Im Kopf stark sein

SALMTAL. Selbstverteidigung ist nicht nur eine Frage der Kraft. Wer die richtigen Techniken kennt, und sich traut diese anzuwenden, kann auch körperlich überlegene Angreifer in die Flucht schlagen. Um mehr darüber zu erfahren, nahmen Schülerinnen der Regionalen Schule Salmtal an einem Selbstverteidigungskursus des Polizei-Sportvereins Wengerohr (PSV) teil.

Ungestraft so richtig fest zuschlagen: Kursusleiter Andreas Mischok ermuntert die zwölf bis 14-jährigen Schülerinnen dazu, nicht zimperlich zu sein. "Wenn es um Leib und Leben geht, ist alles egal", klärt er die jungen Damen auf. Um Leib und Leben geht es zwar in der Turnhalle der Regionalen Schule nicht, auch nicht für das derzeitige Opfer der Selbstverteidigungsübungen. Stefan Poss steckt in einem riesigen gepolsterten Anzug, der alle harten Schläge abmildert. Bewegen kann er sich nur mühsam, er sieht aus wie ein schwarzes Michelin-Männchen. Die Mädchen finden den Anblick ausgesprochen komisch und haben Mühe, mit dem notwendigen Ernst bei der Sache zu bleiben. Eine nach der anderen kommt dran, jede soll so lange zuschlagen bis der Mann am Boden liegt. "Mit der flachen Hand ist Patscherei", tadelt Mischok und erklärt ein weiteres Mal, dass man besser mit der geballten Faust zuschlagen sollte. Meistens hätten die Kursusteilnehmerinnen Angst, jemandem weh zu tun, meint er. Aber dafür ist ja der Anzug im Einsatz, und das sollte auch ausgenutzt werden.Konsequent sein ist wichtig

So nach und nach wird weniger gelacht, die Mädchen kriegen Ehrgeiz. Auch Sandra, die kleinste von den Mädchen, wehrt sich heftig, als Stefan Poss sie von hinten festhalten will. Mit Faustschlägen und Tritten schafft auch sie es, sich aus der Umklammerung zu befreien und Poss zu Boden zu werfen. "Körperliche Größe hat nichts damit zu tun ob man sich wehren kann", sagt Mischok. Die Hauptsache sei, dass alles mit Konsequenz geschehe. Der Täter müsse zum Gejagten werden. Dabei sind im Notfall Fäuste, Ellenbogen und Fußtritte gegen das Schienenbein ausdrücklich erlaubt.In den Workshops, die vom Polizeisportverein Wengerohr angeboten werden, geht es allerdings nicht nur um den körperlichen Einsatz bei der Selbstverteidigung. Auch selbstbewusstes Auftreten, aufrechte Haltung und der Einsatz der Stimme könnten schon einen Angriff verhindern, meint Mischok. Auch diese Dinge werden in den Kursen, die als Tagesseminar wie hier an der Regionalen Schule oder als mehrwöchige Abendkurse für verschiedene Altersstufen angeboten werden, in Rollenspielen geübt.Bei jüngeren Teilnehmerinnen wird darüber hinaus noch auf eine weitere Gefahr eingegangen. Viele Kinder würden noch zu leichtgläubig mit anderen mitgehen, hat Mischok bei verschiedenen Übungen gemerkt. Auch bei seinen Kursen hat er schon zur Probe einen Bekannten kommen lassen, der Kinder während der Übungen angesprochen hat und sie mit einem Vorwand aus der Gruppe entfernt hat. Dies deckt sich auch mit Forschungsergebnissen des Bundeskriminalamtes, nachdem Kinder selten mit Gewalt entführt werden, erklärt Mischok. Dass nach einem Seminar sich niemand perfekt verteidigen kann, ist auch dem Kursusleiter klar, aber dennoch sei es ein richtiger Schritt: "Der Mut zählt."Im Frühjahr bietet der PSV einen weiteren Selbstverteidigungskursus, der über sechs Abende geht, an.

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