Im Wingert steckt Bioenergie

Im Weinbau steckt ein großes Bioenergie-Potenzial, das bisher meist ungenutzt bleibt. Unter anderem darauf machten die Vortragenden beim Bauern- und Winzertag aufmerksam.

Cochem. Die Energiewirtschaft war einer der inhaltlichen Schwerpunkte des dritten Cochem-Zeller Bauern- und Winzertages im Cochemer Kapuzinerkloster. Was können Landwirte, was können Winzer tun, um die nicht mehr lange zur Verfügung stehenden fossilen Energieträger zu ersetzen? Eine ganze Menge.

Über "Alternative Energien in der Weinbereitung" sprach Diplom-Ingenieur Thorsten Pollatz: "97 Prozent der zur Produktion von Wein benötigten Energie landet in der Biomasse und nur der Rest in der Flasche." Pollatz arbeitet im Institut für Agrarökologie der RLP AgroScience Gesellschaft mit einer Anlage zur Pelletierung von Weinnebenprodukten.

Der Trester wird zunächst in Schlauch- oder Fahrsilos gelagert, später wird mit einer Schneckenpresse der Feuchtigkeitsgehalt auf 50 bis 70 Prozent reduziert. Durch thermische Trocknung wird der Feuchtigkeitsgrad dann weiter auf 15 Prozent gesenkt. Dieser Trester kann dann, wie auch der Rebschnitt, pelletiert werden und hat einen Heizwert, der mit 21 Megajoule pro Kilo deutlich über den 18 Megajoule beim Holz liegt und in etwa dem Heizwert der deutschen Braunkohle entspricht. Die Asche, die nach dem Verbrennen zurückbleibt, sollte dem Weinberg als Dünger zugutekommen.

Die mit der Pelletierungsanlage gemachten Erfahrungen sind Grundlage einer Berechnung, nach der durch die konsequente Nutzung aller Nebenprodukte des rheinland-pfälzischen Weinbaus als Biomasse oder Brennstoff rund 1000 Gigawattstunden Energie erzeugt werden könnten, was rund 60 Prozent des rheinland-pfälzischen Gesamtbedarfs entspräche.

Noch ist sie Zukunftsmusik, diese Modellberechnung, doch deutlich erkennbar ist darin das Potenzial eines Umdenkens. Vertrauter ist den Landwirten inzwischen der Energiepflanzenanbau. Manfred Schnorbach von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz verglich in seinem Vortrag die verschiedenen Energiepflanzen: "Silomais wird die wichtigste Energiepflanze sein und bleiben. Er ist eine Kulturpflanze, die durchaus ökologisch sinnvoll angebaut werden kann und Erträge bringt." Eine Alternative ist der Raps, wenn außer dem Öl auch das Rapsstroh verwertet wird, aber auch die Hirse, zumindest bis zu einer Höhe von 200 Metern. GPS-Getreide, also Getreide zur Ganzpflanzensilage, Futterrüben, Gräser, das Dauergrünland, aber auch Exoten wie Ampfer oder Topinambur eignen sich nur bedingt als Energiepflanzen, gute Erfolge hat dagegen der Anbau von Miscanthus bislang gezeigt.

"Mir tut jedes Feuer im Weinberg weh, wo beispielsweise Rebschnitt verbrannt wird. Den könnte man auch ganz anders nutzen," sagte Landrat Manfred Schnur. Die angestrebten Veränderungen kratzen am Selbstbild der Landwirte und Winzer als Lebensmittelproduzenten. Manfred Schnorbach erinnerte an den früher auf rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche angebauten Hafer, der zur Fütterung der Pferde eingesetzt wurde: "Die Landwirtschaft hat schon immer einen Teil ihrer notwendigen Energie selbst produziert."

"Soll man nun Bauer oder Energiewirt werden?", fragte auch Rolf Haxel, der Weinbauvorsitzende im Kreisverband Cochem-Zell des Bauern und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, in seinem Veranstaltungsfazit und beantwortete diese Frage traditionell: "Die Produktion von Steillagenriesling steht für uns im Vordergrund, der Rest geschieht im Nachgang."

Noch weiter in den Vordergrund gedrängt hatte sich am Tag des Treffens allerdings die pure Natur. Nur etwa die Hälfte der angemeldeten Landwirte und Winzer war erschienen, um den genannten und noch einigen weiteren Vorträgen zu lauschen und an den Diskussionen im Kapuzinerkloster in Cochem teilzunehmen, der Rest kämpfte mit den Folgen des Sturmtiefs "Xynthia". Davon hatte auch Hans-Jürgen Sehn, der Kreisvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes, seinen Teil abbekommen.