Immer wieder dienstags rollt die Kugel

MORBACH. (jolo) Eine Gesangsprobe macht müde. Denkste. Etwa 20 Morbacher Sänger bewiesen das Gegenteil und liefen Mitte der 50er-Jahre nach dem Singen zur Höchstform auf. Und zwar auf der Kegelbahn in ihrem Vereinslokal Waidmannsheil von Ernst Später, wo elf Kegelfreunde am 25. Oktober 1955 den Verein "Enner uus" gründeten. Am Freitag feiert die kleine, aber lebendige Gruppe mit Frauen und Ehemaligen ihr 50. Jubiläum.

Heute ist der Hochwaldhof ihr Kegeldomizil. Jeden Dienstag trifft sich dort um 20 Uhr die kleine Kegelschar. Doch schon gegen 19.30 Uhr ist die Bahn meist erleuchtet. So früh kann nur einer da sein, nämlich Edmund Nisius, der als Erster kommt und oft als Letzter geht. Der einzige noch aktive Gründer, damals der jüngste und heute mit 80 Jahren der älteste Kegelbruder, ist immer noch wie damals Feuer und Flamme, als Heini Trampert fragte: "Wie ist es, ihr Junge, wolle ma net e Klub gründe?" Der Übervater von "Enner uus", der dem Verein von 1957 bis zu seinem Ausscheiden 1993 als Präsident vorstand, war es auch, der die Truppe zusammenhielt. Günter Dietle, seit 2003 Vereinschef, betont, dass Heini, der 25 Jahre lang der beste König-Kegler war, ein Präsident gewesen sei, der sowohl geliebt als auch gehasst wurde. Doch ohne ihn gäbe es den Verein vielleicht nicht mehr. Willibald Bilzer, der Zweitälteste, und Edmund Nisius können sich noch gut erinnern, wie Trampert Themen wie Kirche und Politik an den Kegelabenden ausschloss. Heute wird zwar auch diskutiert, aber vor allem wird gekegelt. Nach dem Bezahlen des 7-Euro-Startgeldes, das Schriftführer Werner Glesius einzieht, werfen sich die Kegler ein. Anschließend kommt die Königs-Partie. Amtierender König und Titelverteidiger dieses Abends ist Bernd Geiter, seit 1967 im Klub. Den König muss der Königspartie-Gewinner, wenn er gefragt wird, überall vorzeigen. Hat er ihn vergessen, kostet ihn dies eine Runde. Der gebürtige Kueser Geiter, den es beruflich nach Morbach zog, hat als Sportkegler schon große Erfolge erzielt. Der Vorsitzende der Morbacher Sportkegler kann sich gut daran erinnern, wie er als kleiner Junge in seiner Heimatstadt Kegel aufgestellt hat. Der fast 69-Jährige, der mit 14 Jahren anfing zu kegeln, blüht immer dienstags auf, wenn er zu "Enner uus" geht. Bernd Geiter meint verschmitzt, er habe versucht, seinen Klubkollegen etwas beizubringen, doch er habe es aufgegeben, da viele ihren eigenen Stil hätten. Nach der Königs- folgt die Preis-Partie, bei der zwei Tafeln Schokolade ausgekegelt werden. Derjenige mit der höchsten Zahl darf die Süßigkeit für seine Frau mit nach Hause nehmen. Bei der letzten Runde, dem Parteienkegeln, geht es dann immer hoch her. Jedes Jahr wird ein Ausflug unternommen. So bereisten die Kegelfreunde schon Skandinavien, Österreich, Holland, Südeuropa oder Malta. Eines der ersten Ausflugsziele war das pfälzische Bad Dürkheim. Als sie dort gegen Kegler aus Neustadt antraten, war es gut, dass Josef Gorges, ein Kegler, der auf sämtlichen Bahnen zu Hause war, teilnahm. Auf der pfälzischen Asphaltbahn erhielt er für jede Partie eine 30er-Zigarre, und er gewann sie alle. Missetaten eines Jahres in Reimform

Jedes Jahr findet die obligatorische Jahreshauptversammlung statt. "Dann wird die gut ausgearbeitete Satzung ergänzt, erweitert oder Teile von ihr gestrichen", betont Präsident Günter Dietle. Dann können die Kegelpartien, die teilweise Bestandteil der Satzung sind, ebenfalls geändert werden. Früher, als der Übervater von "Enner uus", Heini Trampert, Präsident war, notierte er während des Jahres die Missetaten jedes Einzelnen und trug sie in Reimform vor. Während die Neun von "Enner uus" gestern bei ihrem 50. Vereinsgeburtstag auf den Tag genau noch ihrem Kegel-"König" mit "Gut Holz, Holz, Holz" gratulierten, feiern sie mit ihren Frauen und Ehemaligen am kommenden Freitag in der neu gestalteten Hochwaldscheune des Hochwaldhofes zünftig ihr Jubiläum.