Ins Schwarze getroffen

WITTLICH. Pistole, Gewehr, Vorderlader: An allen Waffen, mit denen zur Zeit im Deutschen Schützenbund geschossen wird, trainieren auch die Wittlicher Sportschützen. Und das mit wachsendem Erfolg bei nationalen und internationalen Turnieren.

"Unser jüngstes Mitglied ist elf Jahre alt", erzählt Ulrich Jacoby über seine Schützengesellschaft. Und: "In Deutschland darf erst ab dem zwölften Geburtstag geschossen werden." Die Auflösung dieses kleinen Rätsels ist einfach: Bereits für Elfjährige erteilt die Kreisverwaltung eine Ausnahmegenehmigung, wenn ein junger Mensch Interesse am Sportschießen zeigt. Diese Genehmigung ist reine Formsache. In Wittlich treffen sich 110 Mitglieder regelmäßig an ihrem Schießstand am Sterenberg. Dieser etwas abseits gelegene Vereinstreff - immerhin machen zumindest die draußen geschossenen Vorderlader gehörigen Lärm - birgt auch eine der modernsten und beheizten Schießhallen in ganz Rheinland-Pfalz. Deshalb trainiert hier auch jeden Montag eine Leistungsgruppe von Jugendlichen, die teilweise von weit her angereist kommen. Mit im Boot sind Lena Graf (15) und Daniel Gerhard (16), auf die der Wittlicher Verein besonders stolz ist: Nach absolvierter Trainingseinheit, die in konzentrierter Stille stattfindet, drehen sie sich um und verkünden den gespannt wartenden Eltern und Freunden regelmäßig "85""86" oder gar "87" - ein Kürzel, das sich nur Insidern erschließt: 385, 386 bzw. 387 Ringe sind gemeint. Zuvor haben sie 40 Mal auf den zehn Meter entfernten Spiegel geschossen: Treffen sie "ins Schwarze", das heißt, genau in die Mitte, sind das zehn Punkte, treffen sie nur den inneren Ring, sind das neun Punkte. "Schlechter schießen diese jungen Profis eigentlich kaum", sagt Jacoby. Lena war mit dem Luftgewehr bei den Deutschen Meisterschaften in München und hatte dort einen beachtlichen Platz im Mittelfeld erzielt. "Mir gefällt beim Schießen besonders die Konzentration des gesamten Körpers", erklärt sie. Und dass ihr diese hier geübte Fähigkeit selbst in der Schule zu Gute komme.Ehrgeizige Ziele

Auch Daniel hat hohe Ziele, möchte sich auf nationaler Ebene mit Gleichaltrigen messen. "Der besondere Reiz für mich ist beim Schießen, dass ich, anders als bei Mannschaftssportarten, für mich ganz allein treffe oder daneben schieße." Im Verein haben die jungen Leute große Vorbilder. Im Vorderlader-Bereich stellte Wittlich 2003 gleich zwei Deutsche Meister: den Mannschaftsmeister mit dem Freigewehr (Manfred Kröschel, Rüdiger Jakoby, Edwin Heinen); Manfred Kröschel wurde außerdem Einzelmeister mit dem Dienstgewehr. Das Schießen, zumindest ab einem gewissen Leistungsniveau, kostet eine gehörige Portion Geld: Nicht allein die Waffe muss finanziert werden, auch die den Körper stützende und damit entlastende Kleidung bis hin zu den richtigen Schuhen, dem Stirnband und dem Handschuh braucht der Sportschütze, der es ernst meint. Noch schwieriger wird es für Linkshänder oder Brillenträger: Spezialanfertigungen müssen her. Doch wer das persönliche Schießtalent einmal ausprobieren möchte, sollte sich davon nicht abhalten lassen. Der Verein ist reichlich ausgestattet mit eigenen Waffen, die alle Mitglieder jederzeit nutzen können. Gegen einen adäquaten Obolus kann jeder Gastschütze das Kaliber seiner Wahl nutzen. "Hobbyschützen können auch jahrelang mit Vereinsgewehren und -pistolen schießen", so Jacoby, der selbst zu spät mit dem Schießen begann, um noch nationale oder gar internationale Lorbeeren ernten zu können. Lunte gerochen hatte er in den Schießbuden von Volksfesten, bis er mit 23 Jahren in den Verein eintrat. Angesteckt hat er damit auch seine Lebensgefährtin Claudia und deren Kinder. Eines davon ist jene so erfolgreiche Lena Graf. Auch zu Marc Teusch, inzwischen Jugendtrainer der Schützengesellschaft, kam das Interesse über die Eltern, die ihn schon als Kind immer an den Schießstand "mitschleppten". Marc schießt hauptsächlich mit den modernen Luftdruckwaffen, mit denen die Wittlicher in den vergangenen Jahren zunehmend Erfolge erzielen. Die immer wieder geäußerten Bedenken, dass in Schützenvereinen Gewaltbereitschaft erzeugt werde, weisen die Wittlicher Vereinsmitglieder zurück. Jacoby: "Tatsache ist, dass mit registrierten Sportwaffen keine Straftaten begangen werden."