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In der Cusanus Hochschule hat jeder Seminarraum Dusche und WC

Bildung : Weniger Philosophie, dafür mehr „grüne Ökonomie“ im Hochschulhotel

Die Cusanus Hochschule residiert jetzt im ehemaligen Hotel Drei Könige. Alexander  Licht, Hauptinitiator und Mitbegründer der Hochschule, bleibt aus Protest einem Empfang fern. Er kritisiert scharf die Neuausrichtung der Hochschule unter Präsident Reinhard Loske. Dieser war früher ein Spitzenpolitiker der Grünen.

Das ehemalige Hotel Drei Könige ist eines der markantesten Gebäude in der Stadt Bernkastel-Kues. Dort residiert seit kurzem die Cusanus Hochschule. Sie wird zunächst die Räume in der ersten Etage beziehen, in den kommenden Jahren sollen zwei weitere Etagen hinzukommen. „Hier kann man sich wohlfühlen und sehr gut arbeiten“, betonte der neue Präsident der Hochschule, Professor Reinhard Loske, bei einem Empfang vor 20 Gästen am Donnerstagabend.

Größere Umbaumaßnahmen sind notwendig, um das einst renommierte Hotel, das 1901/02 gebaut wurde, in eine Bildungsstätte zu verwandeln. Diese sollen nach Angaben von Frank Vierheilig, Kanzler der Hochschule, im Oktober beginnen. Der größte Raum in der nun bezogenen ersten Etage ist der ehemalige Frühstücksraum des Hotels. Dort finden 25 Studenten Platz. Die anderen Räume, ehemalige Hotelzimmer, größtenteils mit Balkon und Blick auf die Mosel und Burg Landshut, sind naturgemäß kleiner und alle mit Dusche und WC ausgestattet. Die Zimmer werden  nach und nach ausgebaut. Auch Wände werden wohl eingerissen, um größere Räume zu schaffen. Im Oktober wird auch die Verwaltung der Hochschule mit ihren 28 Mitarbeitern im Hotel einziehen. Das Gebäude gehört der Familie Hees aus Bernkastel-Kues, die die Räume an die Hochschule verpachtet.

Zum aktuellen Konflikt mit lokalen Kommunalpolitikern (der TV berichtete am Donnerstag) sagten Loske und seine Stellvertreterin Professor Silja Graupe zunächst nichts. Sie wollen den Streit nicht noch weiter befeuern. Erst auf Nachfragen bezogen sie Stellung. Den Vorwurf des CDU-Landtagsabgeordneten Alexander Licht und Vorsitzenden der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, die Hochschule wende sich im Inhalt immer mehr von Cusanus ab, sagte Loske: „Das ist Blödsinn.“

Zum Hintergrund: Licht, einer der Hauptinitiatoren zur Gründung der Hochschule, war dem Empfang demonstrativ ferngeblieben. Auch Stadtbürgermeister Wolfgang Port und VG-Chef Ulf Hangert fehlten – wie es hieß, wegen anderweitiger Verpflichtungen.

Licht kritisiert scharf die von Silja Graupe eingeleitete und nun von Loske fortgesetzte Neuausrichtung der Hochschule. Diese sei an der eigenen Hochschulordnung vorbei und ohne Einbindung des Senats sowie der kommunalpolitischen Entscheidungsträger vor Ort vorbereitet worden. Dies sei ein großer Vertrauensbruch gegenüber der Region.

Einige Studenten haben deshalb auch die Hochschule verlassen, eine Studentin schrieb: „Die eigentlich demokratische Hochschule ist zu einer undemokratischen Institution geworden. Daraufhin kündigten meine Dozenten, denen es unmöglich war, unter diesem Präsidium zu arbeiten.“

Der Präsident der Cusanus Hochschule, Reinhard Loske (links), und Kanzler Frank Vierheilig. Foto: TV/Winfried Simon

In dem Streit geht es darum, dass die Studiengänge Philosophie (zurzeit 31 Studierende) zugunsten der Studiengänge Ökonomie (zurzeit 64 Studierende) an Bedeutung verlieren. Das ist daran zu erkennen, dass in der Philosophie zum Wintersemester 2019/20 keine Studenten mehr aufgenommen werden. Hochschul-Präsident Loske, ehemals ein Spitzenpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen, will an der Cusanus Hochschule offenbar seinen Forschungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Klimapolitik und Nachhaltigkeit durchsetzen. Loske ist der Auffassung, dass sich die ökonomische Forschung aus ihrer Beschränkung auf reine Kosten-Nutzen-Analysen befreien und sich zu anderen Sozial- und Geisteswissenschaften öffnen müsse. Dies sei ein Ansatz, den die Cusanus Hochschule seit ihrer Gründung auch verfolge.