Im Kino fällt der vorerst letzte Vorhang

Im Kino fällt der vorerst letzte Vorhang

Am Sonntag wird Martin Scheid im Wittlicher Kino den letzten Film zeigen. Ob ein neues Lichtspielhaus an derselben Stelle gebaut wird, steht noch in den Sternen. Die Geschichte des Kinos in der Kreisstadt reicht fast 100 Jahre zurück.

Wittlich. "Zeiten ändern Dich" und der neue "Sherlock Holmes" - mit diesen beiden Filmen verabschiedet sich das Wittlicher Kino "Kintim" am Sonntag von seinen Zuschauern. Für Betreiber Martin Scheid lohnt sich das Filmhaus, das äußerst renovierungsbedürftig ist, nicht mehr (der TV berichtete). Er sagt: "Die Miete ist zu hoch, ich verdiene nichts mehr."

Fast auf den Tag genau nach zehn Jahren hat er deshalb seinen Pachtvertrag gekündigt. Er schaut sich nun nach einem anderen Kino um. Es könnte sein, dass es ihn in ein südliches Bundesland zieht.

Wie es mit dem Lichtspielhaus weitergeht, ist noch unklar. Bislang existiert lediglich eine große Idee, die Kinobesitzer Thomas Dausend vergangene Woche präsentiert hat (der TV berichtete). Sie trägt den Namen "Schloss-Theater" und bezieht sich auf die komplette Häuserzeile zwischen Stadtbücherei und Polizei in der Schlossstraße, Kino inklusive. Die Zeile soll bis auf die Fassade von Nummer 16 abgerissen und ein Neubau errichtet werden.

Das neue Gebäude soll ein Kino mit vier Sälen, einen Theatersaal, Gastronomie, Gewerbe, eine Tiefgarage und Wohnungen beherbergen. Doch bevor sich die Idee einer Realisierung nähern kann, müssen noch viele Fragen geklärt werden, auch die Finanzierung.

Bis zur Eröffnung eines neuen Filmtheaters, falls es eines gibt, dürfte noch einige Zeit verstreichen. Die fast 100-jährige Geschichte des Kinos in Wittlich würde am Sonntag dann zumindest unterbrochen. Der Historiker Klaus Petry hat sie in einem seiner Bücher über Wittlich beschrieben.

Er würde das neue Projekt nicht nur wegen des Kinos begrüßen. Petry: "Die heutige Schlossstraße war vor dem Ersten Weltkrieg eine Prachtstraße. Heute stehen da zum Teil beschämende Ruinen."

1913 feierte das Wittlicher Kino Premiere. Untergebracht war es im Kaisersaal des Hotels Kaiserhofs, heute "Deutsches Haus". Der Saal, der 600 Sitzplätze bot, besaß für eine Kleinstadt gigantische Ausmaße: 24 Meter lang, 13 Meter breit, neun Meter hoch.

Hinzu kam eine Galerie für 80 bis 90 Zuschauer. 1932 wurde das Hotel samt Kino vom neuen Besitzer Claus Zahnen umgebaut. Zahnen baute auch das neue Lichtspielhaus in der heutigen Schlossstraße. Es wurde, so vermutet Petry, noch vor dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. Laut Dausend hieß es früher "Schloss-Theater", so wie seine aktuelle Konzeption für die Schlossstraße.