In dieser Jahreszeit ist Hochsaison für Einbrecher

In dieser Jahreszeit ist Hochsaison für Einbrecher

Die dunkle Jahreszeit lockt Langfinger. Die Kriminalpolizei Wittlich bestätigt: Jetzt häufen sich wieder Einbrüche in Wohnungen. Das belegt die Kriminalstatistik. Neben einer guten Sicherung des Hauses sind wachsame Nachbarn ein wirksamer Schutz.

Bald ist Weihnachten. Wer Pech hat, erlebt vorher eine unangenehme Bescherung, nämlich Einbrecher in der Wohnung oder dem Haus. Es könnte so scheinen, als ob die Straftäter versuchten, ihr Weihnachtsgeld auf Kosten anderer aufzubessern. Das machen sie mit ihrer Beute wie Schmuck oder anderen Dingen von Wert, die leicht abtransportiert und zu Geld zu machen sind.Häuser am Ortsrand interessant


Deshalb seien aus Tätersicht besonders hochwertig wirkende Häuser am Ortsrand interessant, sagt Norbert Sproß, Erster Kriminalhauptkommissar der Kripo Wittlich. Denn solche Anwesen signalisieren, dass etwas zu holen ist. Besonders in der dunklen Jahreszeit ist Hochsaison für Einbrecher. Wenn es am Nachmittag schon dunkel wird und in Wohnungen und Häusern niemand ist, weil die Bewohner noch auf der Arbeit sind, hat ein Einbrecher bessere Chancen, unerkannt zu bleiben, als am helllichten Tag. Das weiß auch der Erste Polizeihauptkommissar Alfred Haas, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Daun. Er sagt: "Jetzt nehmen die Einbrüche wieder zu." Sein Stellvertreter, Kriminalhauptkommissar Peter Teusch, nennt Details: "Seit Anfang Oktober hatten wir im Zuständigkeitsbereich der PI Daun bereits neun Wohnungseinbrüche, davon vier am Tag. Die meisten im Bereich Gerolstein-Hillesheim." Von Januar bis Ende September waren es 51 - davon 35 nachts und 16 am Tag.
Die Zahlen der gesamten Wittlicher Kriminalstatistik belegen den Trend einer Zunahme der Delikte ab Herbst: Seit Anfang September sind fast 50 Wohnungseinbrüche im Bereich der Kripo registriert. In den Sommermonaten sind es im Durchschnitt halb so viele. Ähnlich das Bild im Vorjahr: Waren es von Juli bis Anfang September noch weniger als 20 Fälle, waren es ab Anfang September bis Mitte November schon mehr als 40 Fälle.
Norbert Sproß geht davon aus, dass die Täter überwiegend überregional agieren, es sich um sogenannte reisende Täter handelt, die professionell einbrechen. Die sind oftmals auch zu mehreren aktiv und kundschaften ihre Ziele vorher aus.In nur fünf Minuten im Haus


Sie schauen dabei auch nach Schwachstellen bei Einfamilienhäusern. Das sind: zur Hälfte die sogenannten Fenstertüren wie Terrassentüren gefolgt von normalen Fenstern und Haustüren. Seltener werden Kellertüren und -fenster als Einstieg genutzt. Das steht in der Studie des Deutschen Forums für Kriminalprävention.
Was der Laie kaum glauben kann: Normalerweise kommen die Täter in weniger als fünf Minuten ins Haus. Das bedeutet: Alles, was ihn daran hindert, schnell Zugang zu bekommen, hilft dem Eigentümer. Eine gute technische Sicherung der eigenen vier Wände kann sich auszahlen. Denn die Studie belegt auch, dass in den meisten Fällen Einbrecher nach fünf Minuten aufgeben. Und: Ein Einbruch nebst Durchsuchen der Wohnung bis zum Abzug dauert oft nicht länger als 20 Minuten.
Vergangenes Wochenende gab es zwei Einbrüche im Landscheider Gebiet. In einem Fall wurde eine wertvolle Münzsammlung und Bargeld entwendet, im anderen Fall eine vierstellige Bargeldsumme. Beide Betroffenen waren nicht zu Hause. Deshalb sagt Norbert Sproß: "Da die Täter die Objekte oft vorher auskundschaften, kann die Aufmerksamkeit der Nachbarschaft entscheidenden Einfluss auf die Auswahl durch die Täter nehmen." Nachbarn sollten der Polizei auffällige Personen und Fahrzeuge melden. Polizist Haas betont ebenfalls, wie wichtig Nachbarschaftshilfe ist: "Wenn man für mehrere Tage nicht zu Hause ist, ist es gut, wenn die Nachbarn sich kümmern. Denn Täter bemerken sofort, wenn der Briefkasten überquillt oder die geleerte Mülltonne ein paar Tage am Straßenrand steht."Extra

Norbert Sproß, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter des zuständigen Fachkommissariats der Kriminalinspektion Wittlich (Foto: TV-Archiv): Gelegenheit macht Diebe: Welches ist eine Standardgelegenheit, die wir Bürger potenziellen Einbrechern bieten? Sproß: Es sind gekippte Fenster, die nicht abgeschlossene Haustür oder der übervolle Briefkasten. Wenn die Einbruchszahlen jetzt in der dunklen Jahreszeit steigen: Inwieweit hilft womöglich ein Bewegungsmelder oder ist ein Hund doch besser - oder ist beides Quatsch? Sproß: Bei Einbrüchen am hellen Tag bringt ein Bewegungsmelder nicht viel, aber für die Dunkelheit ist ein Bewegungsmelder sicher eine sehr günstige Sicherungsmöglichkeit. Allgemein gilt: Die Täter meiden grundsätzlich den Kontakt mit Geschädigten. Bei Hunden eher kein Labrador, der ja eher ein Familienhund ist. Er könnte womöglich helfen, die Beute nach draußen zu tragen. Wie oft, prozentual gesehen, treffen Einbrecher eigentlich auf Bewohner und wie verhält man sich dann eigentlich am besten? Sproß: Dazu kann ich keine verlässlichen Angaben machen. Wenn es dazu kommen sollte, sollte man sich eher passiv verhalten, Täterkontakt und jegliche Konfrontation vermeiden sowie sich eine Beschreibung merken. Aber das muss jeder für sich entscheiden. sos

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