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Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald wird Müll in der Natur entsorgt

Umweltfrevel : Masken, Wodkaflaschen, Kondome - Was Ranger unterwegs im Nationalpark entdecken

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald soll die Natur sich selbst überlassen werden. In dem Schutzgebiet wird allerdings auch reichlich Müll illegal entsorgt. Oft sind es wenig appetitliche Dinge, die die Parkranger auf ihren Kontrollgängen vorfinden.

Es ist noch früh am Tag, als Nationalpark-Ranger Roland Schmitt seinen Kontrollgang über einen Teil der Traumschleife Gipfelrauschen am Erbeskopf beginnt. Seine Aufgabe ist es nachzusehen, ob alles in Ordnung ist, ob Wanderer einen Ansprechpartner brauchen und eventuell Radfahrer aufzufordern, nur die für sie ausgewiesenen Wege zu benutzen.

Mit seiner grünen Jacke und seinem typischen Hut ist der Deuselbacher Ortsbürgermeister klar als Ranger des Nationalparks Hunsrück-Hochwald zu erkennen. Mit dabei hat er außerdem: eine Mülltüte. Denn nicht jeder Wanderer ist achtsam in der Natur.

„Was ich feststelle: Rund ums Hunsrückhaus herum ist verstärkt Müll zu finden“, sagt der Ranger. Direkt unterhalb der Ski-Piste findet er als erstes ein Kunststoffteil am Weg. „Hier fängt es schon an. Das ist von einem Auto abgefallen. Keine Absicht“, sagt Schmitt und bringt den Abfall sofort zu einem Mülleimer.

 Nationalparkranger Roland Schmitt bei einem Rundgang auf einer Traumschleife. Dass er unterwegs Müll einsammeln muss, ist keine Seltenheit.
Nationalparkranger Roland Schmitt bei einem Rundgang auf einer Traumschleife. Dass er unterwegs Müll einsammeln muss, ist keine Seltenheit. Foto: Christoph Strouvelle

Wenige Meter weiter schimmert etwas auf dem Weg. Schmitt schaut genau hin und sagt: „Das fasse ich jetzt nicht an.“ Denn es handelt sich um ein benutztes Kondom. Im Nationalpark sei dies kein Einzelfall, sagt er. Besonders auf einem bestimmten Parkplatz für Wanderer im Nationalparkgebiet seien solche Hinterlassenschaften öfter zu finden.

 Müll im Nationalpark: Eine Ansammlung von Wodkaflaschen.
Müll im Nationalpark: Eine Ansammlung von Wodkaflaschen. Foto: Christoph Strouvelle

An diesem Morgen bleiben dies jedoch die einzigen Abfallfunde. Denn es sind wenige Wanderer unterwegs. „Manchmal begegnen einem in kurzer Zeit 50 Leute“, sagt Schmitt. Zudem war ein Kollege schon am Vortag auf der Strecke unterwegs und hat offensichtlich einiges an Müll aufgesammelt. „Was man derzeit entlang der Traumschleifen häufiger findet, sind Masken. Auch mitten im Wald“, sagt Schmitt.

Oft ist sein Müllbeutel, der heute unbenutzt in der Jackentasche bleibt, nach einem Kontrollgang voll. Papier, in dem Lebensmittel eingepackt waren, Zigarettenschachteln, Getränkeverpackungen. Wenn er einen Nationalparkbesucher beobachte, der seinen Abfall in der Natur fallen lässt, spreche er ihn darauf an, sagt Schmitt. „Aber immer freundlich.“ Er hält nichts davon, Leute bei einer Wanderpause anzusprechen und präventiv aufzufordern, ihre Abfälle mitzunehmen. „Der Schuss kann nach hinten losgehen.“

Was zunimmt, seien die Ablagerungen kompletter Hausstände in der freien Natur. Allerdings sei dies kein Problem, das nur den Nationalpark betreffe. Doch macht der Müll den Mitarbeitern zu schaffen, sagt Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamts. Neben den weggeworfenen Papiertaschentüchern („der Klassiker“) seien dies auch volle Kinderwindeln. „Für die Leute, die das wegräumen müssen, ist das eklig.“ Nach der Schneeschmelze seien im Frühjahr auf dem Plateau des Erbeskopfs viele Flaschen aufgetaucht. Bei Otzenhausen habe jemand um die 100 Wodkaflaschen im Wald entsorgt. Und wegen der Ablagerung von drei alten Öltanks habe man bei Abentheuer (Kreis Birkenfeld) ein Stück Erdreich wegbaggern müssen. Ebenfalls ein Problem sind Einweggrills, die die Besucher einfach nach dem Benutzen „heiß und fettig“ stehen lassen.