In Bernkastel-Kues soll eine neue Jugendherberge gebaut werden

Stadtentwicklung : Eine neue Jugendherberge für Bernkastel-Kues

Das Herbergswerk sucht in Bernkastel-Kues einen anderen Standort. Die in dem alten Gebäude lebenden Studenten möchten bleiben.

Die Burg Landshut ist das Wahrzeichen der Stadt Bernkastel-Kues. Das höchstgelegene historische Gebäude vor Ort ist sie aber nicht. Über ihr, ein paar Minuten zu Fuß entfernt, thront noch die Jugendherberge. Seit dem 1. November 2013 ist sie allerdings geschlossen. „Auf unbestimmte Zeit“, hieß es damals vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH).

Das 1903/1904 errichtete Gebäude ist sprichwörtlich in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. Damals hieß es, dass das Gebäude mit seinen knapp 100 Betten ab Ende 2017  mit Millionenaufwand wieder auf Vordermann gebracht werden soll.

Immerhin 14 000 Übernachtungen wurden dort 2012, dem vorerst letzten Jahr mit kompletter Öffnung, gezählt. Das DJH Rheinland-Pfalz möchte weiter in einer touristisch so attraktiven Stadt vertreten sein, sagt Vorstandvorsitzender Jacob Geditz auf TV-Anfrage. Getan hat sich aber noch nichts. Und ob das DJH dort oben noch einmal tätig wird, ist auch mehr als fraglich.

Es gibt offensichtlich Bestrebungen im Tal eine neue Jugendherberge zu errichten. Geditz habe ihm das bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin erzählt, sagt Guido Lotz, Pressesprecher des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Lotz ist kommunalpolitisch in Bernkastel-Kues tätig. Geditz habe auch von einem Gespräch mit Stadtbürgermeister Wolfgang Port berichtet. Dabei sei es um einen neuen Standort gegangen.

Einen solchen zu finden sei nicht so einfach, sagt Port. Schließlich benötige das DJH 4000 bis 4500 Quadratmeter Fläche. Jacob Geditz bestätigt das. „Dieses Jahr muss die Standortfrage geklärt sein“, treibt er zur Eile an. Die räumliche Dimension eines neuen Hauses beziffert er auf 160 bis 180 Betten. „Wir sind auf der Suche nach einem Gelände für eine neue Jugendherberge“, sagt der Stadtbürgermeister.

Geditz schließt nicht kategorisch aus, dass das DJH doch wieder im derzeit geschlossenen Gebäude tätig wird. Aus seinen Worten ist aber klar die Präferenz für einen Neubau herauszuhören. Auch in den Jugendherbergen hätten sich die Zeiten geändert. Das DJH lege heute mehr Wert auf die Nähe zum Zentrum einer Stadt. „Denn die Gäste wollen abends auch mal noch raus“. Der Weg von der Jugendherberge in Bernkastel-Kues sei weit. Wanderer und Radfahrer würden ihn nicht auf sich nehmen, um den Tag in einer der vielen Lokalitäten der Stadt ausklingen zu lassen.

Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Es beherbergte anfangs das Schlosshotel. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Lazarett, nach dem Krieg, da hatten die Franzosen das Sagen, als Ferienheim für französische Kinder. 1954 hat es der Jugendherbergsverband erworben.

Ganz leer steht das Gebäude aber nicht. Auch das ist eine besondere Geschichte. Einige Studenten der Cusanus Hochschule bilden dort eine große Wohngemeinschaft. „Zehn sind es derzeit“, sagt Ökonomie-Student Anton Wolf. Er wohnt wie seine Kommilitonen fest dort. Dazu kommen während der Vorlesungen und Seminare, die immer wochenweise laufen, weitere Studenten, die ansonsten woanders ihren Wohnsitz haben.

Verwaltet wird das Haus von der Studierendengemeinschaft. „Ich lebe sehr gerne hier oben“, sagt Wolf. „Wir können sehr frei organisieren.“ Das trage auch zur Besonderheit des Studiums an der Cusanus Hochschule bei. Die Jugendherberge sei so etwas wie ein Bildungshaus.

Der Vertrag mit dem Studierendenwerk laufe bis Ende März 2019, berichtet Jacob Geditz. Sollte das Gebäude frei werden, hätten die Studenten grundsätzlich Interesse, es zu übernehmen. Das dürfte nicht einfach werden. „Wir müssen schon über den marktüblichen Preis reden“, sagt Jacob Geditz. Wie hoch der sein könnte, verrät er nicht. Es wird schon darüber spekuliert, dass sich dort oben wieder ein Hotel ansiedeln könnte und das Schlosshotel aus dem 20 Jahrhundert wieder zu Leben erwacht. Vom Ausblick her wäre der Standort unvergleichlich.