Immer das Ohr am Bürger

KINHEIM. "Andere spielen Fußball oder sammeln Briefmarken, mein Hobby war immer die Kommunalpolitik." Willy Mathy (65) aus Kinheim ist seit seinem 27. Lebensjahr fast durchgehend Mitglied im Gemeinderat, seit 1989 steht er der Gemeinde als Ortsbürgermeister vor. Bei der Kommunalwahl im Juni tritt er nicht mehr an.

Willy Mathy ist kein Mann, der mit hoch erhobenem Haupt durchs Dorf schreitet und dabei denkt, "seht her, ich bin euer Bürgermeister, dies und jenes habe ich bewirkt." Selbstlob oder gar Eitelkeit sind ihm fremd. Auch jetzt, wenn er sein Amt, das er 15 Jahre lang mit viel Freude und Engagement ausgeübt hat, abgibt, bleibt Mathy Realist. "Auch Kinheim hat Finanzprobleme, auch Kinheim leidet unter dem Strukturwandel, auch in Kinheim gibt es keine Bankfiliale und keine Post mehr", sagt er etwas bedrückt. Der Moselort mit seinen rund 850 Einwohnern hat die gleichen Probleme wie viele andere auch, hinzu kommt noch das Hochwasser, das in Kinheim besonders viele Menschen betrifft. Mathy hofft, dass er noch den Bau der Hochwasserschutzes erlebt - ein entscheidendes Projekt für die Zukunft der Gemeinde. 1989 wurde er zum Ortsbürgermeister gewählt. Zeit zum Einarbeiten hatte er kaum, denn unmittelbar nach seiner Vereidigung begannen im Ort umfangreiche Straßen- und Kanalbauarbeiten. "Fast jeder Quadratmeter wurde umgedreht, zehn Jahre war Kinheim eine Baustelle", erinnert sich Mathy an diese Zeit. Doch es hat ihm Spaß gemacht. Ständig war er vor Ort, um mit den Anliegern kleine und große Probleme zu diskutieren und zu lösen. "Jede Straße hat ihre eigene Geschichte", sagt Mathy über diese schwierige Zeit. Heute sind alle Straßen in Ordnung, und auch das Pfarrheim, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Kirche, dass im Ort nicht ganz unumstritten war, steht längst. Es durchzusetzen, sei damals nicht einfach gewesen, erinnert sich Mathy und sagt heute etwas ärgerlich: "Diejenigen, die damals dagegen waren, feiern im Pfarrheim und tun so, als ob sie es gebaut hätten." Auch das hat er in seiner langen Zeit als Ortsbürgermeister festgestellt: "Man wird etwas einsam, zieht sich zurück, zumal man in manchen Privatgesprächen nicht immer das sagen darf, was man denkt." Auch meint Mathy ein Umdenken bei vielen Menschen erkannt zu haben. Mathy: "Das Anspruchsdenken der Menschen hat sich verändert. Heute wollen die meisten nur noch Leistung haben, ohne zu überlegen, ob man nicht selbst etwas tun kann. Die Bürger sehen nicht, was gemacht wurde, sondern nur, was noch nicht gemacht wurde." Aber, fügt er hinzu, das sei natürlich kein Kinheimer Problem, sondern das gelte leider für die ganze Gesellschaft. Pfarrheim, Straßenbau, den Anstoß für den Hochwasserschutz - das alles sind Dinge, die er vorweisen kann, ebenso die Ausweisung eines Baugebietes auf der Kinheimer Höhe. Mathy könnte stolz darauf sein, bleibt aber lieber bescheiden. Stolz, das ist er vor allem auf seinen Heimatort.