In Wittlich soll ein innovatives Großprojekt entstehen.

Infrastruktur : Drei Einrichtungen unter einem Dach

In Wittlich soll ein innovatives Großprojekt entstehen. In einem dreistöckigen Neubau werden das Haus der Jugend, das Mehrgenerationenhaus und eine  Kita untergebracht. Doch nicht nur die kombinierte Nutzung ist innovativ.

Im Herzen von Wittlich plant die Stadtverwaltung ein Großprojekt: In einem  dreistöckigen Neubau entlang der Gerberstraße sollen eine Kita für 120 Kinder, das Haus der Jugend sowie das Mehrgenerationenhaus Platz finden. Geschätzte Baukosten: elf Millionen Euro.

Nicht nur die kombinierte Nutzung durch drei Institutionen, die dort unter einem Dach zusammenfinden werden, muss als innovativ bezeichnet werden. Bemerkenswert an diesem Großprojekt ist auch, dass die Stadtverwaltung dafür gar kein externes Architekturbüro beauftragen musste. Denn die Pläne dafür stammen allein aus der Feder eines jungen Architekten und Mitarbeiters der Stadtverwaltung: Nach nun einem Jahr hat der Diplom-Ingenieur Christian Gerhardy (35) die Planung für das Großprojekt abgeschlossen. Die Stadt Wittlich hat nun Bauantrag für ihr Elf-Millionen-Euro-Projekt eingereicht. „Wenn die Stadt dafür ein externes Architekturbüro engagiert hätte“, sagt Gerhardy, „hätte sie das rund eine Million Euro gekostet. Dafür müsste ich lange arbeiten.“ Mit dem „Multigenerationenzentrum“ (MGZ), so der interne Arbeitstitel für das Bauprojekt, hat Gerhardy nun sein bislang größtes Projekt geplant. Dabei sind Großprojekte ja bekanntermaßen nicht ohne. Denn Bauprojekte gehen mit steigender Größenordnung ja auch gerne schon mal schief, wie man nicht erst seit dem  Berliner Hauptstadtflughafen BER weiß. „Man muss Respekt davor haben, aber man darf keine Angst haben“, sagt der 35-jährige Architekt.

Der Erfolg gibt ihm recht: In Wittlich und darüber hinaus hatte er sich bereits mit der Planung der Kita St. Peter als Holzhaus einen Namen gemacht. Nach der Eröffnung 2018 zeichnete die Energieagentur Rheinland-Pfalz den Neubau mit der Klimaschutzplakette aus (der TV berichtete). „Im Holz wird Co2 dauerhaft gebunden und gespeichert. Dadurch erreicht man gegenüber anderen Bauarten eine Co2-Einsparung.“

Bei der Planung des dreistöckigen Gebäudes suchte Gerhardy erneut die Herausforderung und entwarf es in Massivholzbauweise. Wie der 35-jährige Architekt erklärt, werde es in ganz Deutschland das erste Gebäude dieser Größenordnung in Massivholzbauweise. Tragende Wände und Decken sollen nicht aus Stein oder Stahlbeton, sondern Fichte und Buche bestehen. Die neuartige Holzbaumethode des Morbacher Unternehmens Eugen Decker Holzindustrie KG mache das möglich. Das Unternehmen habe innovative Holzbauelemente aus Fichte und Buche entwickelt und erprobt. Dabei würden drei Lagen Fichte und dazwischen zwei Lagen Buchenholz kreuzweise zu 16 Zentimeter dicken Bauelementen verleimt, aus denen Decken und tragende Wände konstruiert werden können. Die Buche gebe der Konstruktion mehr Festigkeit. Da sie im Gegensatz zur Fichte nicht so vom Klimawandel bedroht sei, sollte man sie vermehrt im Baubereich einsetzen, sagt Gerhardy. Allein der Keller und die Treppenhäuser des Gebäudes würden in Stahlbeton gefertigt. Alle anderen tragenden Wände und Decken würden dagegen aus Holz errichtet. Insgesamt 1500 Kubikmeter Fichte und Buche seien für den Bau notwendig.

Die Holzbauweise erlaube daneben eine enorme Zeitersparnis, da Decken und Wände vorgefertigt würden und die Fenster bereits vor der Lieferung aus den Wänden gefräst würden. „Eine nachträgliche Fensteraufmessung entfällt dadurch, wodurch sich die Bauzeit um drei bis vier Monate verkürzt.“

Für dieses Pilotprojekt in Holzbauweise winke zudem ein sechsstelliger Förderbetrag durch den Verein Holtbau-Cluster Rheinland-Pfalz. Auch der Bürgermeister ist mächtig stolz auf dieses innovative Projekt im Stadtzentrum: „Das Projekt Kita/MGH/HDJ ist ein richtungsweisendes Vorhaben für die Stadt Wittlich nicht nur hinsichtlich der Architektur und der Nachhaltigkeit der Bauweise, sondern auch hinsichtlich der innovativen inhaltlichen Ausgestaltung einer generationenübergreifenden Einrichtung.“

Das neue Multigenerationenzentrum soll in  Massivholzbauweise enstehen. Geplant hat es Architekt Christian Gerhardy, ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Foto: Rendertaxi GmbH

Städtebaulich, so Rodenkirch, werde im Zusammenhang mit dem Eventum, dem Kino und der neugestalteten Stadtverwaltung, die sich gerade im Umbau befindet, ein besonderer Akzent gesetzt. Wenn alles glattlaufe, die Kreisverwaltung den Bauantrag genehmige und die Förderung durch das Land zugesagt werde, sagt Gerhardy, dann könne man 2020 mit dem Bau beginnen. 2023 könnten Kita, Mehrgenerationenhaus  und Haus der Jugend dort voraussichtlich eröffnen.

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