Im Kreis Bernkastel-Wittlich sind die Rathäuser fest in Möhnenhand

Bernkastel-Wittlich : Kreiau, helau und allemol!

Möhnenalarm überall: Mal stark, mal schwächer war die Gegenwehr der Rathaus-Chefs. Doch sie rückten alle die Schlüssel raus.

Schnipp, Schnapp – so schnell kann’s geh’n: Obermöhne Jutta Weisenfeld weiß, wie man’s macht. Die Wittlicher Stadtoberen unterlagen allesamt ihren flinken Fingern und geübten Handgriffen. Bürgermeister Joachim Rodenkirchs feinste Seidenkrawatte war im Nu zerschnitten. Und kurz darauf baumelte auch schon der Wittlicher Rathausschlüssel um den Hals der Obermöhne. „Wir sind verheiratet, oder waren es mal. Wir wissen, wie man mit den Männern fertig wird“, verkündete Weisenfeld nach der Erstürmung des Wittlicher Rathauses. Furchtlos und mit hohem Tempo waren die Möhnen über die große Holzleiter ins erste Obergeschoss des Rathauses eingedrungen. Widerstand war zwecklos. Nach der Machtübernahme wurde auf dem Wittlicher Marktplatz erst mal kräftig gefeiert, gesungen und geschunkelt. Tausende bunt kostümierte Jecken feierten bei Sonnenschein, kölscher Musik und guter Laune den Auftakt des Straßenkarnevals in Wittlich.

Auch das Rathaus der VG Wittlich-Land ist nun in der Hand der Narren. In Vertretung des Bürgermeisters Dennis Junk ließ sich der Stadtbürgermeister von Manderscheid und Beigeordneter der Verbandsgemeinde, Günter Krämer, den Schlips durchschneiden. Und auch die Möhne war keine gewöhnliche, denn auch wenn sie sehr weiblich aussah, versteckte sich unter dem Kostüm ein Mann: Jürgen Heinz. Furchtlos kletterte er über die geschmückte Leiter, seinem Widersacher Krämer entgegen, der oben am Fenster des Bürgermeisterbüros stand – bewaffnet mit einem riesigen Bleistift. Durch dieses waghalsige Manöver konnten Heinz und seine Mitstreiter aus der Verwaltung die Herrschaft über das Büro in der Kurfürstenstraße übernehmen.

Einen Oscar für die Möhnen gibt es in der VG-Verwaltung in Bernkastel-Kues. Damit hatten die älteren und jüngeren Damen wohl nicht gerechnet, als VG-Bürgermeister Ulf Hangert nach der erfolgreichen Rathausstürmung am Gestade den Damen goldglänzende Figuren überreicht. 19 Jahre lang hat Hangert sich am „fetten Donnerstag“ den Schlips abschneiden lassen – und mit ein wenig Wehmut stellt er dabei fest, dass es an diesem Tag zum letzten Mal ist, denn nächstes Jahr sei er nicht mehr im Amt. Dennoch wird im großen Saal des Rathauses kräftig gefeiert. Zuvor ging es bereits um 9 Uhr im Rathaus des Stadtbürgermeisters los, als zum ersten Mal die Sektkorken knallten und zwei Dutzend Möhnen Stadtbürgermeister Wolfgang Port um die Stadtkasse erleichterten.

In Thalfang haben die Helschder Scheierpoarzler das Regiment für die närrischen Tage übernommen. Nach dem Sturm des Rathauses, das an Weiberfastnacht ein Dschungel war, übernahmen sie vom Beigeordneten Burkhard Graul den Schlüssel, der die Narren aus Hilscheid zuvor mit einer launigen Rede auf die Fastnacht eingestimmt hat.

In Traben-Trarbach gab es eine kleine Verzögerung, denn die Narrenschar musste sich durch die vielen Straßenbaustellen kämpfen, bis sie endlich das Rathaus erreichten. Stadtbürgermeister Patrice Langer und VG-Chef Marcus Heintel gaben ohne Widerstand die Rathausschlüssel ab, erhielten im Gegenzug dafür zwei Pinsel. Prinz Marc und Prinzessin Julia sowie das Kinderprinzenpaar Prinzessin Zoe und Prinz Matteo überreichten den oberen Herren das Handwerkszeug. Ob Heintel und Langer allerdings das Rathaus streichen, bleibt ungewiss. Ein großer Eimer Farbe wird wohl nicht ausreichen. In Kröv marschierten die Reichsnarren mit ihrer Vereinsfahne, schwungvoll unterstützt von der kleinen und großen Prinzengarde, in den Sitzungssaal des Rathauses.

Um 11.11 Uhr wurde auch das Morbacher Rathaus gestürmt. Kurz zuvor eilte Bürgermeister Andreas Hackethal nochmals in seine Amtsstube, um sich einen tadellosen Schlips zu holen. „Das ist schon der dritte heute“, schmunzelte er. Doch lange hielt auch dieser nicht.

„Wenige Minuten später hielt Gerti Weyand zumindest einen Teil davon in der Hand. Ohnehin sah der Hausherr schon zu Beginn des Straßenkarnevals schon ziemlich zerrupft aus. Denn schließlich ist „Wa(h)lkampf“. So lautete zumindest das närrische Motto der Rathausmitarbeiter. Und diese waren farbenfroh verkleidet als Wale und andere Meeresbewohner. Kämpferisch gab sich Hackethal auch gegenüber den Möhnen. Doch trotz aller Gegenwehr: Wenig später hatte Obermöhne Anke Münster den Schlüssel ergattert. Und der abgesetzte Rathaus-Chef konnte mit beiden Händen Stimmzettel verteilen.

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