Im Kloster Machern gibt es bis 30.09 eine historische Schulaustellung.

Ausstellung : Wo Kindheitserinnerungen lebendig werden

Im Klostern Machern ist zurzeit eine historische Schulausstellung zu sehen.

Griffeln und Schiefertafeln: Mit diesen Begriffen können die kürzlich eingeschulten Kinder wohl gar nichts anfangen. Aber auch ihre Eltern können sich vielleicht recht wenig vorstellen, wenn beispielsweise von Fleißbildchen oder Stereoskopie die Rede ist. Diese sind derzeit im Kloster Machern in einer Ausstellung zu sehen. Denn vor 100 Jahren war das anders. Alexa Fischer, Leiterin des Spielzeug- und Ikonenmuseums im Kloster Machern, erklärt: „Reihum haben die Kinder zum Unterrichtsbeginn ihre Fibeln und Schreibhefte ausgepackt und mussten dann schnurgerade sitzen, wenn der Lehrer den Raum betrat. Wer dann seine Hände nicht ruhig auf seinem hölzernen Pult behielt, der bekam schon schnell mal Ärger mit dem Lehrer.“

Ob Links- oder Rechtshänder, geschrieben werden musste mit der rechten Hand. „Und wer mit seinen Bank­nachbarn quatschte oder sich daneben benahm, dem schlug der Pädagoge von früher mit dem Rohrstock auf die Fingerchen oder auf den Allerwertesten“, sagt Fischer.

Wen dieser strenge Umgang mit den Kleinen befremdet oder wer sich noch an diese Zeiten erinnern kann, der wird in der historischen Schulausstellung im Museum des Kloster Machern wohl so einige Überraschungen erleben: Lederne Federmappen, handgeschriebene Lehrbücher oder auch Apparaturen für Erklärbildchen mit einem ersten 3D-Effekt, sogenannte Stereoskope, kann man hier bestaunen. Vorschriften für Lehrer in kompliziertem Beamtendeutsch lesen die Besucher in originalen Gesetzesparagraphen auf Wandplakaten und lösen selbst einmal Aufgaben, die Opa und Oma damals rechnen mussten.

Ein Ausstellungsraum voller alter Erinnerungen und neuer Eindrücke bringt die Museumsgäste zurück in die Schule des Mittelalters, der Kaiserzeit oder auch in die Zeit, in der die Kinder den Lehrer mit dem Hitlergruß begrüßen mussten. Das waren Zeiten, als an Dinge wie Chancengleichheit noch nicht zu denken war.

Aus den Museumsvitrinen schauen einen vor allem hochwertig verarbeitete Schulsachen an. „Kinder aus ärmeren Familien haben meist keine Möglichkeit gehabt, sich die teuren Schulsachen zu leisten“, erklärt Alexa Fischer und zeigt eine aufwendig bestickte Schultasche und ein ledernes Frühstückstäschchen, in dem die Schüler damals ihr Pausenbrot mitgeführt haben.

Weiter in der Vergangenheit fällt vor allen Dingen auf, wie viele Texte handschriftlich verfasst wurden, die heute selbstverständlich massenweise kopiert und gedruckt werden. Ein dick gebundenes Buch mit der säuberlich und schwunghaft geschriebenen Aufschrift „Schulrechenbüchlein von Leontia“ fällt in den Blick. Es lässt den Betrachter beeindruckt zurück, wenn klar wird, wie viel Arbeit in einzelne Lehrbücher, die Unikate waren, gesteckt wurde, ehe der Buchdruck flächenweise von dieser Last befreite.

Einige Zeit später gab es dann statt den heute üblichen Schulheften eine Schiefertafel, die mit einem Griffel beschrieben wurde. „Da auf den Täfelchen aber nur für wenige Zeilen Lernstoff Platz gewesen ist, war vor allem eines angesagt: Auswendiglernen!“. Die Schüler wurden aber nicht nur dazu gezwungen gezwungen: Um zum Beispiel Schönschrift zu üben, mussten sie immer wieder denselben Satz von sogenannten Schulvorschriften, die auch im Museum zu besichtigen sind, abschreiben, ehe es ihnen genauso hübsch gelang, wie es das Zettelchen vorschrieb. Ohnehin, so machen viele Ausstellungsstücke den Eindruck, war der tägliche Drill eines jeden Kindes der Begleiter des damaligen Schullebens.

So geht es beispielsweise auch aus einem ausgestellten Hinweis für die Lehrer hervor, dass diese doch die Schulhefte nach „revolutionären und unsittlichen Inschriften“, wie die Schulbehörde Kritzeleien nannte, untersuchen sollten. Die kleinsten Späße konnten folglich schon zum größten Ärger führen.

Neben den Exponaten können die Museumsbesucher auch in den ausliegenden Informationsheften oder in der großen Power-Point-Präsentation noch vieles weitere über die zehn verschiedenen Bereiche der Ausstellung erfahren.

Das Museum von Kloster Machern in Bernkastel-Kues präsentiert in seiner Sonderausstellung bis zum 30. September täglich von 10 bis 18 Uhr die Geschichte der Schule aus den vergangenen 500 Jahren. Der Gründer und Leiter des saarländischen Schulmuseums in Ottweiler, Professor Horst Schiffler, stellt dem Museum im Kloster seine lebenslang gesammelten Privatbestände kurzzeitig als Exponate zur Verfügung. Ihm ist es wichtig, dass somit auch bisher noch nicht öffentlich gezeigte Objekte innerhalb einer Ausstellung Menschen das Leben der Schüler von früher näherbringen. Neben einigen Ausstellungsstücken aus dem 16. Jahrhundert fokussiert sich das Museum jedoch auf das Lernen in Schulen des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts.

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