Inspiration aus Überbleibseln

Nach Schaffensperioden in Berlin und Bremen hat der studierte Künstler Johannes M. Müller seine Zelte im Moselort Schleich aufgeschlagen. Seine Kunstwerke stellt er nun in der Abtei Himmerod aus.

Großlittgen. Warum Abfallprodukte verschrotten oder angespültes Holz liegen lassen? Der Schleicher Künstler Johannes M. Müller zeigt mit seiner Ausstellung "Inspiration Castellatus" in der Alten Mühle der Abtei Himmerod, dass man damit noch viel anfangen kann.
Bei der Eröffnung zeigte er den Besuchern seine kreativen Skulpturen, die überwiegend aus Metall und Holz bestehen. "Das Metall habe ich von Wertstoffdeponien. Es hatte einmal eine bestimmte Funktion in einer Maschine.
Die Patina der Zeit ist den Teilen anzusehen, und so gebe ich ihnen eine neue Bedeutung", erklärt der Künstler. So hat er zum Beispiel einen Auspuff oder Bremsscheiben in seinen Kunstwerken verarbeitet.
Johannes M. Müller ist in seinem Leben viel herumgekommen: Geboren im Mai 1957 in Saarbrücken, ging er mit 18 Jahren zum Studieren nach Berlin. "Ich habe dort Kunst studiert", sagt er. Außerdem habe er eine Ausbildung zum Metallbauer und Kunstschmied dran gehangen "Zuerst hatte ich mit der Malerei angefangen, aber ich konnte damit wenig anfangen. Ich musste mit Metall arbeiten".
Bis 1989 blieb er in Berlin, nach einer darauffolgenden, 22-jährigen Station in Bremen zog es ihn und seine Frau 2011 an die Mosel nach Schleich, wo auch seine Mutter wohnt. "Ich habe dort mein Atelier. Nach Himmerod bin ich gekommen, weil ich auf der Suche nach einem Ausstellungsplatz war", sagt Müller. Dort traf er im letzten Frühling vor der Alten Mühle dann zufällig auf Pater Ignatius.
Auch Pater Ignatius, neuer Kurator des Museums Alte Mühle, gefallen die Kunstwerke von Johannes M. Müller. "Das Material wird aus der Ursprünglichkeit herausgenommen und in einen neuen Kontext gebracht, es regt Prozesse an", sagt er. Wo nahm der Künstler die Inspiration für seine Skulpturen her? "Die kommt mir, wenn ich anfange zu arbeiten. In Schleich habe ich ein kleines Lager, wo viele Materialien stehen. Ich habe das nicht vorher vor Augen. Das Ganze wird nach und nach aufgebaut", erklärt Müller, der 2013 eine Ausstellung an der Europäischen Kunstakademie in Trier hatte. Gebraucht habe er für die ganze Sammlung ungefähr ein Jahr. "Sie ist peu à peu entstanden", sagt der Künstler. Kunstliebhaber können die Stücke auch kaufen. "Ich habe jeweils einen Basispreis angesetzt, welcher verhandelbar ist."
Die Wiederverwendung weggeworfener Gegenstände schafft natürlich auch einen Bezug zum nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. "Diesen Aspekt hat es natürlich auch, obwohl ich mir darüber speziell noch nicht so viele Gedanken gemacht habe", sagt der 57-jährige Müller.
Laut Pater Ignatius haben die Skulpturen definitiv auch eine kritische Seite: "Alles muss funktionieren, und wenn es das nicht mehr tut, wird es weggeschmissen." Praktisch also, dass Johannes M. Müller eine solch künstlerische Lösung dafür gefunden hat. lemExtra

Die Ausstellung läuft noch bis 14. Juni 2015. Man kann sie sich von Dienstag bis Samstag von 14 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr ohne Termin ansehen. Am Wochenende und an Feiertagen ist der Künstler selbst anwesend, ebenso wie am Tag des Offenen Museums, der an Christi Himmelfahrt (Donnerstag, 14. Mai) stattfindet. Beginn ist um 11 Uhr, Ende um 17 Uhr. Der Künstler Johannes M. Müller wird Führungen anbieten, ebenso vor Ort sein wird Pater Ignatius. lem