Im Kampf gegen den Tinnitus

Drei Jahre hat es in Sissi Perlingers Ohren gepiept, dann war Schluss: In ihrer Show "Gönn\' dir ne Auszeit" spricht sie von ihrem Tinnitus. In der Morbacher Baldenauhalle macht sie aus einem ernsten Thema eine faszinierende Glitzershow.

Morbach. Piiiep. Piiiep. Piiiep. "Ist das mein Wecker?" Piiiep. Das Geräusch hört nicht auf. "Träume ich noch?" Nein. "Das Geräusch, es kommt aus meinem Ohr." Vor 14 Jahren ist Sissi Perlinger nach eigenen Angaben in ihrem Hotelbett aufgewacht, und dann war er da: der Tinnitus.
Ihr damaliger Manager Harri rief sie an: "Sissi, vielleicht musst du etwas kürzertreten." Und Perlinger antwortete: "Kürzertreten? Wann soll ich denn das auch noch machen?" Die Kabarettistin steht gerade auf der Bühne mit ihrem Programm "Gönn\' dir ne Auszeit". In der Morbacher Baldenauhalle spricht sie über den Anfang ihrer großen Krise. Tiefpunkt. Endstation. Sie erzählt von einer Phase, die sie tief prägte. Perlinger steht im Licht der Scheinwerfer mit einem gold-glitzernden Leopardenanzug, Leopardenschuhen und einem Leopardenhut. Sie strahlt, und das Publikum lacht von Herzen. Das ist das Rezept der Perlinger: Sie schafft es, ernste Themen unglaublich lustig zu erzählen. Sie nimmt die Besucher mit in ihre persönliche bunte Welt und gibt einen Einblick in die drei Jahre, die es gedauert hat, um ihren Tinnitus loszuwerden.
Auf ihrem Weg zum Glück erzählt sie über die Gespräche mit ihrer Therapeutin, von der Reise nach Indien und der Sehnsucht nach ihrem Vater, der sie im Alter von drei Jahren verlassen hat. Und jeder Lebensabschnitt wird mit einer übertriebenen, zugespitzten Pointe angereichert. Um endlich ihr Piepen aus dem Ohr zu kriegen, reist Perlinger nach Indien, und verzichtet auf eine schicke Kreuzfahrt, denn sie möchte auf kein "schwimmendes Altenheim".
Die bayerische Entertainerin spricht vom Schönheitswahn, der Generation "Konsum-Enten" und vom Altwerden. Sie schlüpft in die Rolle der "Olga" mit Brille und grauem Haar, die sie in Indien kennengelernt hat und zeigt, dass auch Altsein schön sein kann. "Ich sag\' euch eins. Beißt nicht ins Gras, raucht es lieber", ruft Perlinger als Oma Olga von der Bühne. In deren Altenheim geht es spaßig zu: "Komm\', lass\' uns nach oben gehen, Liebe machen", sagt sie ihrem Partner. "Beides schaff\' ich nicht mehr", antwortet er. Olga geht in die Stammkneipe "Zum fröhlichen Hospiz" und hat keinerlei Angst vorm Altwerden. So hüpft Sissi Perlinger in ihrer Show von einem Thema zum Anderen. Und das auf eine vielseitige Art und Weise.
Wenn auf die Strichliste der Berichterstatterin tatsächlich Verlass ist, dann rennt Perlinger alleine 14 Mal hinter eine kleine graue Wand, um ihr Outfit zu wechseln. Sie packt bunte Handpuppen aus. Sie spielt Gitarre und afrikanische Djembe. Zwischendurch tanzt und singt sie.
Auch das Publikum ist von ihrer Performance beeindruckt: "Mir gefällt das ganze Paket. Die Art, wie sie Themen darstellt. Die Kommentare sind direkt aus dem Leben gegriffen. Es ist sehr unterhaltsam", sagt Sandra Jakobs. Besucherin Franziska Kriedl meint: "Ich finde die Show gut, und mir gefällt ihre Vielseitigkeit." Am Ende ihrer außergewöhnlichen Reise ist das Piepen in Perlingers Ohren weg. Sie hat ihr Glück gefunden. Ihre Botschaft an das Publikum lautet: "Gönn\' dir ne Auszeit."