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In Landscheid, Bergweiler und Dreis gibt es Interesse an einem Nahwärmenetz

Energie : Nahwärmenetze in greifbarer Nähe

In Landscheid, Bergweiler und Dreis gibt es Interesse an einem Nahwärmenetz. Sanierungsmanager unterstützen bei der Planung.

Günstiger und regenerativ Heizen: Das ist ein Wunsch, den viele Menschen haben. Nicht immer ist die Umsetzung oder Umrüstung möglich. In den sechs Orten der VG Wittlich-Land, die Bioenergiedörfer werden möchten, wurde diese Thematik mit Nahwärmenetzen angegangen. Christian Stalter, einer der Sanierungsmanager der VG, erklärt: „Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Chancen auf ein Nahwärmenetz in Landscheid, Bergweiler und Dreis am höchsten sind. Dabei sind bauliche Gegebenheiten, die bisherige Heizsituation und das Interesse an der Nahwärme Kriterien.“

Erfahrung bei der Umsetzung von Nahwärmenetzen hat die Verwaltung der Verbandsgemeinde bisher nicht. Deshalb holt sie sich Expertenrat, der bei den Berechnungen und den Planungen unterstützt. Die Kosten dafür werden zu 85 Prozent bezuschusst, von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) und dem Land. 15 Prozent müssen die Ortsgemeinden selbst tragen.

Bei den Sitzungen und Bürgerversammlungen, die vorab stattfanden, kam immer wieder die Frage auf, wie ein Nahwärmenetz betrieben werden könne. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: Zum einen könnte es von einer privaten Firma betrieben werden, es könnte aber auch eine Bürgergenossenschaft gegründet werden oder die Verbandsgemeinde könnte es übernehmen.

Sanierungsmanager Tobias Thiel sagt: „Es ist natürlich eine schwierige Frage, wer die Nahwärmenetze betreiben soll, aber es hat sich herauskristallisiert, dass ein Modell, bei dem es von der Verbandsgemeinde übernommen wird, von vielen begrüßt wird.“ Dabei sei grundsätzlich zu klären, ob es eine Aufgabe der Verbandsgemeinde sein soll und kann, sich um Nahwärmenetze zu kümmern. Die Antwort der Sanierungsmanager lautet: „Es gibt den Bürgern Planungssicherheit, wenn die Verwaltung das übernimmt, die Verwaltung hat zudem keine Gewinnabsichten, und es wird beispielsweise in der Verbandsgemeinde Simmern schon so praktiziert.“ Sie ergänzen: „Es ist zudem auch nichts anderes als Wasser und Abwasser.“

Bei einem privaten Betreiber kamen den Beteiligten Bedenken, dass dieser vielleicht insolvent gehen könne und die Versorgung nicht sicher sei. Eine Bürgergenossenschaft mache nur Sinn, wenn sich Personen ehrenamtlich engagieren. „In Mannebach bei Saarburg gibt es so ein Modell. Dort ist der ehrenamtliche Bürgermeister verantwortlich, der 20 bis 40 Stunden pro Monat in die Nahwärme investiert. Wenn das Einzelne machen und das funktioniert, ist das super, aber wenn sie  es nicht mehr machen, wird es schwierig“, sagt Christian Stalter. Letztendlich ist die Betreiberfrage aber noch nicht geklärt, und es werden verschiedene Modelle durchgerechnet. „Wichtig ist, dass die Nahwärme günstiger ist als eine Ölheizung, denn wenn es sich nicht rechnet, machen die Leute nicht mit. Nur aus Idealismus machen das nur die Wenigsten“, fassen Stalter und Thiel zusammen.

In Landscheid haben 37 Haushalte, in Bergweiler 27 und 40 in Dreis Interesse an einem Nahwärmenetz bekundet. Auch in Hasborn ist das Thema noch nicht vom Tisch. Bei den drei Orten, die in der Planung schon weiter sind, gibt es mit Bürgerhallen oder Bürgersälen, Schule oder Kitas Großabnehmer der Wärme, die ein solches Projekt rentabler machen.

Bis die ersten Nahwärmenetze ans Netz gehen, werden wahrscheinlich noch drei Jahre vergehen. Den Bau des Gebäudes, indem der Hauptteil der Anlage untergebracht sein wird, bauen die Gemeinden, das kann die Größe einer Garage haben aber auch bis zu einem Einfamilienhaus gehen.