Immer mehr Kommunen bieten einen Shuttle-Service für Kommunen an. Die Herangehensweise ist unterschiedlich. Viele setzen auf das Ehrenamt.

Archiv : Mit dem Bus zum Arzt

Immer mehr Kommunen bieten einen Shuttle-Service für Senioren an. Die Herangehensweise ist unterschiedlich. Viele setzen auf das Ehrenamt.

Mobilität im Alter: Das ist ein Thema, für das im gesamten ländlichen Raum immer wieder neue Lösungen gesucht werden. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich gibt es unterschiedliche Ansätze.

Schon seit 2012 können Senioren, die nicht mehr alleine zum Arzt kommen, auf das „Reiler Ehrenmobil“ zurückgreifen. Die Initiative, die die Reiler Ruth Klink und Rafael Koch organisieren, organsiert ehrenamtliche Fahrdienste für ältere Menschen, aber auch für Mütter oder Väter mit Kindern, die kein Auto haben. „2012 haben wir mit neun Fahrern angefangen und sind insgesamt 1602 Kilometer gefahren, 2017 waren es schon 6850 Kilometeter und 2018 zählen wir 23 ehrenamtliche Fahrer in unserem Ort, der gerade mal 1100 Einwohner hat,“ sagt Koch, der selbst an Multipler Sklerose erkrankt ist und deshalb frühverrentet wurde.

Wie es zu dieser Initiative gekommen ist? „In unserem Ort gab es damals schon keinen Arzt mehr, so dass viele Senioren Probleme hatten, bis nach Traben-Trarbach zu kommen. 2011 wurde die Dorfmoderation gemacht und das war ein Ergebnis dieser Umfrage,“ erklärt Koch. Die Dorfmoderation wird von vielen Kommunen unterstützt. Dabei werden die Bürger zu Workshops eingeladen, um offene Probleme in der Gemeinde zu erkennen und zu reagieren.

 Ein Knackpunkt beim Einsatz von Ehrenamtlichen und deren Privatfahrzeugen war die Versicherung. Das wurde aber geklärt. „Die Fahrer sind angemeldet und versichert. Die Verbandsgemeinde unterstützt das mit 25 Cent pro gefahrenem Kilometer. Der Fahrdienst ist für die Nutzer gratis, wir lassen aber eine Spendenbox umgehen,“ erklärt Koch. Ruth Klink ergänzt: „Das ist aus einer Not heraus entstanden. Und da war die Dorfmoderation sehr wichtig.“

Die Einheitsgemeinde Morbach hat  vor drei Jahren in Kooperation mit der Universität Trier eine Studie gemacht, in der in Bürgerworkshops der Bedarf abgefragt wurde. Das Ergebnis war damals, ähnlich wie in vielen anderen Kommunen auf dem Land, dass viele Senioren,  aber auch körperlich beeinträchtigte Menschen nicht mehr immer in der Lage sind, mit dem eigenen Auto in die nächste größere Ortschaft zu fahren, um zum Beispiel den Arzt zu besuchen. Das Auto ist zu 90 Prozent  das primäre Fortbewegungsmittel im ländlichen Raum. Es ist aber nicht nur der Gesundheitszustand, der manchen Menschen das Autofahren nicht mehr ermöglicht, wie die Morbacher Studie aufzeigt, - es liegt auch immer häufiger am Geld. Die Experten prognostizieren: Bei stagnierenden oder langfristig möglicherweise sinkenden Renten werde sich auch manch zukünftiger Rentner ein Auto nicht mehr leisten können. Für einen VW Golf müsse man cirka 44 Cent pro Kilometer Gesamtkosten rechnen.

 Also mussten auch hier  neue Wege gesucht werden, um die Mobilität im ländlichen Raum zu gewährleisten. Die Morbacher entschlossen sich zum Projekt „Seniorenbus“, das sie gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und dem Deutschen Roten Kreuz vor einem Jahr starteten.   Vier Mal pro Woche ist der Seniorenbus unterwegs, zweimal in der Einheitsgemeinde Morbach und zweimal in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Bis zum Vortag müssen die Passagiere ihren Fahrtwunsch angemeldet haben. Die Beförderungen sind kostenlos: Nutzen kann das Angebot jeder, der mindestens 65 Jahre alt ist oder eine Behinderung hat.  Inzwischen fährt der Bus bis zu 400 Mal pro Jahr. Das Projekt kostet die beiden Verbandsgemeinden zusammen 20 000 Euro.

In Wittlich-Stadt wird der „Wittlich Shuttle“ angeboten. Der Rufbus ist kostenpflichtig und kostet maximal vier  Euro pro Ticket. Er wird von der DB Regio betrieben. Der Shuttle wird per Telefon oder App gerufen. Im Regelbetrieb verkehren zwei Busse montags bis freitags zwischen 70 Haltepunkten der Säubrennerstadt.

In der Verbandsgemeinde Wittlich-Land gibt es ebenfalls einen Bürgerbus, der für Menschen über 65 Jahre und Menschen mit Beeinträchtigung eingerichtet wurde. Von Montag bis Donnerstag werden auf zwei zeitlich flexiblen Touren die Dörfer vor allem mit den medizinischen Versorgern in Manderscheid und Wittlich und  mit den städtischen Einkaufs- oder Kulturmöglichkeiten verbunden. Anmelden muss man sich als Fahrgast telefonisch montags oder mittwochs jeweils am Nachmittag.  28 Ehrenamtliche machen den Fahrdienst.

Pionierarbeit hat ebenfalls  Traben-Trarbach geleistet. Dort verkehrt bereits seit 2012 ein Seniorenbus an vier Tagen der Woche zwischen Traben-Trarbach und den umliegenden Orten. Bereits zu Beginn zählte er pro Jahr rund 700 Fahrgäste. Weitere Initativen gibt es in Kinderbeuern und Bausendorf.

 In der Verbandsgemeinde Thalfang scheiterte vor vier Jahren der Versuch, einen Seniorenbus anzubieten, wie Ortsbürgermeister und Erster Beigeordneter Burkhard Graul mitteilt. Dort wurde das Angebot innerhalb von drei Monaten nur von einem Fahrgast angenommen, weshalb es wieder eingestellt wurde.

Die Kreisverwaltung in Wittlich hat einen Leitfaden zur Gründung von ehrenamtlichen Fahrdiensten erstellt, der auf Nachfrage  bezogen werden kann.

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