Im Verbund in die Zukunft

BERNKASTEL-KUES. Was bedeutet die Einrichtung des Verbund-Krankenhauses für die Patienten und wie geht das Ganze vor sich? Darum ging es gestern in einer Pressekonferenz, zu der die ctt eingeladen hatte.

Zum Schluss der Pressekonferenz trat der ctt-Vorstandsvorsitzende Peter Schuh noch einmal eindringlich im Vorfeld geäußerten Ängsten entgegen, das Bernkastel-Kueser Krankenhaus sei der Verlierer im Verbundprozess. "Das Bernkastel-Kueser Haus wird attraktiver", versicherte der Vorsitzende, der in der Pressekonferenz vom Geschäftsführer des Verbundkrankenhauses, Lothar Runzheimer, und dem Kaufmännischen Direktor Stefan Mathy unterstützt wurde. Mehr Kooperation mit niedergelassenen Ärzten

Grundsätzlich gehe es der ctt darum, beide Standorte durch den Verbund zu sichern und die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Letzteres soll nicht nur durch Aufgabenbündelung erfolgen, sondern auch durch die Konzentration bestimmter Teilbereiche in einem Haus. Diese Schwerpunktbildung soll auch durch die verstärkte Zusammenarbeit mit niedergelassenen Belegärzten erfolgen. Konkret soll die Geburtshilfe in der Doctorstadt zum Ende dieses Jahres geschlossen und das geburtshilfliche Zentrum in Wittlich etabliert werden. Schuh: "So kommen Geburtshilfe und die sehr gut ausgestattete Pädiatrie zusammen, das ist unabdingbar." Die Verlegung der Geburtshilfe nach Wittlich habe qualitative, aber auch wirtschaftliche Gründe. Um die Qualität zu sichern, das heißt, den Mitarbeitern die nötige praktische Übung zu gewährleisten, seien mindestens 300 Geburten pro Jahr gefordert. Zurzeit beträgt die Geburtenzahl in Bernkastel-Kues jedoch 150, in Wittlich 450 bis 500. Geburtstourismus gebe es schon heute, Wohnortnähe sei nicht mehr das entscheidende Kriterium. Ebenfalls bis Anfang 2004 soll an beiden Häusern die Zentrale Patientenaufnahme etabliert sein. Gerade die Diagnose bei unklaren Fällen soll hier durch ein interdisziplinäres Team beschleunigt werden. Der Therapieverlauf soll hier schon geplant werden, so dass die Patienten durch eine Personalplanung in Abhängigkeit von der Leistungsdichte schneller behandelt werden können. Das Konzept zum Verbundkrankenhaus sieht außerdem vor, dass die chirurgische und die internistische Grundversorgung an beiden Standorten gewährleistet bleibt. In Bernkastel-Kues soll ein Zentrum für ambulante Operationen eingerichtet werden, das heißt, die ambulanten Operationen sämtlicher Fachdisziplinen sollen hier konzentriert werden, die stationären Behandlungen in Wittlich. Schuh sieht das ambulante Zentrum als Chance: "In Zukunft sollen generell 60 Prozent der Eingriffe ambulant erfolgen." Finanzierung noch nicht in allen Punkten gesichert

Am Beispiel der Chirurgie in Bernkastel-Kues macht Schuh deutlich, wie die Zukunft für die Mitarbeiter aussieht: Von den ursprünglich 47 Angestellten sollen 35 nach Wittlich gehen, 12 in Bernkastel-Kues bleiben. Da mit 12 Leuten jedoch keine Rund-um-die-Uhr-Versorgung auch für die Notfälle wie Blinddärme zu gewährleisten ist, müssen Kollegen von Wittlich einspringen. Schuh: "Entlassungen wollen wir vermeiden, Mobilität ist allerdings gefragt." Voraussetzung für die Umstrukturierung der Chirurgie ist die Erweiterung der Intensivabteilung in Wittlich. Für diese habe das Land die Finanzierung noch in diesem Jahr zugesagt, so Schuh. Er räumte ein, dass die Finanzierung ansonsten noch nicht für alle Maßnahmen gesichert sei. Auch die Verhandlung mit den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Sozialleistungsträgern stünden noch aus.