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In Lönisch gibt es keinen Bürgermeister seit der Kommunalwahl 2019

Kommunalpolitik : Bürgermeister verzweifelt gesucht: In Lösnich will keiner den Chefsessel

Niemand will Bürgermeister oder Bürgermeisterin der Ortsgemeinde Lösnich werden. Deshalb führt Leo Wächter, der Verwaltungschef der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, seit einigen Tagen die Geschäfte.

Seit der Kommunalwahl im Mai 2019 beginnt jede Sitzung des Ortsgemeinderates Lösnich mit dem gleichen Tagesordnungspunkt: Wahl und Ernennung des Ortsbürgermeisters. Und das wird voraussichtlich auch bis zur nächsten Wahl so bleiben. Denn es wurde bisher niemand vorgeschlagen, und es hat sich auch keiner selbst ins Spiel gebracht.

Winfried Gassen, zehn Jahre lang an der Spitze, hatte eine dritte Kandidatur vor der Kommunalwahl ausgeschlossen, führte die Gemeinde aber noch bis Ende Oktober 2019. Danach übernahm der gewählte Erste Beigeordnete, Rainer Simon, die Geschäfte. Dauerhaft darf ein Beigeordneter das aber nicht tun, heißt es von Seiten der bei der Kreisverwaltung angesiedelten Kommunalaufsicht. Seit wenigen Tagen ist deshalb ein sogenannter Beauftragter für den Moselort verantwortlich. Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, hat diese Aufgabe am 1. März übernommen.

Er hätte auch einen der leitenden Beamten seiner Verwaltung damit betrauen können. „Ich wollte die Aufgabe aber selbst übernehmen“, sagt er. Durch die geografische Nähe zu seinem Heimatort Ürzig kenne er Lösnich mit seinen knapp 470 Einwohnern. „Ich habe mit dem Rat schon sehr gut zusammengearbeitet“, führt er aus.

„Ich habe die Hoffnung, dass doch noch jemand gefunden wird, der das Amt übernimmt“, sagt er. Rainer Simon, der auch schon lange in der Kommunalpolitik tätig ist, unter anderem als Erster und Zweiter Beigeordneter, wäre sicher ein geeigneter Kandidat. Gegenüber dem TV schließt er eine Kandidatur aus „zeitlichen Gründen“ aber aus. Der 52 Jahre alte Winzer führt einen Vier-Hektar-Betrieb und betreibt mit seiner Frau auch noch ein Gästehaus und eine Weinstube. Ein Amt zu übernehmen und dann zu merken, dass er der Aufgabe zeitlich nicht gerecht werden könne, entspreche nicht seiner Art, sagt er.

Er wird vor Ort weiter der Ansprechpartner sein und zum Beispiel auch bei den Sitzungen an vorderer Stelle aktiv sein. Verantwortlich ist aber Leo Wächter, der deshalb in alles eingebunden sein muss. Denn der Beauftragte trete im Rahmen seines Auftrags in alle Rechte und Pflichten eines Ortsbürgermeistes, heißt es von Seiten der Kommunalaufsicht.

„Der Gemeinde soll kein Nachteil entstehen“, sagt Leo Wächter. Es werde regelmäßig Treffen geben, bei denen alles Wichtige besprochen werde. Für die Arbeit könnte er einen Teil der Aufwendungen eines ehrenamtlichen Bürgermeisters einstreichen. „Das werde ich aber nicht tun. Ich verzichte auf das Geld“, versichert er.

Dass eine Ortsgemeinde einen Beauftragten bekommt, stellt in der VG Bernkastel-Kues eine Premiere dar. Gleiches könnte in Minheim passieren, wo der 2019 per Urwahl bestimmte Ortsbürgermeister aus persönlichen Gründen zurücktrat. Vor einigen Jahren gab es auch in Erden längere Zeit keinen Gemeindechef.

In Lösnich habe die Vakanz mehr als ein Jahr gedauert, heißt es von der Kommunalaufsicht. „Und es ist nicht damit zu rechnen, dass in nächster Zeit die Wahl eines Ortsbürgermeisters durch den Gemeinderat erfolgt“. Deshalb habe gehandelt werden müssen.