Im Norden nichts Neues

Bestellt man in einem guten Restaurant an der Mosel einen Wein, bekommt man in der Regel einen guten Tropfen vorgesetzt. Das war nicht immer so. Aber die Gastronomen wissen, dass Qualität und Renommee nicht bei der Verwendung frischer Zutaten aufhören.

Außerdem sind die meisten der einheimischen Gäste kritischer als in früheren Jahren. Verlässt man aber das Weinanbaugebiet, sieht es leider anders aus. Im Juli verbrachte ich einige Tage in Hamburg. Die Stadt hat viel zu bieten: Sehenswürdigkeiten und Kultur, und sie besitzt ein internationales, weltoffenes Flair. Auch das kulinarische Angebot kann sich sehen lassen. Nun bin ich nicht derjenige, der in Top-Adressen wie dem "Atlantic" oder "Vier Jahreszeiten" absteigt. Stark anzunehmen, dass man in diesen Häusern nicht nur von der Küche verwöhnt wird, sondern beim Kellner auch die besten Weine der Welt ordern kann. Man muss es sich halt leisten können. Will der Weinfreund in Hamburg seinen Magen aber in einem empfohlenen, mittelpreisigen Restaurant füllen, bestellt er zur Speise am besten Bier. Nicht nur, dass ein Schoppen Wein kaum unter vier Euro zu bekommen ist. Auf der Karte stehen oft nur "Deutschland lieblich", "Deutschland trocken", "Frankreich rot" oder ähnliche undefinierbare Empfehlungen. Die Qualität ist mehr als dürftig. Was beweist, dass leider immer noch zu viele Konsumenten keinen Weinverstand haben. Sonst würden sie sich beschweren.Winfried Simon

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