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Im Spiel erlaubt, auf der Straße nicht

Im Spiel erlaubt, auf der Straße nicht

Rauschbrille, Pedelec und Motorradsimulator: Beim Verkehrssicherheitstag am Cusanus-Gymnasium in Wittlich haben sich junge und ältere Menschen von Polizei und Verkehrswacht über die Gefahren auf der Straße informieren lassen.

Wittlich. Rauschzustände sind ausnahmsweise und ausdrücklich erlaubt im Cusanus-Gymnasium in Wittlich. Zumindest aufgesetzte: Zwei Brillen bewirken doppeltes Sehen und Fehleinschätzungen bei Entfernungen - und eben jene verzögerte Reaktionszeit, der auch ein Betrunkener ausgesetzt ist.
Die Jugendlichen, die das ausprobieren wollen, haben die Wahl zwischen 0,8 oder 1,3 Promille - mit der Rauschbrille auf der Nase gilt es dann, einen Parcours zu absolvieren. Hinter dem Steuer sitzen sie damit nicht - und hoffentlich auch im Straßenverkehr nie in einem solchen Zustand.
Denn das ist die Idee des Verkehrssicherheitstages, mit dem die Polizei zum ersten Mal an die Wittlicher Schule gekommen ist: "Wir wollen zielgruppengerecht über die Probleme und Herausforderungen der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer informieren", sagt die Organisatorin und Wittlicher Polizeichefin Anke Zimmermann. Denn die hätten jeweils ihre ganz eigenen Spezifika: "Die Jungen zeichnet ihre Unerfahrenheit aus. Die Älteren sind erfahren: Sie haben oft Hunderttausende von Kilometern gemeistert. Doch Sehkraft und Reaktion lassen nach." Beide zählen für die Polizei zu den Risikogruppen - das lasse sich ja auch an den Zahlen ablesen (siehe Extra). Für Jung und Alt haben sich die Polizeibeamten gemeinsam mit der Kreisverkehrswacht Mayen-Koblenz - 14 Kollegen sind im Einsatz - einiges einfallen lassen: Die Experten informieren über Fahrassistenzsysteme, das neue Fahrerlaubnisrecht oder Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Im Schulhof können die Besucher auf Pedelecs (Elektrofahrräder) steigen, drinnen probieren sie sich am Motorradsimulator.
Auch Seh- und Hörtests werden angeboten - letzteres sei nicht zu unterschätzen, erzählt Manfred Brummer von der Kreisverkehrswacht, der an diesem Tag auch einen Vortrag über Mobilität im Alter hält: "Für Fußgänger ist das enorm wichtig." Das sei ja das Problem mit den Elektroautos - "die hört man einfach nicht mehr". Damit man noch etwas von den Umgebungsgeräuschen mitbekommt, sollte man aber auch im Auto das Radio nicht zu laut aufdrehen, empfiehlt er.
Polizeihauptkommissar Uwe Neumann hat sich inzwischen noch eine weitere Aufgabe auf dem Rauschbrillenparcours einfallen lassen: Wer den hinter sich gebracht hat, soll noch eine Münze aufheben, die er auf den Boden wirft. Auf Anhieb ist das kaum zu schaffen. Auch Lisa Reudelsterz aus Dreis muss erst mal nach der Münze tasten. "Das ist schwer. Man sieht alles sehr verschwommen", erzählt die 17-Jährige. "Und mir ist immer noch ein bisschen schwindelig." Wer diese Erfahrung gemacht hat, ist hinterher schlauer: So will man sich nicht ins Auto setzen.
Extra

Junge Fahrer (18 bis 24 Jahre) und Senioren (ab 65 Jahre) sind besonders unfallgefährdete Risikogruppen: im Dienstgebiet der Polizeiinspektion (PI) Wittlich sind junge Fahrer an fast 25 Prozent aller Unfälle beteiligt, Senioren sind in rund 22 Prozent verwickelt. Im Jahr 2013 verzeichnete die PI Wittlich bei den jungen Fahrern zwar weniger Unfälle, nämlich 396 (bei 1610 insgesamt), die Zahl der verletzten jungen Fahrer stieg aber auf 52 an. 2012 gab es 431 Unfälle und 48 Verletzte. 2011 waren es 456 Unfälle und 41 Verletzte. Senioren waren im Jahr 2013 an 257 Unfällen beteiligt. In 101 Fällen waren sie älter als 75 Jahre. Unfälle, bei denen es zu Verletzten kam, wurden nur in 29 Fällen durch ältere Fahrer verursacht. 2012 waren es 223 Unfälle sowie neun Verletzte und ein Toter bei den über 75-Jährigen. 2011 gab es 235 Unfälle und 26 Verletzte. eibExtra

Das ist schon praktisch: Mit dem Auto oder dem Fahrrad ist man einfach schneller. Im Straßenverkehr lauern aber viele Gefahren. Die Wittlicher Polizei will die Menschen dazu bringen, Unfälle nicht auch noch herauszufordern - indem sie beispielsweise betrunken fahren. Mit solchen Aktionen zeigt sie, wie verantwortungslos das wäre. Solche Aktionen können Leben retten. eibExtra

Nils Krekeler, 17, aus Niersbach: "Ich mache gerade meinen Führerschein und kann hier zusätzlich etwas lernen. Das wird mir später im Straßenverkehr sicher helfen." Jonas Merges, 17, Brauneberg: "Die Aktion gefällt mir. Mit der Rauschbrille kann man mal sehen, wie das tatsächlich wäre, so unterwegs zu sein. Das ist eine gute Idee." David Hornung, 18, Esch: "Ich fahre bereits Auto und fand deshalb besonders den Motorradsimulator interessant, weil ich mich da auch mal ausprobieren konnte. Die Aktion finde ich gut, " TV-Umfrage: Eileen Blädel