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im Streit um die Zugangsrechte zur Klausener Kirche gibt es erste Anzeichen für einen Kompromiss

Konflikt : Streit in Klausen: Ein Zeichen des guten Willens

Gespräche gibt es noch keine, aber im Streit um die Zugangsrechte zur Klausener Kirche gibt es erste Anzeichen für einen Kompromiss: Der Bauzaun ist weg und die Kette ist zeitweise geöffnet.

Heiße Zeiten durchlebt die Kirchengemeinde im Wallfahrtsort Klausen derzeit, und das liegt nicht nur an den Temperaturen, sondern auch an der Auseinandersetzung um die Zufahrt zum Augustinerplatz. Wie der TV bereits mehrfach berichtete, ist die Grundstückssituation sehr unübersichtlich. Das hat zu  Streitigkeiten zwischen Kirchengemeinde und der Besitzerin des Anwesens Alte Post und altes Brauhaus, Helma Diewald, geführt.

Die Kirchengemeinde hätte gerne, dass es weiterhin eine Zufahrt zur Kirche gibt, Frau Diewald möchte nicht, dass auf ihrem Grundstück gefahren, geparkt oder gegangen wird. Zum einen, weil sie den Bereich beruhigen möchte, zum anderen, weil Haftungsfragen nicht geklärt sind. Sie schreibt: „Nach dem nun seit fast zwei Jahren keine eigentums- und haftungsrechtlichen Regelungen gefunden wurden und die Kirche mich bislang immer noch nicht haftungsrechtlich freigestellt hat, wie auch vom Bistum vorgeschlagen, muss ich mich schließlich selbst absichern.“ Deshalb hat sie Poller installieren lassen und eine Kette im Torbogen mit einem Karabinerhaken befestigt. Die Kirche hatte einen Bauzaun um ihren Grundstücksteil aufgestellt und zeitweise Sperrmüll dort abgeladen.

Helma Diewald lässt aber bei der Torbogeneinfahrt Ausnahmen zu, indem sie sich schriftlich von Personen eine Haftungsbefreiung unterschreiben lässt. Einer Klausener Dame, die zum Friedhof gehen wollte, und ganz erstaunt über die Kette war, hat sie beispielsweise persönlich ein solches Schreiben gegeben und erklärt, wenn sie das unterschreibe, dürfe sie weiterhin durchgehen. Sie hat das nicht getan und geht nun einen anderen Weg zu den Gräbern ihrer Familie.

Helma Diewald hierzu: „Wer Respekt vor dem Privateigentum anderer Menschen hat und sich an eigentumsrechtliche Gesetze hält, bekommt von mir die Erlaubnis, mein Grundstück zu betreten.“ Weiter sagt sie: „Das kann die Kirche selbstverständlich auch von mir erhalten. Aber dafür muss erst der Bauzaun, der mittlerweile komplett mein Brauhaus versperrt, entfernt werden.“ Sie schließt resolut: „Fakt ist, dass jeder, der mein Grundstück trotz Kette betritt, nicht rechtskonform handelt und mich deshalb auch nicht haftungsrechtlich belangen kann.“

Die Kirche hat nun einen ersten Schritt getan und den Bauzaun dauerhaft entfernt. Daraufhin war am Kirmessonntag  nach der heiligen Messe  die Kette geöffnet. „Man kann ja auch mal ein Zeichen des guten Willens zeigen“, so die Besitzerin des Gebäudekomplexes. Auch während der Fronleichnamsprozession und für den Lieferverkehr zum Park während der Ferienfreizeit  hat sie die Genehmigung gegeben, die Kette aufzumachen.

In den vergangenen Wochen hatte das noch ganz anders ausgesehen. Da hatte ein Auto die Ausfahrt versperrt. Ein älteres Ehepaar, das die Schilder nicht beachtet, auf dem Augustinerplatz geparkt hatte und nach der Messe nach Hause wollte, konnte nicht mehr rausfahren. Ihre Versuche jemanden zu finden, dem der Wagen gehört scheiterten, und sie waren kurz davor die Polizei zu rufen. Schließlich hat eine ortskundige Person  den älteren Menschen geholfen und sie mit ihrem Auto über den steilen, engen Fußweg zum Friedhof, zwischen den Urnengräbern und der Leichenhalle, über den Friedhof zur Ausfahrt Piesporter Straße gelotst.

Auch die Rettungsdienste, die in den vergangenen Wochen bei den hohen Temperaturen Einsätze an der Kirche hatten, sind nicht glücklich über die Situation. Günter Theis, Leiter der Rettungswache des Rotes Kreuzes Wittlich und Traben-Trarbach, der sich die Situation vor Ort angesehen hat, erklärt: „Wenn zeitkritische Notfallpatienten, anstatt direkt in den Rettungswagen, erst über lange und steile Treppen transportiert werden müssen, bringt das zwangsweise immer Gefahrenpotential mit sich. Das wiegt besonders schwer, wenn es - wie in Klausen - eigentlich eine Möglichkeit gibt, um mit Einsatzfahrzeugen direkt an die Einsatzstelle fahren zu können, diese aber durch Kettensperren und Poller unpassierbar ist.“ Weiter sagt er: „Die Zuwegung über den Fußweg zur Piesporter Straße ist keine Alternative, da diese ebenfalls zum Patiententransport gefährlich ist. Im Sinne einer optimal möglichen Patientenversorgung hoffen wir daher, dass es bald eine Lösung gibt und die Zufahrt durch den Torbogen  wieder genutzt werden kann.“