In allen Farben und Formen

BERNKASTEL-KUES. Ein ungewöhnliches Geschäft gibt es seit einiger Zeit in Bernkastel-Kues: Dort hat ein in sein Handwerk verliebter Zuckerbäcker eine Bonboniere aufgemacht, die zwar nur am Wochenende geöffnet hat, aber bereits prächtig läuft.

Ein süßlich-fruchtiger Geruch zieht einem in die Nase, wenn man das Geschäft von Zuckerbäcker Willi Maas betritt. Es ist proppevoll, die Menschen drängen sich im kleinen Verkaufsraum. Viele kaufen, aber einige wollen einfach nur herausfinden, was es hier Besonderes gibt. Alles ist liebevoll im Stil der frühen 30er-Jahre eingerichtet - alte Werbeschilder aus Blech zieren die Wände, und von der Kasse bis hin zur Schaufensterdekoration stammt alles vom Trödel- oder Antiquitätenmarkt. Und ein Blick in die vom Verkaufsraum einsehbare Küche macht neugierig: In einem großen Kupferkessel dampft und brodelt ein dickflüssiger Sud aus Zuckerwasser - dem Grundstoff aller Lutschbonbons. Das Besondere an Willis Bonbongeschäft ist, dass die Besucher dem Meister beim Herstellen der Leckereien über die Schulter schauen können. Oft stünden die Leute bis zu einer Stunde in seinem Laden, lutschten Bonbons und würden darauf warten, dass der Sud aus Zuckerwasser vermischt mit Sirup die richtige Verarbeitungstemperatur erreicht hat, berichtet Maas. Aus einem unförmigen Teig zaubert er dann vor erstaunten Augen mit Hilfe historisch wertvoller Bonbonwalzen die begehrten Süßigkeiten. Und die gibt es bei Willi Maas in vielen unterschiedlichen Farben, Formen und Geschmäckern: Ob klassisch rote Himbeerbonbons und weißbraune Goldnüsse oder neuere Kreationen wie Senf-Honig- oder Tomaten-Lutschpastillen - Willis Bonboniere hat wirklich für jeden Geschmack etwas im Angebot. Maas, der gelernte Konditor und Bäckermeister, der hauptberuflich als Fachberater im Außendienst im Großraum Aachen unterwegs ist, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit 1999 waren er und seine Partnerin Malvina Moreira an Wochenenden unterwegs, um auf Jahrmärkten den Leuten das Handwerk des Bonboniers zu demonstrieren und die selbst hergestellten Gaumenfreuden zu verkaufen. Vor etwas mehr als einem Jahr haben sie dann den Laden in der Burgstraße 8 in Bernkastel-Kues gefunden, in dem vorher ein Keramikgeschäft untergebracht war. "Dann haben wir ein Jahr lang jedes Wochenende für unseren Traum gearbeitet. Ohne Freizeit, aber es macht trotzdem voll Spaß", sagt Maas. Nachdem das Geschäft nun mehrere Wochen hervorragend läuft, überlegt Maas, auch unter der Woche zu öffnen - bisher war nur freitags, samstags und sonntags geöffnet. Noch sei aber nichts entschieden.

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