In Bernkastel-Kues geht die Diskussion um das angeblich sexistische Gedicht von Eugen Gomringer weiter

Stadtentwicklung : Sexismus-Debatte im „braven“ Bernkastel-Kues

Die Diskussion um die Verse des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer hält unter den TV-Lesern an.

Zur Berichterstattung um das umstrittene Gedicht des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer und die mögliche Platzierung der Verse auf der Betonwand an der Burg Landshut in Bernkastel-Kues (TV vom 17./18. und vom 19. Februar) gibt es weitere Lesermeinungen. „Mit Sexismus hat diese Lyrik nichts zu tun. Schade, dass man den Preisträger des Alice-Salomon-Poetik-Preises an der Berliner Hochschule diskreditiert“, schreibt Johannes Politz (Bernkastel-Kues). Zur mittelalterlichen Burganlage passten diese Zeilen aber nicht. Da gehöre etwas Moseltypisches, Mittelalterliches oder Römisches hin. Sein scherzhafter Vorschlag: „Eile mit Weile, die Sage tut kund, hier wurd’ einst ein Kurfürst betrunken gefund’.“

 Paul Adams aus Bernkastel-Kues ist der Meinung, „ein Gedicht in fremder Sprache, welches auch nach Übersetzung kaum zu verstehen ist, gehört nicht an diesen Ort.“ Stattdessen solle an der Wand ein Willkommensgruß in unterschiedlichen Sprachen oder ein Zitat von Nicolaus Cusanus stehen.

An die Wand solle „kein spanischer Spruch, so wie der in Berlin“, schreiben Irene und Peter Weißer aus Bernkastel-Kues. „Lassen wir doch die Kirche im Dorf, das heißt die Wand, wie sie ist“. Irgendwann werde sie sowieso beschädigt, ob mit oder ohne Spruch. „Warum hängt man eine kleine lokale Bagatelle so hoch? Warum verschwendet man Energie und Geld?“, sagen sie.

Nun sei die Sexismus-Debatte bis in das „brave Städtchen“ Bernkastel-Kues geschwappt, schreibt Jörg Stein aus Lötzbeuren. Das Gedicht sei eine Ode an die Schönheit und sei zu Unrecht auf den Index geraten. Es solle zu keinem peinlichen Kompromiss kommen, der niemanden glücklich mache. Die Wand sollte „jungfräulich bleiben, unbefleckt, monochrom, puristisch in Grau. Dann dürfen sich Algen, Flechten und Moose ansiedeln.“

Robert Schattel aus Piesport schlägt diese Verse vor: „Einst zogen Ritter und auch Fürsten in die Burg Landshut, um aufzurüsten. Sie zogen ein und zogen aus. Heut’ bereichern Besucher dieses Haus. Ein Aufzug wurde installiert, ’ne Betonwand diesen nun kaschiert. Der Zeitgeist verlangte ’ne stabile Wand, sie ist weder schön noch elegant! Nun muss ganz schnell ein Sinnspruch her, denn lange bleibt die Wand nicht leer!“

Wie berichtet soll das Gedicht an der Berliner Hochschule übermalt werden, weil es angeblich frauenfeindlich und sexistisch ist. Gerhard Lenssen aus Bernkastel-Kues hat vorgeschlagen, die spanischen Zeilen an die noch kahle Betonwand an der Burg Landshut zu schreiben. Damit löste er eine Diskussion aus.

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