Im Notfall die Klingel drücken: Ab 1. Januar entfällt der Dienst der Nachtpforte im Bernkastel-Kueser Krankenhaus
Bernkastel-Kues · Schon seit dem Sommer gab es Gerüchte in der Stadt, die Notaufnahme des Krankenhauses würde schließen. Das stimmt zwar nicht. Aber ab dem 1. Januar wird das Pfortenpersonal nachts nur über eine Klingel erreichbar sein. Das bestätigt die Krankenhausleitung gegenüber dem TV.
Bernkastel-Kues. Schon seit mehreren Wochen erreichen die Redaktion besorgte Anfragen von Bernkastel-Kueser Bürgern. Ob die Notaufnahme im Krankenhaus völlig oder zumindest in der Nacht schließe, hieß es mehrfach. Die Chirurgie wurde bereits 2007 an den Wittlicher Standort des Verbundkrankenhauses verlegt. Die ambulante Versorgung hingegen war bislang gewährleistet und sollte ausgebaut werden.
Sabine Zimmer, Pressesprecherin des Verbundkrankenhauses Bernkastel/Wittlich, bestätigt dem TV gegenüber, dass ab dem 1. Januar der Nachtdienst an der Klinikpforte im Cusanus Krankenhaus in Bernkastel-Kues entfalle. Sowohl die medizinische Notfallversorgung in der Nacht als auch der Zugang für Besucher seien aber weiterhin gesichert.
"Die Schichtänderung beim Pfortenpersonal ändert nichts an den medizinischen Versorgungsangeboten der Klinik", unterstreicht die kaufmännische Direktorin der Verbundklinik Ulrike Schnell.
Warum die Nachtpforte geschlossen wird? Die Direktorin erklärt, dass eine mehrmonatige Erfassung der Tätigkeiten der Pfortenmitarbeiter in den Nachtstunden ergeben habe, dass der Arbeitsschwerpunkt nachts vorrangig in administrativen Aufgaben liegt, die auch tagsüber erledigt werden können. "Besucher fanden sich nach 22 Uhr kaum mehr an der Pforte ein", sagt Schnell.An der Tür abgeholt
Die medizinische Versorgung eintreffender Patienten werde auch zukünftig über die diensthabenden medizinischen und pflegerischen Mitarbeiter der Fachabteilung für Innere Medizin/Intensivmedizin erfolgen. Nächtliche Krankentransporte zum Cusanus Krankenhaus nutzen nach telefonischer Anmeldung die bergseitige Zufahrt auf Brückenhöhe. Das Verfahren sei mit den Mitarbeitern der Rettungswachen abgestimmt.
Was soll nun jemand tun, der ein ernstes Problem hat, etwa befürchtet, einen Herzinfarkt zu erlitten zu haben? "Wer mit akuten medizinischen Problemen individuell ins Foyer der Klinik kommt, nutzt die dortige "Notfall"-Klingel und wird ebenfalls vom diensthabenden Personal an der Tür abgeholt", sagt Sabine Zimmer.
Neben der Notfall-Klingel werde es im Klinikfoyer eine zweite Klingel für Besucher geben. Nach einer kurzen Anmeldung über die Wechselsprechanlage wird die Tür geöffnet. Die Pforte des Cusanus Krankenhauses ist ab dem 1. Januar 2016 täglich von 5.30 Uhr morgens bis 21.30 Uhr abends besetzt.
"Da kann man nicht erfreut sein", sagt der Bernkastel-Kueser Bürgermeister Wolfgang Port, der die Nachricht offiziell noch nicht erhalten hat. "Ich habe zwischen Tür und Angel davon gehört. Das hat natürlich mit dem Kostendruck im Gesundheitswesen zu tun. Die medizinische Versorgung wird in Zukunft nicht besser."
Port befürchtet zudem, dass sich die Versorgung im ländlichen Raum verschlechtern werde. "Das wirkt sich auch auf das Image des Standortes aus. Ein älterer Mensch, der kurz vor dem Herzinfarkt steht, wird wohl kaum mit einer Kamera reden wollen."
Wolfgang Prüm, Vorsitzender des Förderkreises des Krankenhauses, war das bislang noch nicht bekannt. Er sagte gegenüber dem Trierischen Volksfreund, dass er das derzeit nicht kommentieren möchte.Meinung
Das Gesicht eines Krankenhauses
Keine Frage: Die Kosten unseres Gesundheitsystems werden in den nächsten Jahren steigen. Da ist es sinnvoll, Kosten zu senken, um auch in Zukunft noch eine Grundversorgung für die Bevölkerung zu gewährleisten. Ob man aber bei den Sparmaßnahmen ausgerechnet an der Pforte anfangen soll, ist mehr als fraglich. Denn die Pforte und der Mensch, der dort sitzt, sind gewissermaßen das Gesicht eines Krankenhauses. Menschen brauchen, besonders in der Not, persönliche Ansprache. Dass diese Ansprache genau dann fehlt, wenn sie vielleicht am ehesten gebraucht wird, in der Nacht, in einem Notfall, ist sehr bedauerlich. Das trägt nicht gerade zur Imageverbesserung des Krankenhauses bei. Vor allem vor dem Hintergrund, dass der Spareffekt doch wohl eher überschaubar bleibt. hp.linz@volksfreund.de