In welcher Zeit leben wir?

Drogen

Zum Artikel "Wittlich, eine Drogenstadt?" (TV vom 6./7 Mai) erhielten wir diese Zuschrift:
Ein Mann stellt auf einer Internetseite mutmaßliche Drogenabhängige aus Wittlich an den Pranger: nennt vollständige Namen angeblich suchtkranker Menschen, beschimpft sie, beleidigt sie, klagt sie an. Und der Trierische Volksfreund bietet diesem respektlosen und menschenverachtenden Verhalten eine Plattform, bietet eine halbe Seite Aufmerksamkeit in der Samstagsausgabe. Drogenabhängigkeit ist ein Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen. Folge des Konsums können Störungen der Psyche und des Verhaltens aufgrund wiederholter Einnahme von Suchtmitteln sein. Kennzeichnend ist ein starkes, periodisch oder dauerhaft auftretendes Verlangen nach der Droge, eine fortschreitende Vernachlässigung von Verpflichtungen oder Aktivitäten, Kontrollverlust und der Zwang, trotz negativer Konsequenzen weiter zu konsumieren. Es handelt sich bei der Drogenabhängigkeit um eine körperliche und psychische Erkrankung, oft sehr scham- und schuldbesetzt. In welcher Zeit leben wir, dass suchtkranke Menschen in der Öffentlichkeit so behandelt werden dürfen? Was kommt als nächstes? Namenslisten von Diabetikern, die im Straßencafé sitzen und Sahnetorte essen? Namenslisten von Krebspatienten, die weiter ihre Zigarette in der Raucherkneipe konsumieren? Namenslisten von Übergewichtigen, die sich zu wenig bewegen, Namenslisten von Alkoholabhängigen, die sich allabendlich an der Theke berauschen?
Helga Thiel, Leitung der Suchtberatung des Caritasverbandes Mosel-Eifel-Hunsrück