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In der Energielandschaft Morbach wurden sieben Windräder eingeweiht

Energie : Investoren feiern Rekorde und Windräder in Morbach

In der Energielandschaft Morbach sind nach dreieinhalb Jahren Planung und Bauzeit sieben neue Windräder offiziell eingeweiht worden. Derzeit sind allerdings erst drei der Anlagen komplett fertig.

Feierstunde in der Energielandschaft Morbach: Fast 200 Menschen sind gekommen, um den neuen Bürgerwindpark mit sieben statt der bisher 14 Windräder einzuweihen. Von den Gästen sind viele per Bus aus dem fränkischen und dem Oberpfälzer Raum angereist, die sich finanziell an den Bürgerwindrädern beteiligen und ihre Investion in Augenschein nehmen wollen. Dabei sind lediglich drei der Anlagen fertig. An zwei weiteren werden gerade die Gondel mit den Maschinen und die Flügel montiert, an wiederum zwei weiteren stehen erst die Türme.

Der Grund ist einfach: „Der Standort ist so gut, dass wir hinterherhinken“, sagt Nadine Paulus, Prokuristin der Firma Wust Wind und Sonne, die die Bürgeranteile an den Windrädern vermarktet und die kaufmännische und betriebswirtschaftliche Betriebsführung der beiden Gesellschaften übernimmt, über die die sieben Windräder betrieben werden. „Wir haben soviel Wind auf der Nabenhöhe, dass man wegen der Windgeschwindigkeiten die Lasten nicht hochziehen kann.“

Bis Ende des Jahres sollen alle Anlagen fertig montiert sein und Strom ins Netz speisen. Bei einer mittleren prognostizierten Windgeschwindigkeit von 6,2 Metern pro Sekunde auf einer Nabenhöhe von 159 Metern werden für die sieben Windanlagen vom Typ Enercon 66,7 Millionen Kilowattstunden erwartet. Das entspricht ungefähr der doppelten Menge, die die vorherigen 14 Anlagen mit einer Nabenhöhe von rund 100 Metern erwirtschaftet haben. Damit können die neuen Windräder rechnerisch den Strombedarf von rund 20 000 Haushalten decken. Bei dem 55 Millionen Euro teuren Investition handelt es sich um ein Modell mit Beteiligung der Bürger, sagt Dieter Wust von Wust Wind und Sonne. Elf Millionen Euro sind von 348 Gesellschaftern aus der Region rund um Morbach und weiteren Bürgern aus ganz Deutschland aufgebracht worden. Die restlichen 44 Millionen Euro finanziert die Saar LB.

Der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal weist auf den Wandel des 146 Hektar großen Geländes hin, das zu Zeiten des kalten Krieges das größte Bombenlager der US-Armee in Europa gewesen ist und das anschließend in die Morbacher Energielandschaft mit Windkraft, Photovoltaikanlage und Biomassewerk und Gewerbestandort umgewandelt wurde und heute weltweit Beachtung findet. Bis jetzt seien 50 000 Besucher aus 119 Ländern nach Deutschland gekommen, sagt er, zuletzt aus dem Sudan, dem Kongo und von den Fidschi-Inseln. Michael Böhm vom Mainzer Unternehmen Wiwi Consult, das den Bau der neuen Anlagen geplant und umgesetzt hat, sagt, dass die drei derzeit laufenden Anlagen seit Ende August bereits vier Millionen Kilowattstunden Strom produziert haben. Vom ersten Gespräch mit der Morbacher Verwaltung bis zur Einweihung seien dreieinhalb Jahre vergangen. Dabei stellt Böhm bei der guten Zusammenarbeit mit den Behörden die Kreisverwaltung besonders heraus. Zwischen der Einreichung des Antrags bis zur Genehmigung habe diese lediglich 200 Tage benötigt. „Der Bundesdurchschnitt liegt bei 700 Tagen“, sagt er. In den kommenden Wochen wird ein weiteres Rotorblatt mit 41 Meter Länge in die Energielandschaft geliefert und kurz hinter der Einfahrt auf das Gelände am Boden aufgebaut, um Besuchern die Dimensionen der Anlagen zu verdeutlichen. Die Rotorblätter der neuen Windräder sind rund 70 Meter lang. Für den Frühsommer 2020 planen Wust Wind und Sonne, Wiwi Consult und die Gemeinde Morbach einen Tag der offenen Tür. Dann sollen Besucher auch die Möglichkeit erhalten, mit dem Aufzug in eine der 159 Meter hohen Gondeln fahren zu können.