Restaurant mit Panoramaterrasse genutzt, ist die Anlage seit 20 Jahren eine DRK-Einrichtung für psychisch Kranke, die dort leben und unterstützt werden.

Die Immobilie ist in die Jahre gekommen - Stichwort Brandschutz und Barrierefreiheit. Im Jubiläumsjahr stellt sich die Frage, inwieweit sich eine Investition lohnt. Es stünde auch ein Ausbau der Zimmer an. Denn, sah die alte Heimmindestbauverordnung zwölf Quadratmeter für Einzel- und 18 Quadratmeter für Doppelzimmer vor, werden nun 14 Quadratmeter für Einzel- und 20 Quadratmeter für Doppelzimmer gefordert. In diesem Zusammenhang kursiert das Gerücht, die Felsenburg werde vom DRK-Sozialwerk verkauft. Martin Zimmer, stellvertretender Geschäftsführer, erklärt auf TV-Nachfrage, man überlege, zu verkaufen und in sanierter Form wieder langfristig zu mieten.Man wolle sich langfristig vom Immobilienbesitz lösen und "sich auf seine Kernkompetenz Betreuung fokussieren".

Bei der Felsenburg sei insbesondere der Zimmerausbau ein Problem: "Da sich dies nur unter erschwerten Bedingungen am Standort vollziehen lässt, war der passende Umbau einer anderen Liegenschaft im Kreisgebiet und deren Anmietung eines von vielen Szenarien, die derzeit in Vorüberlegungen sind und mit den Behörden, insbesondere der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich aber auch dem Sozialministerium abgestimmt werden müssen", sagt Zimmer zum Sachstand.

Käme unter anderem der jetzige Arbeitsamtsstandort in der Friedrichstraße, direkt neben der neuen DRK-Adresse, infrage? Immerhin zieht die Arbeitsagentur in den künftigen Neubau (Abriss Baustoffe Thiel) der Faco in der Kurfürstenstraße (der TV berichtete). Das Arbeitsamt sei, so Zimmer, "keine derzeit forcierte Lösung" und weiter: "Was auch immer mittelfristig mit der Felsenburg passiert, eine Sanierung am Standort oder Verlagerung an einen anderen, mit allen Beteiligten einvernehmlich abgestimmten und von den Bewohnern präferierten Ort, wird das Vorgehen das Gleiche sein: Bei allen Dezentralisierungen des DRK-Sozialwerks passiert nichts über die Köpfe der jeweiligen Anwohner hinweg. Diese werden zu Informationsveranstaltungen eingeladen, Berührungsängste werden abgebaut und auf eine harmonische Nachbarschaft wird Wert gelegt."

Das war auch 1997 so, als die Felsenburg als erste außerklinische Einrichtung im Kreisgebiet für ausschließlich psychisch Kranke öffnete. Auf die Frage, was damals die Vorbehalte waren und wie es nach 20 Jahren aussieht, sagt Martin Zimmer: "Bereits vor 20 Jahren gab es ähnliche Bedenken wie diese etwa aus heutiger Sicht bei der Verlagerung der Psychiatrie vom Verbundkrankenhaus Standort Wittlich zum Standort Bernkastel-Kues auftreten. Die dortige Bevölkerung reagierte zunächst mit Skepsis, die sich im Laufe der Zeit abgebaut hat."

Auch wenn mancher der Klienten "statusbedingt ein auffälliges Verhalten" zeige, wenn er sich außerhalb der offenen Einrichtung in der Stadt aufhalte, wie Oliver Heinz, Leiter ambulante und gemeindepsychiatrische Hilfen beim DRK, sagt, sei nicht gleich jeder, der auffalle, etwa weil er öffentlich Alkohol trinke, ein Klient, wie ab und an von Wittlichern zu hören ist.

Von den 24 Menschen am Standort gebe es lediglich vier, die regelmäßig trinken und "davon eine Person, die unbegleitet in der Stadt Alkohol kauft": "Die Zahl an wohnungslosen Personen oder Personen mit allgemeinem Alkoholproblem innerhalb der Stadt, die früher am ,Netto' oder sonst wo gesehen werden, aber gar nicht vom DRK-Sozialwerk betreut werden, ist daher deutlich höher."

Dass eine Einrichtung wie die Felsenburg unverzichtbar ist, belegen die Warteliste und die Realität: Oliver Heinz: "Eine bezahlbare Wohnung zu bekommen, ist in Wittlich für Menschen mit Beeinträchtigungen nahezu unmöglich." Sie seien auch für Vermieter teils schwierig zu ertragen. Und Martin Zimmer sagt: "Typisch für viele ist, dass sie aufgrund ihres ausgeprägten Krankheitsbildes auf dem ersten Wohnungsmarkt bereits mehrfach gescheitert sind oder für das Leben in einer größeren Gemeinschaft nicht tragbar erscheinen." Eine Zwei- bis Vier-Personen-Wohneinheit mit einem abgestimmten Betreuungskonzept sei deshalb eine Alternative über die soziale Einbindung gelingen könne. Das leisten die Mitarbeiter der Felsenburg seit 20 Jahren. So konnten 25 von den 60 in 20 Jahren betreuten Menschen später in die eigenen vier Wände wechseln. Und Zimmer meint abschließend: " Für die über die Felsenburg betreute Personengruppe der Menschen mit einer psychischen Erkrankung ist die derzeitige Lage mit keinem direkt angrenzenden eng anliegenden Wohngebiet optimal, da es sich um eine beruhigte Lage handelt. Die dort lebenden Menschen haben aufgrund ihrer Erkrankung teilweise mit massiven Ängsten zu kämpfen und schätzen die Ruhe aber auch die Gemeinschaft mit Menschen, denen es ähnlich geht." Und Zimmer wie Heinz erinnern daran, dass "diese Erkrankung jeden und zu jeder Zeit erreichen kann."

Eine Angehörige eines in der Felsenburg lebenden Mannes sagt: "Die Lage der Einrichtung ist optimal, weil der Drang, zu laufen, dort problemloser ausgelebt werden kann. In der Friedrichstraße etwa fände ich das unmöglich. Es ist gut, dass es das Haus gibt. Die Menschen müssen ja irgendwo leben, sonst bliebe nur die Straße."