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In der Hauptstraße in Hetzerath entsteht betreutes Wohnen

Projekt : Ein Ort für pflegebedürftige Menschen

Aus alt mach neu: Das Gelände eines geschlossenen Steinmetzbetriebs in Hetzerath soll für ein innovatives Projekt genutzt werden. Neben einer Tagespflege ist auch eine Pflege-Wohngemeinschaft in Planung.

Wer durch die Hetzerather Hauptstraße fährt, entdeckt dort ein großes leerstehendes Gebäude – der ehemalige Betrieb der Steinmetzfirma Rau. Dieser musste vergangenes Jahr aufgrund des Fachkräftemangels schließen (der TV berichtete). Doch es gibt eine neue Idee für die frei gewordene Fläche. Dort will die Gemeinde das Projekt „Betreutes Wohnen“ in die Tat umsetzten. Das war auch Thema der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Man habe den Betrieb bereits gekauft und möchte die zentrale Stellung des Gebäudes für das Projekt nutzen. Auf den insgesamt 3600 Quadratmetern sei ein Neubau in Planung, hieß es in der Sitzung. Ortsbürgermeister Werner Monzel: „Wir haben uns verschiedene Modelle zu diesem Thema angesehen. Man könnte es so ähnlich wie in St. Paul in Wengerohr angehen. Ein Investor errichtet Wohnungen und mit dem Erwerb ist man dazu verpflichtet, einen Servicevertrag abzuschließen.“

Der von Monzel präferierte Ansatz sieht allerdings etwas anders aus. Das „Wohnbetreuungskonzept“ sei von Daniel Knopp, ein aus Hetzerath stammender Mitarbeiter des Brüderkrankenhauses, vorgeschlagen worden. Dieses sei bereits in Trier erfolgreich umgesetzt worden. In Zusammenarbeit mit der gbt Wohnungsbau und Teuhand AG könnte das Projekt verwirklicht werden. „Es ist aber noch nichts in trockenen Tüchern“, so Monzel. Die gbt müsste sich nach der Interessensbekundung noch bis Mitte November entscheiden. Aber man sei guter Dinge.

Geplant sei ein noch zu errichtendes Gebäude, indem eine betreute Pflegewohngemeinschaft, ein Wohnen mit Service, eine Tagespflege und eine Arztpraxis untergebracht werden solle. In solch einer Pflegewohngemeinschaft wäre Platz für maximal zwölf pflegebedürftige Menschen. Je nach Bedarf könnte man diese WGs zweimal im Gebäude unterbringen. Jeder Bewohner hätte dann sein eigenes Zimmer, aber die restlichen Räume wie beispielsweise eine Küche oder Wohnzimmer würden gemeinschaftlich genutzt.

Zur Tagespflege könnten bis zu 30 pflegebedürftige Menschen kommen. „Ich denke, das ist eine gute Geschichte. Das entlastet die betroffenen Familien enorm“, meint Monzel. Die Wohnungen mit Service sollen anders als in St. Paul nicht an hilfe- oder betreuungsbedürftige Personen verkauft, sondern an diese vermietet werden.

Im Erdgeschoss des Gebäudes soll eine Arztpraxis entstehen. Die ortsansässige Ärztin soll dann von ihrem aktuellen Standort in der Bahnhofstraße in das Gebäude in der Hauptstraße umziehen. Ihre jetzige Praxis sei nicht mehr zeitgemäß, da sie auch unter anderem nicht barrierefrei sei. Der Umzug soll 2024 – nach Ablauf des Mietvertrages – vonstatten gehen Das gesamte Projekt soll bis 2024 realisiert sein und wird voraussichtlich mehrere Millionen Euro kosten. „Ich kann mich an keine andere Gemeinde erinnern, die eine solche Konstellation in ihrem Ort hat“, sagte Monzel. Dies sei neu in der Region. „Es gibt die Möglichkeit,  von Geburt an bis zum Tod im Dorf zu bleiben.“ So müsse man seine Lieben nicht in einem weiter entfernten Altenheim unterbringen.

Auch der Gemeinderat zeigt sich sichtlich begeistert von dem Projekt. Angelika Brost, Mitglied des Rates, meint dazu: „Das Konzept von Daniel Knopp ist mir sympathischer als das von St. Paul. Das ist was für Leute, die dann auch das entsprechende Geld haben. Gerecht ist das nicht. Hier die Idee kann ich nur begrüßen.“

Schließlich hat sich der Gemeinderat auch einstimmig für die Kooperation mit der gbt ausgesprochen. Nun liegt der Ball wieder bei der Bau­genossenschaft, und die Hetzerather Kommunalpolitiker warten gespannt auf eine Rückmeldung.