Infrastruktur

Zum Artikel "Auf die Wittlicher wartet Verrücktes" (TV vom 7./8. Januar) schrieb uns dieser Leser:

Der Stadtmarketingverein Wittlich plant neue Aktionen. Die Ideen gingen den Machern nicht aus, wie Petra Willems in oben genanntem Artikel schrieb. "In Wittlich passiere was." Man fragt sich nur, was. Zu den "bewährten Angeboten" gebe es neue Aktionen, Projekte und Vorhaben. Besorgt fragt man sich, was sie jetzt wohl wieder aushecken. Ich bin 1992 beruflich nach Wittlich gekommen und habe mich von Anfang an hier wohlgefühlt. Brauchte ich etwas, ging ich in die Innenstadt oder zu Bungert, um es zu kaufen. Dies änderte sich in den folgenden Jahren: Immer mehr Fachgeschäfte schlossen. Die Innenstadt verwaiste, und von dem "Bewährten" blieb kaum mehr etwas übrig. Sicher, Ansprüche mögen verschieden sein. Eine menschenleere, zum Teil gespenstig anmutende City lockt nun aber mal keine Käufer an. Mit diesem Problem, eine Infrastruktur aufrechtzuerhalten beziehungsweise wieder aufzubauen, steht Wittlich nicht alleine da. Viele Kleinstädte sind damit konfrontiert. Viele haben die Probleme aber besser gelöst als die Wittlicher. Zum Beispiel Fritzlar, eine Kleinstadt in Nordhessen mit 15 000 Einwohnern ist die Stadt Hessens mit der höchsten Bürgerzufriedenheit was Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Verkehrswege, Verkehrsverbindungen, das kulturelle Angebot und so weiter angeht. Wittlich steckt mit seiner Innenstadt in einer schweren Depression. Anstatt in hektischen Aktionismus zu verfallen, täte man meines Erachtens jedoch gut daran, sich die Mühe zu machen zu fragen, warum das so ist. Auf der Grundlage einer vernünftigen Problemanalyse könnten in einem nächsten Schritt mittel- bis langfristig Lösungsansätze von allen Beteiligten erarbeitet werden. Im Grunde sollte man sich freuen, dass ein Verein Stadtmarketing sich auf den Weg macht, etwas verändern zu wollen. Dabei mag es geglücktere Aktionen wie die Weihnachtsaktion, bei der Bilder des Wittlicher Künstlers Tony Munzlinger verlost wurden, geben. Die Aussicht, demnächst das Angebot eines Schlachters im Tattoostudio betrachten zu müssen und Hefestückchen im Juwelierladen zu finden, berührt mich eigentümlich. Mich wird es nicht in die City locken, auch dann nicht, wenn Frau Willems schreibt: "Das Argument vieler, es werde nichts Passendes angeboten, zählt spätestens jetzt nicht mehr. Das einzige, was jetzt zählt, ist Hingehen." Mich überzeugt das nicht. Ich halte daran fest: In Wittlichs Innenstadt wird bis auf Weiteres immer weniger Passendes angeboten. Und von einer Lokalredakteurin möchte ich mir nicht vorschreiben lassen, wie ich damit umzugehen habe. Roland Koechel, Meerfeld