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Imm wieder werden in der Rgeion Senioren Opfer von Schockanrufen

Verbraucher : Wenn der Anrufer plötzlich Geld haben will

Immer wieder erhalten Menschen Anrufe von Betrügern, die versuchen, Geld zu ergaunern. Besonders betroffen: Menschen mit Vornamen, die auf ältere Personen schließen lassen.

Dass Gauner und Betrüger nicht aussterben, sondern mit erfundendenen Geschichten am Telefon versuchen, Leute um ihr Geld zu bringen, das hat Jürgen Boos aus Hochscheid erst kürzlich wieder erlebt. Er erhielt einen Anruf von einer Rufnummer aus Berlin. „Der Anrufer sprach mit ausländischem Akzent und sagte, ihm liege ein Verfahren gegen mich vor. Ich hätte bei einer Lotteriegesellschaft nicht gezahlt, es ginge um 2500 Euro. Die aktuellen Kosten würden sich auf 79,43 Euro belaufen“, erinnert er sich.

Daraufhin sagte Boos, dass er das gerne schriftlich hätte und beendete das Gespräch. Bereits im Juni hatte er einen Anruf von einer Berliner Bank erhalten. Der Anrufer habe damals seine Personalien gewusst und ihm mitgeteilt, dass gegen ihn eine gerichtliche Entscheidung wegen Forderungen aus einem abgeschlossenen Abonnement vorlägen, die er angeblich nicht bezahlt habe. Eine Kontosperrung könne er verhindern, indem er die offenen Forderungen in Höhe von 1800 Euro begleichen würde.

Tückisch daran war, dass die angezeigte Nummer im Display tatsächlich zu einer Berliner Bank gehört, die unter dieser Nummer ein Servicetelefon für ihre Kreditkartenkunden unterhält. Nur hat diese mit den Anrufen nichts zu tun. Denn die angezeigten Nummern müssen nicht mit dem tatsächlichen Anrufer identisch sein. So würden bei ähnlichen Anrufen schon mal die Notrufnummer 110 oder die Telefonnummer der lokalen Polizeiinspektion angezeigt, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Landeskriminalamts.

Auch ein Morbacher TV-Leser hat schon mehrfach solche Anrufe erhalten. Im September sei es ein Arzt aus dem Krankenhaus Idar-Oberstein gewesen, der ihm mitteilte, sein Sohn sei zusammengebrochen und liege mit einer Corona-Infektion auf der Intensivstation. Pech für den Anrufer: Der TV-Leser  hat überhaupt keinen Sohn.

Bei der Polizei wurden seinerzeit mehrere dieser Schock-Anrufe zur Anzeige gebracht. Ein zweites Mal meldete sich im Oktober bei dem Morbacher eine Frau mit verweinter Stimme. Sie gab an, sie sei in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen. Sie reichte dann den Telefonhörer einem vermeintlichen Polizisten, der versuchte, die Personalien des Angerufenen zu erfragen.

Das Landeskriminalamt teilt aktuell mit, dass in Rheinland-Pfalz im Oktober dieses Jahres etwa 820 Callcenter-Betrugsfälle, davon 20 vollendete Taten, registriert worden seien. Vor Kurzem hätten falsche Polizisten im Raum Koblenz und Mayen zugeschlagen und konnten ihre Opfer um einen jeweils sechsstelligen Betrag betrügen.

Vorwiegend ältere Menschen würden als Opfer ausgewählt und mit ständig neuen Tricks und erfundenen Geschichten unter Druck gesetzt, um Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände zu erbeuten. Zudem wird für die Betrugsmaschen vereinzelt auch die Corona-Pandemie benutzt. Hierbei werden finanzielle Sorgen und Ängste um die Gesundheit von Angehörigen schamlos ausgenutzt. Erste Kontakte erfolgten oft über das Telefon, bei denen sich die Betrüger als Amtspersonen ausgäben. Dann kommen Aufforderungen, wegen eines befürchteten Einbruchs, einem Polizeibeamten in Zivil das Bargeld und Schmuck zu übergeben, um es zu sichern. Auh der sogenannte Enkeltrick, bei dem sich die Anrufer als Verwandte ausgeben, die aufgrund einer Notlage dringend Geld bräuchten, kommen immer wieder vor.

„Außer den hier geschilderten Maschen gibt es zahlreiche weitere Variationen, wie die Betrüger versuchen, an Geld zu kommen“, heißt es von Seiten des LKA. Zum Teil würden Betrugsmaschen wie der Enkeltrick und „Falsche Polizisten“ kombiniert. „Bei Geldforderungen sollten Sie in jedem Fall hellhörig werden“, warnt die Polizei.