In Morbach wandelt sich der Forst von einer regelmäßigen Einnahmequelle zum Sorgenkind

Forst : Vom Goldesel zum Sorgenkind

Der Klimawandel stresst die Wälder der Region. In Morbach wandelt sich der Forst von einer regelmäßigen Einnahmequelle zum Sorgenkind.

In welchem Zustand ist der Wald? Mit dieser Frage hat sich der Morbacher Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung intensiv befasst. „Zwei trockene und zu heiße Sommer bleiben nicht spurlos hängen“, sagt der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal. 11 000 Meter Einschlag seien bei der Fichte für 2019 geplant gewesen, bis jetzt seien 7500 Festmeter gefällt worden. „Das meiste davon ist Käferholz“, sagt er. Der Borkenkäfer, der die durch die äußeren Umstände gestressten Bäume befällt, habe inzwischen schon die dritte Generation ausgebildet. „Aus einem Pärchen können so 100 000 Käfer werden“, sagt er. Durch die hohe Population befalle der Käfer inzwischen auch andere Baumarten.

Volker Reinsch, stellvertretender Geschäftsführer der Holzvermarktungsorganisation Rheinland-Pfalz Südwest, hat den Ratsmitgliedern einen Überblick über die derzeitige Entwicklung auf dem Holzmarkt gegeben. So seien die Preise für einen Festmeter Fichtenholz in einem ersten Schritt von rund 80 bis 84 Euro auf inzwischen 67 bis 60 Euro gefallen. Bei Käferholz liege dieser zwischen 30 und 40 Euro. „Wir sind inzwischen gezwungen, Holz in den Export zu geben“, sagt er zur Konsequenz aus den Übermengen am Markt. „Wir reden teilweise nicht mehr über Verkaufs-, sondern über Entsorgungspreise“, sagt er. „Es ist jeder Tag ein Kampf, das Holz überhaupt noch loszuwerden.“ Lediglich der Preis für Douglasien liege mit 100 Euro pro Festmeter auf einem Vorjahresniveau.

Das Absterben von Laubbäumen aufgrund der Trockenheit, das in anderen Teilen Deutschlands zu beobachten sei, treffe auf den Hunsrück noch nicht zu. „Was uns helfen kann ist eine lange Regenphase und ein kalter Winter mit mehreren Tagen Frost unter zehn Grad Minus, der die Larven abtötet“, sagt er.

Die anschließende Diskussion hat den Ratsmitgliedern wenige Lösungsmöglichkeiten eröffnet. Gegen den Einsatz chemischer Stoffe, sprich Pestiziden, hat sich Uwe Andretta ausgesprochen, da diese nicht nur die Borkenkäfer, sondern auch andere Insekten vernichten und Auswirkungen auf Trinkwasser zu befürchten seien. Diese könnten jedoch bei Holzpoldern eingesetzt werden, entgegnet Hackethal. „Das ist eine effektive und punktuelle Möglichkeit. Mit der gehen wir aber restriktiv um“, sagt er.

„Machen Nasslager Sinn?“ fragte Manuel Blatt von der CDU. „Käferholz können Sie nicht lagern“, entgegnet Reinsch. Egon Schabbach von den Freien Wählern regte an, Reste aus dem Wald zu entfernen, damit diese als Brutstätten ausscheiden. Frank Klein von der FDP fragte nach Pheromonfallen.

Diese hätten sich in der Vergangenheit als wenig effektiv erwiesen, sagt Hackethal. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass es wieder Kahlschlag geben wird“, sagt der Bürgermeister. „Zudem müssen wir uns auf andere Ergebnisse einstellen, als wir es bisher gewohnt waren“, sagt er bezüglich der Einnahmen aus dem Forst.

Der Waldumbau sei in vollem Gang. Früher habe der Nadelbau­manteil im Morbacher Forst 75 Prozent betragen, heute liege dieser bei unter 50 Prozent. Ein Ausweichen auf andere Baumarten sei ebenfalls nicht unproblematisch.  So werde die Douglasie von der Gallmücke befallen. Hackethal: „Das Thema Wald wird uns weiter verfolgen.“ Eine Abstimmung über einen Beschlussvorschlag hat es zu diesem Punkt nicht gegeben.

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