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Im Keller das Gemüse, in der Küche das Fleisch

Im Keller das Gemüse, in der Küche das Fleisch

WITTLICH-WENGEROHR. Vielleicht sind alle Möhnen überall davon überzeugt, dass gerade ihre Erbsensuppe die beste ist. In Wengerohr fassen die Damen es konkreter: Sie haben "die beste Erbsensuppe aus dem ganzen Regierungsbezirk Trier".

Etwas scheint dran zu sein an der jahrzehntelangen Behauptung der Wengerohrer Möhnen, die beste Erbsensuppe der Region zu machen. Um etwas abzukriegen vom großen Kuchen, sprich, von der großen Suppe, kommen die Jecken am Weiberdonnerstag auch von außerhalb Wengerohrs angereist. Manche löffeln ihr Süppchen gleich vor dem Pfarrheim aus. Andere füllen den Henkelmann und beglücken ihre ganze Familie mit dem obligatorischen Festmahl, das die tollen Tage alljährlich eröffnet. 300 Liter sind es in Wengerohr: alles andere als ein Pappenstiel. "Die Erbsen spendiert uns treu das Warenhaus Bungert", berichtet Obermöhne Marlene Lombard. Sie steht dem fröhlichen Verein in der zweiten Wahlperiode vor. Mittwochs vor dem dicken Donnerstag geht es rund in ihrem Haus. An diesem Tag müssen riesige Mengen an Zutaten bewältigt werden. Zunächst dient die Badewanne als gigantisches Waschbecken für Sellerie, Lauch und Möhren. Geschnippelt wird auf zwei Etagen: Im Keller das Gemüse, in der Küche das Fleisch. Auch an diesem Tag will das Essen und Trinken organisiert sein, was für Frauen allerdings noch nie ein Problem war. Eine Möhne reist pünktlich um 12 Uhr mit ausreichend Speck-Kartoffelsalat an. Wenn die groben Arbeiten gemacht sind, geht es weiter: Mit voll gepackten Autos fahren die lustigen Weiber alles zur Polizeischule. Früher haben sie selbst hier gekocht, doch die gesetzlichen Bestimmungen haben sich geändert. Das Küchenpersonal übernimmt diese verantwortungsvolle Aufgabe mittlerweile allein. Kurz vor 11 Uhr am fetten Donnerstag wird es dann ernst. In sechs von der Polizei gestellten Thermobehältern holen die Möhnen, inzwischen längst im Festtagsornat, die dampfende Köstlichkeit ab. Vor dem Pfarrheim warten die Jecken bereits. Sie wissen schließlich, was sie erwartet. "Die beste Erbsensuppe im ganzen Regierungsbezirk Trier", sagt Uschi Reimann überzeugt. Sie arbeitet im Vorstand mit, der einmal im Monat ein Treffen der aktuell 39 Frauen organisiert. Als sie in den 60er Jahren von Trier nach Wengerohr gezogen sei, habe sie hier keinen Menschen gekannt. Irgendwann ging sie zum ersten Möhnentreffen - und blieb. So wie Uschi Reimann ging es den meisten. Die wenigsten Möhnen stammen aus Wengerohr. Was sie alle verbindet, ist die Lust am Karneval. Immerhin waren sie es, die die Kappensitzungen aus der Taufe hoben, damals noch als sehr junge Frauen. Erst später gesellten sich die Männer zum närrischen Treiben dazu und gründeten einen eigenen Karnevalsverein, der sich übrigens nie in Konkurrenz zu den "Weibern" verstanden hat. Die einen kümmern sich um dieses, die anderen um jenes, alles freundschaftlich Hand in Hand. Auch über Zuwachs würden sich die Damen freuen. Nicht die Arbeit, sondern der Spaß steht im Vordergrund: Ein überzeugenderes Argument gibt es nicht.Erlös des Suppenverkaufs geht an Flutopfer

Schade ist es immer, wenn das Wetter am Weiberdonnerstag nicht mitspielt. Kalte Regentropfen im Teller haben noch keiner Suppe gut getan. In diesem Jahr hat der Pfarrer grünes Licht für eine Neuerung gegeben: Wer mag, kann sein Mittagsmahl im Trockenen zu sich nehmen. Die Pforten des Pfarrheims werden offiziell geöffnet. Bei aller Freude verlieren die Möhnen die Realität nicht aus dem Blick. Der Erlös ihres Suppenverkaufs - für Kinder gibt es Brötchen mit Würstchen - geht auf direktem Wege zu den Flutopfern nach Asien.