In Lieser stinkt es den Anwohnern

Aus Richtung der Kläranlage im Liesertal weht manchmal ein unangenehmer Wind in den Ort. Die Anlage läuft aber ordnungsgemäß, erklärt der Leiter der VG-Werke, Friedhelm Bohn. Woher der Geruch kommt, bleibt rätselhaft.

Nach der Klärung wird das Wasser in die Lieser geleitet. Foto: (m_mo )

Lieser/Bernkastel-Kues Das Wohngebiet Auf Zevenich in Lieser liegt idyllisch am Rande eines Weinbergs. Im Westen grenzt die Moselstraße an die Ansiedlung, im Tal verläuft die Lieser. Ein- und Mehrfamilienhäuser stehen hier, mit herausgeputzten Vorgärten und bunt leuchtenden Rosensträuchern. Aber ab und an zieht offenbar ein unangenehmer Geruch über das Viertel. "Man kann nachts kein Fenster mehr auflassen. Wenn der Gestank mal im Raum ist, dann bleibt er drin. Nur bei Regen ist es weniger. Seit einem Jahr ist es extremer geworden," sagt Christa Stablo, die dort wohnt. Ihr Nachbar Armin Pauly hat die Geruchsbelästigung ebenfalls festgestellt und auch eine Vermutung, woher es kommt: "Es kann nur von der Kläranlage kommen, die im Liesertal liegt. Die liegt so nahe, dass ich von meinem Haus aus dorthin sehen kann." Sein Bruder Edy Pauly, ebenfalls Anwohner, bestätigt das: "Das kommt immer so schwallartig von der Kläranlage hergeweht. Die Anlage stammt aus den 1970er Jahren und liegt da an der falschen Stelle. Das Wohngebiet war nämlich schon vorher da und die Anlage ist zu nah gebaut worden. Manchmal ist sie offenbar überlastet." Beim Termin mit dem TV weht dann auch tatsächlich kurzfristig Gestank herüber. Friedhelm Bohn von den Verbandsgemeindewerken, Betriebsbereich Abwasser, nimmt dazu Stellung: "Wir haben mehrfach Rücksprache mit den Anwohnern genommen, konnten aber keine Geruchsbelästigung feststellen." Beim Besuch der Anlage erklärt Bohn die Funktionsweise der Anlage, die aus dem Jahr 1972 stammt und 2003 erneuert wurde. "Die Anlage ist abgedeckt und hat Abzüge mit nachgeschaltetem Biofilter. Bestimmte Becken kann man aber nicht abdecken," sagt Bohn. Dazu zählen das Vorklärbecken und der belüftete Sandfang, in dem der Sand vom Abwasser separiert wird. Während des Besuchs ist aber an beiden Becken kein Geruch feststellbar. Nach faulen Eiern hingegen riecht es in der Halle, in der die festen Überreste, darunter Toilettenpapier und Tampons, in Containern eines Entsorgerdienstes zwischengelagert werden. Allerdings ist diese Halle in der Regel abgeschlossen. Die Container werden regelmäßig abgefahren. "Wir wollen Abwässer reinigen und die Leute nicht mit Geruch belästigen," sagt Bohn. Geruchsbelästigung und Wasserqualität würden durch die VG-Werke selbst regelmäßig überwacht, außerdem komme die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord mehrmals im Jahr unangemeldet zur Anlage, um Proben zu entnehmen.
Die Entfernung der Anlage zum Wohngebiet liege bei rund 400 Metern und somit ausreichend. Die Anlage selbst sei sogar überdimensioniert, da Anlagen in Weinbaugebieten wegen der Verarbeitung der Reben im Herbst besonders große Kapazitäten vorhalten müssen.
Auch der Klärschlamm, der 30 Tage ausfaulen muss, bis Mikroorganismen alle Schadstoffe abgebaut haben, liegt in einem abgeschlossenen und entlüftetem Bereich. "Dort bilden sich Methangase, mit denen wir die Heizung der Anlage betreiben", erklärt Bohn. Der Schlamm findet später als Dünger in der Landwirtschaft Verwendung. Im weiteren Verlauf des Prozesses fließt das Abwasser in mehrere offene Becken, in denen zum Beispiel Bakterien in einem biologischen Klärungsprozess Urin abbauen. Am Ende fließt das wieder klare Wasser in die Lieser und von dort in die Mosel. Aber in diesen offenen Bereichen ist das Abwasser schon soweit gereinigt, dass es kaum mehr Gerüche absondern kann.
Woher nun, vor allem in der Nacht, die Geruchsbelästigung kommen könnte, bleibe unerklärlich, sagt Bohn.Extra: DIE GRUPPENKLÄRANLAGE UNTERES LIESERTAL
Die Anlage im Liesertal reinigt das Abwasser von Orten aus zwei Verbandsgemeinden: VG Bernkastel-Kues und VG Wittlich-Land. Die Bernkastel-Kueser Gemeinden Lieser, Maring-Noviand, Mülheim, Brauneberg, Wintrich, Veldenz, Burgen und Kesten sind an sie angeschlossen. Ebenso leiten die Gemeinden Osann-Monzel und Platten aus der VG Wittlich-Land ihre Abwässer in die Anlage ein. Aus der VG Bernkastel-Kues sind das 17 300 Einwohner, aus der VG Wittlich-Land 4970 Einwohner. Insgesamt 22 270 Einwohner. Die Jahresschmutzmenge beträgt 1 316 000 Kubikmeter Wasser. Die maximale Wassermenge, die durchfließen kann, beträgt 135 Liter pro Sekunde, entsprechend 486 Kubikmeter pro Stunde. Die Anlage verfügt unter anderem über eine Rechenanlage, einen Sandfang, Vorklärbecken, Belüftungsbecken, Gebläsestationen und Nachklärbecken. Das gereinigte Wasser fließt nach dem Klärprozess in die Lieser und von dort in die Mosel.