In der Cusanus-Nacht geht es rund

Erfolgreiche Premiere: 300 Interessierte sind den Spuren des Nikolaus von Kues gefolgt. Manche näherten sich ihm spielerisch.

Bernkastel-Kues Die erste Lange Cusanus-Nacht stieß auf überaus großes Interesse. Das Cusanus-Geburtshaus, das Cusanusstift, die Vinothek und das Weinerlebniszentrum hatten zur Premiere eingeladen. Mehr als 300 Besucher nutzten diese erste Gelegenheit, sich zu ungewohnt später Stunde auf die Spuren von Nikolaus von Kues zu begeben. "Welch eine einmalig einladende Atmosphäre", bemerkten Claudia und Tochter Theresa Bechtel beim Betreten des Kreuzganges, der in blau-pinkfarbenem Licht erstrahlte. Weiter in der Kapelle war der Chorraum in ungewohnte Farben getaucht. Dieses ungewöhnliche Licht strömte Ruhe aus und trug zur besonderen abendlichen Stimmung im historischen Gemäuer ein. Zufriedene Gesichter auch bei den Organisatoren.
"Wir sind hocherfreut über den guten Zuspruch", sagten Pia Pastor und Bibliothekar Dr. Marco Brösch. Unerwartet groß war der Besucherandrang bei seinen Führungen in der Kapelle und in der Bibliothek. Für viele Teilnehmer, auch Einheimische, war es das erste Mal, in diesen Raum mit den wertvollen Manuskripten und Wiegendrucken einen Blick werfen zu dürfen. "Es ist faszinierend, einmal eine Handschrift des Cusanus anschauen zu können", staunte die elfjährige Valerie. Als Schülerin des Nikolaus-von-Kues Gymnasiums besuchte die Kueserin schon einmal das Stift. "Ich liebe alte Gemäuer und alte Bücher", verriet sie. Und Valerie denkt darüber nach, vielleicht den Beruf der Restauratorin zu ergreifen. Wie viele weitere Zuhörer fand sie auch die Lesung von Stefan Kritten über die sieben Werke der Barmherzigkeit, die als großformatige Gemälde des Bernkasteler Künstlers Franz Freund im Kreuzgang hängen, amüsant und informativ. Einblicke in die Theologie und Philosophie des größten Sohnes der Stadt, in die Mosellandschaft, in Wein und Kultur bot diese Premiere zu ungewohnter Stunde. "Wir wollten mit dieser ersten Cusanus-Nacht die Menschen einmal zu ungewöhnlicher Zeit für Cusanus interessieren und seine Bedeutung in der Region und darüber hinaus herausstellen", betonte Brösch in seiner Begrüßung. Das ist den Veranstaltern gelungen.
Nahezu 80 Musikliebhaber besuchten das Mozartkonzert im Cusanus-Geburtshaus. Das Weinerlebniszentrum "sah" Gäste, die noch nie zuvor hier waren, während die Vinothek mit kleinen kulinarischen Genüssen und edlen Moseltropfen für stärkende Ruhepausen sorgte.
Während vor der Kapelle derweil große Gruppen auf die Führungen warteten, übten sich andere im Kugelspiel, das auf eine Idee von Cusanus zurückgeht. "Oje, die rollt ja nicht, wie ich es will", bedauerte der achtjährige Johannes Prüm. Kein Wunder, denn die Kugel ist nicht gleichmäßig rund, sie hat eine Delle, die sie im Rollen "unberechenbar" macht.
Sie symbolisiert den Menschen auf seiner Suche nach der Mitte, nach Gott. Jochen Dohm hatte sich die aktuelle Ausstellung über Cusanus und die Päpste angeschaut. Der 71-Jährige aus Kaub am Mittelrhein macht regelmäßig Urlaub an der Mosel. "Durch den TV-Bericht habe ich von der Cusanus-Nacht erfahren", sagte er. "Ich finde diese Idee wunderbar, da sollte es auf jeden Fall eine Neuauflage geben", sagt er.

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