Kultur: In Bernkastel-Wittlich ist Singen nach wie vor in aller Munde

Kultur : In Bernkastel-Wittlich ist Singen nach wie vor in aller Munde

Der Kreischorverband steht vor einem Umbruch. Mitglieder diskutieren über neue Strukturen und Ziele.

Es sind bemerkenswerte Zahlen: 1300 aktive und 1600 fördernde Mitglieder gehören zum Kreischorverband, in dem 47 Vereine mit 60 Chören zusammengeschlossen sind. Zurecht könnte man sagen: Singen ist in Bernkastel-Wittlich nach wie vor in aller Munde. Dennoch: Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger in den Vereinen geht zurück, der Altersdurchschnitt steigt weiter. Aber es gibt auch eine positive Seite. In den vergangenen Jahren wurden eine Reihe neuer Chöre gegründet — Chöre, die mit ihrem Repertoire vor allem junge Leute ansprechen.

Der Kreischorverband steht nun vor einem Umbruch — personell und strukturell. Verbandsvorsitzender Heribert Kappes aus Zeltingen-Rachtig wird beim Chorverbandstag am Sonntatg, 31. März, im Sängerheim Zeltingen-Rachtig sein Amt abgeben, möglicherweise werden auch weitere Vorstandsmitglieder nicht mehr kandidieren. Kappes (73) führt seit 2004 den Verband, als Sänger ist er immer noch aktiv im Männerchor des Vereins „Chorgesang Cäcilia Rachtig“.

Um sich auf die wichtige Mitgliederversammlung am 31. März vorzubereiten, hat der Kreisverband für Samstag, 19. Januar, 10 bis 15 Uhr, zu einem „Zukunfts-Workshop“ in die Bürgerhalle Monzelfeld eingeladen. Kappes: „Wir wollen eine Bestandsaufnahme machen, werden neue Konzepe überlegen und Ziele definieren und über die organisatorisch-strukturelle Form des Verbandes diskutieren. Vor allem wollen wir aber den Blick nach vorne richten.“ Kappes selbst will vor dem Treffen keine Vorgaben machen. Kappes: „Es soll eine ganz offene Diskussion sein.“

Kappes weiß, dass sich Gesangvereine und Chöre in einem schwierigen Umfeld bewegen. Kappes: „Das Chorsingen ist stärker als noch vor Jahrzehnten einem Wettbewerb der unterschiedlichsten Freizeitinteressen ausgesetzt und der gesellschaftliche Trend geht hin zu mehr Individualität. Der Gemeinschaftsgedanke tritt zurück.“ Viele Chöre leiden unter Mitgliederschwund und überaltern. Ein Beispiel ist Kappes’ Heimatverein „Chorgesang Cäcilia Rachtig“. Zum Verein gehören der Männerchor, der einst über 60 aktive Sänger zählte, jetzt aber auf nur noch 25 zusammengeschrumpft ist. Ähnlich erging es dem Frauenchor der ebenfalls viele Mitglieder verlor. Dem gegenüber steht der im Jahr 2000 gegründete Chor „Pop & Soul“, der aktuell mit über 40 Aktiven die stärkste Sangesformation in Zeltingen-Rachtig bildet. Was beweist: Chorgesang ist noch lange nicht out, mit neuen Konzepten bringt man auch junge Leute zum Gesang in der Gemeinschaft.

Kappes führt eine ganze Reihe solch positiver Beispiele auf: Die „Choryfeen“ aus Ürzig sind ein Frauenchor aus ehemaligen Schülerinnen der Musikschule des Kreises Bernkastel-Wittlich, in Gladbach wurde das Ensemble „Querbeet“ gegründet, erfolgreich sind ferner unter anderem die „Young voices“, die „Vocal Voices“, das Quartett „4-Takt“ oder das Junge Gesangsensemble des Kreis-Chorverbandes. Ganz neu ist der vom Männergesangverein Salmrohr gegründete „Projektchor im Salmtal“. Am 29. Dezember gaben die 43 Sängerinnen und Sänger in der Pfarrkirche St. Martin in Salmrohr ihr erstes vielbeachtetes Konzert (der TV berichtete).

Im September 2016 präsentierten neun Chöre unter dem Titel „newcomer“ bei drei Konzerten ihr Repertoire. Dass Chorgesang beim Publikum gefragt ist, bewies auch die Großveranstaltung „Chor total im Moseltal“ des Kreischorverbandes im Mai des vergangenen Jahres in Bernkastel-Kues. Allein auf dem Karlsbader Platz waren 700 Menschen versammelt und folgten den Chorbeiträgen. Auch die übrigen Veranstaltungen waren bestens besucht. Traditionelles Liedgut war ebenso zu hören wie aktuell angesagte Genres. Unter den Mitwirkenden waren alle Chorgattungen vertreten: Jugendchor, Quartette, kleinere Ensembles, Frauenchöre, Männerchöre und Gemischte Chöre.