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In Wittlich gibt’s jetzt acht Mal eine nette Toilette

In Wittlich gibt’s jetzt acht Mal eine nette Toilette

Wittlichs einziges öffentliches WC steht auf dem Schlossplatz. Jetzt wird die Suche nach einem stillen Örtchen leichter: Auf Initiative des Stadtmarketingvereins bieten acht Gastronomen nach einem bundesweiten Konzept eine „nette Toilette“. Von der Stadt erhalten sie dazu einen Obolus.

"An Fastnacht sind es bis zu 120 Menschen täglich. Dann sage ich: ,Eintreten bitte, aber nacheinander.' Denn manchmal wollen zehn Mädels auf einmal zur Toilette. Im Prinzip haben wir eine nette Toilette schon seit 35 Jahren", sagt Peter Daus.
"Zu uns kommen viele Ältere. Besonders sonntags wegen der Kirche. Ich schicke keinen weg", sagt Gabi Klas. "Zu mir kommen auch Kinder. Die, die mir gesagt haben, ,Bei uns zu Hause kostete das Aufsklogehen uns ja Geld', die habe ich mal rausgeschmissen. Und wenn welche ohne ein Wort raus- und reingehen, sage ich ganz laut: ,Danke'", sagt Friedhelm Schneck.

Die drei Wittlicher Gastronomen zeigen mit fünf weiteren ab dem 1. Dezember jetzt ganz offensiv, dass jedermann kostenlos ihre WC-Anlagen nutzen kann. Darauf weist nicht nur ein großer roter Aufkleber "Hier finden Sie eine nette Toilette" hin. Es wurden auch Stadtpläne gedruckt, auf denen die acht Betriebe mit ihrem Angebot vermerkt sind. Die gibt es unter anderem in der Tourist-Information am Marktplatz, wo täglich Ortsfremde nachfragen, wo denn in der Stadt ein stilles Örtchen zur Verfügung stehe. Seit 2011 hat sich Karsten Mathar, Stadtmarketing Wittlich, für die Einführung des bundesweiten Modells in Wittlich eingesetzt. Er hat 27 Gastronomen im Innenstadtbereich angeschrieben und für das Angebot geworben.

Zudem wurde bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob sie das Vorhaben finanziell unterstützt. Je nach Toilettenanlage gibt es monatlich 20 oder 30 Euro für die Anbieter. Außerdem trägt die Stadt die Kosten für die Lizenzrechte, Aufkleber und Flyer.
Kreisweit ist Wittlich mit dem neuen "Nette-Toilette"-Angebot Vorreiter. Insgesamt mehr als 180 deutsche Städte haben das Modell laut Info im Internet schon erfolgreich eingeführt.

Mit dabei ist auch Karsten Zöll. Er sagt. "Natürlich haben wir auch bisher keinen Toilettenbesuch verweigert. Und man kennt das Problem ja selbst, wenn man unterwegs ist. Ich denke, durch den Aufkleber kann man vielen Menschen auch eine Hemmschwelle nehmen. Viele bestellen ja auch nur pro forma Kaffee oder Espresso, nur um zur Toilette gehen zu können. Das muss ja nicht sein." Vielleicht wird der Einsatz der acht Gastronomen ja auch anderweitig belohnt. So steht im Schreiben des Stadtmarketing Vereins, das an alle 27 infrage kommenden Betriebe ging: "Sie bekommen möglicherweise den einen oder anderen neuen Gast."